Der Wartauer Jonny Gauer lebt für die Livemusik

Wie kaum ein anderer Veranstalter in der Region Werdenberg organisiert Jonny Gauer seit Jahrzehnten Konzerte in «seinem» Lokal Lion-Cave in Trübbach. Für den 54-Jährigen hat dies vor allem idealistische Gründe.

Christian Imhof
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Wegen der Arbeit im «Lion-Cave» fehlt es Jonny Gauer an der Zeit, um selber in einer Band zu spielen. (Bild: Michel Canonica)

Wegen der Arbeit im «Lion-Cave» fehlt es Jonny Gauer an der Zeit, um selber in einer Band zu spielen. (Bild: Michel Canonica)

Jonny Gauer ist ein richtiges Original. Trotz seinem lichten Haar, trägt er dieses hinten lang und wie ein Jugendlicher zeigt er durch die Auswahl seiner T-Shirts, welchen Hard- und Heavy-Bands er aktuell seine Aufmerksamkeit widmet. In einer Zeit, in der Musik und Konzerte immer mehr zur Gratisware werden, wirkt Gauer fast ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Der Vollblutbeizer überlegt sich gut, wie er sich ausdrückt und es fällt auf, dass er ebenfalls ein ausgezeichneter Zuhörer ist. Die Jahrzehnte hinter dem Tresen haben seine Sinne sicher geschärft, denn wer ins «Lion-Cave» eintritt, fühlt sich sofort willkommen als ein Teil der Familie der nostalgischen Musikfreaks.

Lebenswerk «Cave» Trübbach

«Geld verdienen mit der Musik, egal ob als Band oder als Veranstalter, ist heute kaum noch möglich. Da musst du einfach Idealist sein», sagt Jonny Gauer. Er, der 1988 das «Cave» ins Leben rief und bis zur Technowelle Mitte der 90er führte, denkt ab und zu wieder gerne zurück an früher. «In den 80ern und 90ern habe ich praktisch wöchentlich Konzerte veranstaltet – immer an zwei Tagen und das nie an einem Wochenende. Damals hatte man Freitag und Samstag so oder so immer volles Haus, weshalb ich damals vor allem am Dienstag/Mittwoch oder Mittwoch/Donnerstag Shows organisiert habe.»

Jonny Gauer hat das «Lion-Cave» 1988 ins Leben gerufen, machte 18 Jahre Pause, und kam im Jahr 2014 zurück ins «Cave». (Bild: Michel Canonica)

Jonny Gauer hat das «Lion-Cave» 1988 ins Leben gerufen, machte 18 Jahre Pause, und kam im Jahr 2014 zurück ins «Cave». (Bild: Michel Canonica)

So seien bis zum heutigen Tag gut 1000 organisierte Konzerte zusammengekommen, doch nochmals so viele werden es laut Gauer nicht, da er inzwischen nur noch 30 bis 40 Konzerte pro Jahr organisiere. Wie wichtig ihm sein Konzertlokal ist, zeigt auch sein Comeback als Beizer und Veranstalter im Jahre 2014. Nach knapp 18 Jahren Pause hauchte er seinem Lebenswerk neuen Spirit ein und wusch den Namen des zwischenzeitlich fast verlotterten Lokals mit viel Herzblut und Leidenschaft rein. Inzwischen sei das «Cave» wieder ein Begriff als Plattform für solide, handgemachte Musik und sei nicht mehr durch einen negativen Nachhall behaftet. Es sei eine rechte Arbeit gewesen, den positiven Ruf neu aufzustellen, doch es habe sich absolut gelohnt wieder einzusteigen, auch wenn es heute nicht mehr so toll laufe, wie in den 90ern.

