Der Umzug ins neue Spital Grabs steht kurz bevor – erste Einblicke in den Neubau

Nach vierjähriger Bauzeit nimmt das Spital Grabs am kommenden Samstag den Neubau in Betrieb. Alles ist bereit: Die Mitarbeiter sind geschult, die Technik ist getestet und der Umzug bis ins Detail geplant.

Corinne Hanselmann
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Der kommende Samstag ist ein grosser Tag für das Spital Grabs – für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die Patienten. Die erste Bauphase des 157-Millionen-Projekts ist abgeschlossen und der Umzug in den Neubau steht an.

Umziehen werden unter anderem Pflegestationen, Geburtshilfe, Tagesklinik, Operationstrakt, Wäscherei und Medizintechnik. Bereits in Betrieb sind Restaurant und Spitalküche im Neubau. Während der noch folgenden Bauetappen werden die Stroke-Unit, die Kliniken Gynäkologie, Chirurgie und Orthopädie, die Kardiologie/Pneumologie, die Endoskopie, die Apotheke, Personalgarderoben noch im Altbau und in Provisorien untergebracht.

Auch die Geburtsabteilung ist ab kommendem Wochenende im Neubau untergebracht.

Auch die Geburtsabteilung ist ab kommendem Wochenende im Neubau untergebracht.

Auch rund 100 stationäre Patienten werden am Samstag in den Neubau verlegt. Im Einsatz sind für den Umzug am Samstag rund 300 Spitalmitarbeitende, 40 Zivilschutzangehörige sowie eine Umzugsfirma.

CEO Stefan Lichtensteiger spürt die Vorfreude

Stefan Lichtensteiger, CEO

Stefan Lichtensteiger, CEO

Doris Lippuner

Für Stefan Lichtensteiger, CEO der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland (SRRWS), ist der kommende Samstag ein ganz spezieller Tag. Er ist seit zehn Jahren bei der SRRWS. Das Neubauprojekt sei natürlich immer wieder ein Thema gewesen. «Man realisiert es noch gar nicht richtig, dass es nun endlich so weit ist, nach mehr als vier Jahren Bauzeit und der Verzögerung von etwa vier Monaten wegen Corona», sagt er.

«Dass es am Samstag nun so weit ist, ist wirklich ein spezieller Moment. Nicht nur für mich, sondern insbesondere auch für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nachher hier tätig sein werden. Man spürt die Vorfreude, es ist nun wirklich Zeit, in den Neubau zu wechseln.»

Der geplante Tag der offenen Türe für die Bevölkerung musste aufgrund der aktuellen Situation rund um das Coronavirus leider abgesagt werden. Medienschaffende erhielten am Dienstag die Gelegenheit, den Neubau zu besichtigen. Roland Rubin, Leiter Betrieb & Organisation bei der SRRWS, führte durch die Räumlichkeiten.

Roland Rubin, Leiter Betrieb & Organisation bei der Spitalregion RWS, in einem der Operationssäle.

Roland Rubin, Leiter Betrieb & Organisation bei der Spitalregion RWS, in einem der Operationssäle.

Bilder: Corinne Hanselmann

Zahlen zum Neubau

Im neuen Spital gibt es 112 Toiletten, 77 Duschen und 215 Lavabos. Für frische Luft sorgen 30 Lüftungsanlagen mit einer Beförderungsleistung von 90000 m3 pro Stunde. Verlegt sind rund 400 Kilometer Strom- und IT-Kabel. Es gibt 6000 Steckdosen und ein Notstromaggregat, das fast 16 Tonnen wiegt. Die Leitungen für sanitäre Einrichtungen und medizinische Gase sind 32 Kilometer lang, diejenigen für Heizung und Kühlung 90 Kilometer. Im Haus sind etwa 900 Brandmelder und 2100 Netzwerkanschlüsse installiert. Im Neubau gibt es 67 Zimmer mit maximal 134 Betten. Rund 800 Mitarbeitende arbeiten im Spital Grabs und kümmern sich um jährlich rund 8650 stationäre Patienten.

Helle Zimmer, moderne Technik

Schon im Eingangsbereich des Neubaus fällt auf, wie hell es im neuen Spital ist. Vom Empfang gelangt man unter anderem gleich in die Tagesklinik, wo ambulante Behandlungen durchgeführt werden. «Der Weg von der Tagesklinik in den Operationsbereich ist sehr kurz», sagt Roland Rubin, Leiter Betrieb & Organisation der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland (SRRWS). Das sei ein grosser Vorteil.

Untersuchungszimmer mit Tageslicht vom Innenhof.

Untersuchungszimmer mit Tageslicht vom Innenhof.

