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Ein Blick auf den St.Galler Wald im Wandel der Zeit

Ein Drittel der St.Galler Kantonsfläche ist heute mit einem Wald bedeckt, der von Fichten, Tannen und Buchen dominiert wird. Das war nicht immer so und wird sich auch wieder ändern – nicht zuletzt wegen des Klimawandels.
Jessica Nigg
Der Wald ist schon lange nicht mehr wilde Natur: Ohne menschliches Eingreifen wäre die Region Werdenberg und Obertoggenburg fast ausschliesslich von Buchen überwuchert. (Bild: Jessica Nigg)

Der Wald ist schon lange nicht mehr wilde Natur: Ohne menschliches Eingreifen wäre die Region Werdenberg und Obertoggenburg fast ausschliesslich von Buchen überwuchert. (Bild: Jessica Nigg)

Könnte die Natur walten, wie sie wollte, wäre das Rheintal bis weit hinauf in die Hänge mit Buchen überwachsen. In höheren, alpinen Lagen würden Tannen dominieren. Und dies fast ausschliesslich, wie Ernst Vetsch, der Regierförster von Wartau, verrät. «Natürlich fühlen sich auch andere Bäume hier wohl. Aber von Natur aus gehören viele von ihnen nicht hierher.»

Vor etwa 150 Jahren sah es hier noch ganz anders aus. Aber nicht etwa grüner, wie man erwarten könnte, sondern im Gegenteil: «Zu dieser Zeit war die Waldfläche viel kleiner. Man brauchte viel Holz zum Bauen und Heizen und für die Verhüttung des Eisenerzes, das aus dem Bergwerk Gonzen gefördert wurde», erklärt Vetsch. Später, bis vor etwa dreissig Jahren, wurden dann monokulturartig Fichten gepflanzt. Diese wuchsen relativ schnell und waren ein Garant für gute Einnahmen für die Holzindustrie. Aber der Anbau der standortfremden Fichte brachte auch Nachteile. «Die Fichte ist anfällig auf Fäulnis und hat Mühe in tiefen Lagen», erklärt der Revierförster weiter. Weil sie nicht tief wurzelt, hat die Fichte ausserdem Probleme, Stürmen Stand zu halten und ist ungeeignet für rutschige Böden. Ganz anders verhält es sich mit der heimischen Weisstanne, die tief wurzelt. Gründe, weshalb man nicht schon lange auf sie gesetzt hat, sind unter anderem, dass sie nicht so schnell wie die Fichte wächst und als Jungpflanze oft dem Wild als Nahrung dient.

«Auf dem absteigenden Ast»

Die Fichte kommt zudem – wie viele andere Baumsorten – wegen des Klimawandels immer mehr unter Druck. Häufiger auftretende Stürme und die schlechtere Wasserverfügbarkeit schaden ihr besonders. Akut wird die Situation gemäss einem Strategiepapier des St. Galler Forstdienstes in tieferen Lagen auf kiesigen Böden. Hohe Temperaturen begünstigen zudem die Vermehrung von Insekten, gegen welche unter Trockenheitsstress stehende Fichten nur wenig Widerstand leisten können. Der Fichtenanteil wird im St. Galler Wald künftig deshalb abnehmen. Unter natürlichen Bedingungen würde auch die Lärche, jener einzige Nadelbaum, der im Winter die Nadeln verliert, aus dem Landschaftsbild verschwinden. «Die Lärche gehört in höhere Lagen. Im Engadin fühlt sie sich wohler», so Vetsch. Dort teile sie sich den Lebensraum mit der Arve, einer mit der Föhre verwandte Nadelbaumsorte, die hier in der Gegend am ehesten im Obertoggenburg zu finden ist.

Während diverse Baumarten mit den aktuellen Gegebenheiten zu kämpfen haben, kommt die Klimaerwärmung einigen Sorten zupass: Die Eiche dürfte von den prognostizierten Veränderungen profitieren und die aktuell dominante Buche in unteren Lagen stellenweise ersetzen. Auch der Berg-Ahorn könnte von den Schwierigkeiten anderer Baumsorten profitieren.

Auf die Buche, den Haupt-Laubbaum in der Region, kommen im Zuge des Klimawandels viele Veränderungen zu: Sie wird einerseits höhere Lagen besiedeln können und dort zum Beispiel die Weisstanne und die Fichte konkurrieren. Andererseits wird sie an tiefer gelegenen Standorten von wärmetoleranten Baumarten bedrängt werden. Dazu gehören neben der Eiche, Linden, Ulmen, Kirschen, Pappeln, Föhren, Nussbäume, Hagebuchen, Eschen und der Ahorn, wie es in dem Strategiepapier St. Galler Forstdienstes weiter heisst.

Ulme und Esche unter Druck

Die Klimaveränderung ist nicht das einzige Problem, womit diverse Baumarten zu kämpfen haben: «Die Ulme ist hierzulande wohl dem Untergang geweiht», erklärt Revierförster Ernst Vetsch. Schuld daran sei die so genannte Ulmenwelke. Wie bei der aktuell grassierenden Eschenwelke stirbt der Baum durch die Folgen eines Pilzbefalls ab. Bei der Ulme ist es der Schlauchpilz, bei der Esche ein Pilz namens «Falsches Weisses Stengelbecherchen». «Analog zur Ulme, sieht auch die Zukunft der Esche wohl nicht all zu rosig aus», so der Revierförster. Bei Letzterer ist er etwas zuversichtlicher. Bei der Esche gäbe es immerhin noch eine gewisse Hoffnung darauf, dass sie gewisse Resistenzen gegen die Krankheit entwickle und die Art sich irgendwann wieder erhole.

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