Überfluss und Gratiskultur

Die Zeiten haben sich geändert, sagt Jonny Gauer. Es tue ihm schon ein wenig weh, dass die Jugendlichen heutzutage für Konzerte gerne nach Zürich oder an grosse Open-Airs gehen, anstatt die lokalen Konzertlokale zu unterstützen. Doch das sei nicht das einzige Problem, an dem die Veranstalter zu nagen haben. Gauer sagt, es laufe einfach zu viel, sodass man effektiv von einer Übersättigung bei den Konzerten sprechen könne. Die Leute würden nicht mehr so viel an Livekonzerte gehen, da es irgendwie überall Konzerte gebe. «Früher hat man sich noch richtig darauf gefreut. Wenn man zur Tür hinaus ging, musste man sich informieren, wo denn das nächste Konzert stattfindet. Heute geht man zur Tür hin aus und bereits hinter der nächsten Türe findet ein Konzert statt.» Die Konzerte an und für sich wären die eine Geschichte, doch was allen Konzertveranstaltern in der Region zu schaffen mache, sei die Gratiskultur. «Heute stellt jeder, der auch nur zwei Quadratmeter zur Verfügung hat, eine Band bei sich rein. Das wäre ja nicht weiter schlimm, aber die Leute können nicht mehr unterscheiden, ob es ein Konzert ist, bei dem der Veranstalter etwas für die Band zahlen muss oder ob es einfach eine Formation ist, die als Hintergrundmusik gebucht wurde.»

Bei Jonny Gauer kommt Idealismus vor dem Geld. (Bild: Michel Canonica)

Bei Jonny Gauer kommt Idealismus vor dem Geld. (Bild: Michel Canonica)

Es gebe viele Gratiskapellen, die einfach spielen wollen und dies auch gratis tun, doch er habe bei sich im «Cave» eben andere Bands am Start. «Auf der anderen Seite hast du Bands, die auf Tour sind, die Hotelkosten haben, vorab Geld in Produktionen und teure Studios gesteckt haben, et cetera. Das sind dann die Bands, die von der Musik leben.» Trotz des Überflusses und der Gratismentalität ist Jonny Gauer immer noch leidenschaftlicher Konzertveranstalter, denn so eine Show in einem kleinen Club wie bei ihm im «Cave» sei etwas Einzigartiges.

«Gerade bei den kleinen Konzerten hast du die Nähe zu den Bands und Stars, was die Künstler auch absolut so suchen. Dieser Kontakt geht in grossen Hallen völlig verloren, wenn du das Konzert auf einem Monitor anschauen musst.»

Zusätzlich profitiere er auch von der Nostalgie und dürfe heute Künstler anbieten, von denen er in den 90ern nicht zu träumen gewagt hätte. «Die Bands müssen heute wieder mehr spielen, denn CDs verkaufen sie keine mehr. Das ist vorbei, bei den Streams verdienst du auch praktisch nichts mehr. Bei Konzerten hingegen hast du die Möglichkeit mit Merchandise noch ein wenig Geld zu machen, da sie daran auch noch etwas verdienen. Sie machen es gerne, sie gehen gerne in die kleinen Clubs, aber sie wissen natürlich auch, dass sie heute an der Menge der Konzerte und nicht mehr an der Menge der Zuschauer ihr Geld verdienen.» Bei laufenden administrativen Kosten, die bei einer Tour anfallen, sei es für viele Acts angenehmer, noch ein Konzert dazwischen zu schieben, als einfach leerzulaufen.

Eigene Musik zurückgesteckt

Das eigene Musizieren fehle ihm sehr, erklärt Jonny Gauer. Doch so sei nun mal der Lauf der Dinge. «Durch dass ich das ‹Cave› habe, fehlt mir die Zeit für eine Band. Ich hätte schon Zeit, aber eben nicht dann, wenn die anderen Musiker Zeit hätten. Am Wochenende habe ich Betrieb oder auch an den Abenden, wenn jeweils geprobt wird, arbeite ich und kann nicht einfach so weg. Obwohl ich sehr gerne in einer Band aktiv wäre, geht es leider nicht.»

Das eigene Musizieren fehlt Gauer.  (Bild: Michel Canonica)

Das eigene Musizieren fehlt Gauer.  (Bild: Michel Canonica)

Ein Trost sind seine regelmässigen Gastauftritte bei Künstlern, die im «Lion-Cave» Trübbach auftreten. Wenn er dann auf der Bühne steht und auf seinem fünfsaitigen Bass Gas gibt, dann strahlt er fast ein wenig so, als hätte das Internet die Musikindustrie noch nicht kaputtgemacht. Diese Momente voller Freude, in denen er mit seinen Vorbildern auf der Bühne steht, sind fairer Lohn für die Arbeit des Idealisten Jonny Gauer.