Die Untersuchungszimmer der Tagesklinik haben Fenster hin zum Innenhof. In allen Zimmern und sogar in den Operationssälen gibt es Tageslicht. Das Farbkonzept mit Sichtbeton, weissen Wänden und Böden in teils leuchtenden Farben geben dem Bau die klare Handschrift des Architekten Beat Consoni.

Das Restaurant ist seit Juni in Betrieb.

Das Restaurant ist seit Juni in Betrieb.

Ebenfalls im Erdgeschoss befindet sich das Restaurant, das seit Juni in Betrieb ist. Es ist geräumig und verfügt über einen grossen Aussenbereich.

Der Aussenbereich des Restaurants.

Der Aussenbereich des Restaurants.

Alle Zimmer sind für bis zu zwei Betten ausgelegt

Im Obergeschoss befindet sich der Patientenbereich. Die 67 Patientenzimmer sind alle gleich ausgestattet. Sie sind für zwei Betten ausgelegt, grössere Zimmer gibt es nicht. Für Privatversicherte wird eines der Betten durch ein Sofa ausgetauscht. Noch fehlen in den meisten Zimmern die Betten. «Es wurden fast keine neuen Betten angeschafft, sondern wir verwenden die vorhandenen», so Rubin. Die sonstige Möblierung ist neu.

Grosse Fenster ermöglichen den Patientinnen und Patienten eine tolle Aussicht.

Grosse Fenster ermöglichen den Patientinnen und Patienten eine tolle Aussicht.

Die Zimmer bieten eine tolle Aussicht zum Schloss Werdenberg, zum Grabserberg oder aber Richtung Rheintal. Manch ein Hotel wäre wohl froh, wenn es seinen Gästen eine solche Aussicht bieten könnte.

Blick in die Spitalküche.

Blick in die Spitalküche.

Im Untergeschoss ist die Spitalküche und eine Menge Technik untergebracht. Geheizt wird das Spital mittels Fernwärme von der Kehrichtverbrennungsanlage Buchs. Lüftungsanlagen sorgen für eine konstante Temperatur. Imposant sind die separaten Lüftungen für jeden Operationssaal – sie sind fast grösser als der Saal selber.

Blick in einen Technikraum der Lüftung. Mit der Lippuner EMT AG aus Grabs war hier ein regionales Unternehmen am Neubau beteiligt.

Blick in einen Technikraum der Lüftung. Mit der Lippuner EMT AG aus Grabs war hier ein regionales Unternehmen am Neubau beteiligt.

Im Altbau waren in den OP-Sälen teilweise 20 Jahre alte Geräte im Einsatz. Ab kommendem Wochenende stehen den operierenden Ärzten fünf topmodern ausgestattete Räume zur Verfügung. Jeder davon kostete mehrere Millionen. Der grösste Saal sei zudem dafür ausgelegt, dass künftig einmal ein Roboter installiert werden könnte, so Rubin.

Im OP-Bereich befindet sich auch der Aufwachraum mit acht Plätzen. Diese könnten bei Platzmangel in der Intensivstation auch als Intensivmedizinplätze verwendet werden.

Betrieb bleibt auch während Umzug aufrecht

Am kommenden Samstag ist der Haupt-Umzugstag, dann werden auch rund 100 stationäre Patienten verlegt. Der Umzug von aktuell nicht mehr benötigtem Material ist bereits im Gang. «Deshalb herrscht aktuell in manchen Räumen etwas Chaos», erklärt Roland Rubin beim Rundgang. «Es freuen sich alle riesig, dass es nun soweit ist.»

Man sieht, dass der Umzug im Gange ist, wie hier in der Umbettung.

Man sieht, dass der Umzug im Gange ist, wie hier in der Umbettung.

Der Spitalbetrieb wird auch während des Umzugs aufrechterhalten. Damit alles möglichst reibungslos funktioniert, sind die Mitarbeitenden in den vergangenen Monaten intensiv geschult worden, wie der Betrieb im Neubau funktioniert. Denn, so Rubin:

«Wir haben keinen zweiten Versuch, es muss alles funktionieren.»

Ab kommendem Sonntag befindet sich der Haupteingang zum Spital Grabs nicht mehr wie bisher beim alten Gebäude, sondern beim Neubau. Die Notfallstation bleibt bis ins Jahr 2025 dort, wo sie jetzt ist.

Zimmer mit Aussicht zum Schloss Werdenberg.

Zimmer mit Aussicht zum Schloss Werdenberg.

Als nächstes wird nun ein Jahr lang im Altbau für Provisorien umgebaut, dann wird die zweite von drei Bauphasen in Angriff genommen wird. Die Fertigstellung des Gesamtprojekts ist für 2026 geplant.

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