Der Werdenberger Binnenkanal ist ein Schlaraffenland für die Wasseramseln

In höheren Lagen ist der erste Schnee gefallen, nun besuchen Vögel gerne die Gärten in der Region Werdenberg mit einheimischen Sträuchern und Bäumen.

Edith Altenburger, Heidi Aemisegger
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3.11.: Die Gartenvögel sitzen auf der alten Föhre und warten auf das kleine Frühstück in Form von Kernen. Es ist unterhaltsam, ihnen bei den Fressgewohnheiten zuzuschauen. Die Buchsfinken und Hausspatzen brauchen etwas Zeit, bis sie sich auf den Balkon wagen. Da bleiben sie dann und picken und picken, bis sie etwas verscheucht. Kohl- und Blaumeisen holen sich einen Kern, fliegen damit auf den Baum, öffnen und fressen das Stück, und schon holen sie den nächsten Kern, immer hin und her. Am quirligsten ist die Tannenmeise, es ist die kleinste unserer Meisen. Geschickt schlüpft sie zwischen den anderen durch, packt etwas und ist schon wieder weg. Sie ist zurzeit die einzige ihrer Art, man erwartet sie eher im Fichtenwald. Ihr Brutgebiet und Sommeraufenthalt liegen in der oberen Waldgrenze. Dort brütet sie in Baum- oder Wurzelhöhlen. Nach dem Brüten versammeln sich kleine Trupps und suchen zuoberst in den Nadelbäumen nach Insekten. Wer jedoch im Winter hierbleibt, muss notgedrungen auf Sämereien umstellen können.

Eine bunt gefärbte Mandarinente. (Bild: PD)

Eine bunt gefärbte Mandarinente. (Bild: PD)

Die Tannenmeise gleicht ein wenig der Kohlmeise. Der schwarze Streifen auf der Vorderseite fehlt, auffallend ist der grosse weisse Fleck im Nacken. Bei der sichtbar kleineren Tannenmeise ist die Vorderseite weiss, bei der Kohlmeise gelblich.

10.11.: Ein grösserer Schwarm Wacholderdrosseln pickt an den Falläpfeln in der Baumschule. Im dichten Gras sind sie fast unsichtbar. Da sie noch nicht lange hier sind, erschreckt sie ein vorbeifahrender Zug, alle fliegen auf und bilden eine Wolke.

Wasservogelzählung in der ganzen Schweiz

18.11.: Es ist Wochenende der Schweizer Wasservogelzählung. Am Werdenbergersee ist nach mehreren Jahren der wunderschöne Erpel der Mandarinente aufgetaucht. Das leuchtende orange Federkleid ist unverwechselbar. Ursprünglich stammt die Art aus Ostasien. Wegen des besonderen Aussehens wurde sie als Ziervogel in Volieren gehalten, privat und auch in Zoos. Einige sind entwichen und haben in der Nähe von versteckten Gewässern eine frei lebende kleine Population gebildet, so in Bad Ragaz. Im neuen Brutvogelatlas werden pro Jahr 10 bis 17 Bruten aufgeführt, eine davon in Bad Ragaz. Gebrütet wird in Baumhöhlen oder grossen Nistkästen. Mandarinenten halten sich gerne unter überhängenden Ästen auf, wie der Erpel auf der Städtliseite am See.

Bei den Winterzählungen der Vogelwarte werden pro Jahr schweizweit 50 bis 100 Individuen festgestellt. Natürlich gibt es auch Mandarin-Weibchen. Sie ist auf den ersten Blick wirklich eine «graue Maus». Grau-braun gesprenkelt, mit einer hübschen hellen Gesichtszeichnung, ist sie schwierig zu finden. Auch am Rhein werden die Wasservögel gezählt. Keine Wasseramsel wird gesichtet. Ist ihnen das Wasser zu trüb, um Nahrung zu finden? Ja, sie haben einen besseren Platz gefunden. Der renaturierte Werdenberger Binnenkanal bietet ihnen ein Schlaraffenland an Nahrung. Hier finden sie im Wasser lebende Larven von Eintags-, Stein- und Köcherfliegen. Auf der zwei Kilometer langen Strecke tummeln sich 17 Wasseramseln. Bald werden die Revierkämpfe beginnen, denn diese Strecke reicht nur für drei Brutpaare.

30.11.: Ein Schwarzspecht-Männchen pendelt mit lauten Prü-prü-prü-Rufen zwischen alten Baumbeständen auf Liechtensteiner- und Schweizerseite hin und her.