Der Trend geht hin zur Ski-Miete

Schweizweit geht der Anteil des Ski-Kaufs zurück. Die Region bildet (fast) keine Ausnahme.

Robert Kucera
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Gehen Familien auf die Skipisten, haben sie schweizweit, aber auch in der Region, immer weniger die eigenen Latten unter ihren Füssen.

Gehen Familien auf die Skipisten, haben sie schweizweit, aber auch in der Region, immer weniger die eigenen Latten unter ihren Füssen.

Bild: PD

In einer Medienmitteilung thematisiert der Verband Schweizerische Sportartikel-Lieferanten die Umfrage betreffend des Miet- respektive Kaufverhaltens in Bezug auf den Wintersport. Darauf gibt es eine klare Antwort: Immer mehr Schweizer entscheiden sich fürs Mieten.

Der Mietanteil im Skigeschäft ist in den letzten Jahren um jeweils vier Prozent gestiegen und liegt mittlerweile bei etwas mehr als 50 Prozent. Ein Trend, den die Sportgeschäfte im Werdenberg und Obertoggenburg mehrheitlich bestätigen.

Die Miete von Sportgerätschaften – insbesondere von Skis – ist beliebt und wird rege genutzt. Noch nicht angekommen ist dagegen der Geschäftsteil, Textilien oder Brillen für den Wintersport zu vermieten. «Dafür ist der Aufwand zu gross mit Waschen und eventuell Flicken», hält Ramon Wehrli, Geschäftsinhaber Beat-Sport (Standorte Buchs, Wildhaus und Widnau), fest. Die Ski-Miete, erklärt er weiter, betrage über 50 Prozent. Damit bestätigt er den Trend.

Die Entfernung zu Bergbahnen kann den Unterschied ausmachen

Stefan Sutter von Sutter Sport GmbH in Alt St. Johann sagt dazu: «In Prozent kann ich es nicht festmachen. Doch ich habe festgestellt, dass die Käufe rückläufig sind, die Mieten ansteigend.» Gar von 80 Prozent Ski-Miete spricht Karl Alpiger von Alpiger Sport Center in Wildhaus und Alt St. Johann. «Wir leben von der Miete», gibt er Auskunft und verweist auf die exponierte Lage in den Bergen und nahe jener Bahnen, welche die Wintersportler als Erstes auf dem Weg nach oben besteigen.

Den Gegenpol bildet Tischhauser Sport in Weite. Inhaber Martin Tischhauser erklärt auf Anfrage: «Dass die Ski-Mieten zunehmen, ist nicht mehr so. Bei uns haben die Verkäufe dieses Jahr zugenommen.»

Familien mieten am häufigsten

Wer ein- oder zweimal pro Winter dem Skifahren frönt, kennt das System der Ski-Miete schon länger. Die eigene Ausrüstung ist für ein kurzzeitiges Wintersportvergnügen schlicht zu kostspielig. Denn neben der Anschaffung sollte auch das Material gehegt und gepflegt werden. Die Folge: Das saisonale Mieten und somit die quasi im Preis inbegriffene Inanspruchnahme des Services vom Fachgeschäft nimmt Fahrt auf.

«Die Saisonmiete ist bei Kindern sehr beliebt, das wird sehr viel gemacht», sagt Stefan Sutter von Sutter Sport GmbH in Alt St. Johann. Ramon Wehrli, Geschäftsinhaber Beat-Sport in Buchs, Wildhaus und Widnau, bestätigt: «Vor allem Familien mit Kindern mieten. Denn hier macht es keinen Sinn, neue Skis und Ausrüstungen zu kaufen, denn Kinder wachsen noch.»

Passen die Skischuhe, steht dem baldigen Skivergnügen in den Bergen nichts mehr im Wege.

Passen die Skischuhe, steht dem baldigen Skivergnügen in den Bergen nichts mehr im Wege.

Bild: Robert Kucera

Das neuste Material zum pröbeln – oder besitzen

Familien mieten, Singles und kinderlose Paare kaufen. Oder? «Zu 60 Prozent mieten Familien mit Kindern. Doch Erwachsene mieten immer häufiger», weiss Wehrli, der prophezeit: «Der Peak ist noch nicht erreicht.» Nicht nur wegen der Kosten und des Services ist die Ski-Miete populär. «Man hat den Vorteil, immer das Neuste zu haben, ohne die Skis gleich kaufen zu müssen», nennt der Geschäftsinhaber von Beat-Sport jene Kundschaft, die möglichst viel ausprobieren will – oder noch unentschlossen ist.

Einen entschlosseneren Eindruck hinterlässt ein Grossteil der Kundschaft von Tischhauser Sport in Weite. «Die Skis sind billiger geworden, die Verkäufe nahmen wieder zu», sagt Inhaber Martin Tischhauser. Er hat dieses Jahr eher den Trend ausmachen können, dass viele die eigenen Skis haben möchten. «Teenager, die noch gemietet haben, sind nun erwachsen und kaufen sich die Skis.» Sehr zur Freude von Tischhauser, der von einem «extrem guten Jahr» spricht. Auch Ramon Wehrli will nichts davon wissen, dass der Käufer einer aussterbenden Rasse angehört. Der klassische Käufer, der eine Beziehung zum Ski aufbaut und zu seinem Sportgerät höchste Sorge trägt, gibt es noch zur Genüge.

Das Tagesgeschäft leidet unter saisonaler Miete

Ob Miete oder Kauf – die Sportgeschäfte können frohlocken. Im Obertoggenburg ist die Rate der Sorgenfalten auf der Stirn deutlich höher. «Es ist kein einfacher Markt», sagt der ehemalige Skifahrer Karl Alpiger (fünf Weltcupsiege) vom Alpiger Sport Center in Wildhaus und Alt St. Johann. Er beschreibt, dass man früher vermehrt erst in die Berge fuhr, um sich dann vor Ort auszurüsten. «Im Tal sind die grossen Sportgeschäfte und rüsten ganze Familien für die gesamte Saison zu einem attraktiven Preis aus.» Die Tagesmiete ist für ihn nicht Nebengeschäft, sondern Kerngeschäft.

Wohl dem, der schon vor der Saison reichlich Umsatz gemacht hat. «Die Tagesmiete ist das Dessert – aber eines, das sehr wichtig ist», betont Stefan Sutter. Doch wer nimmt den Weg ins Obertoggenburg unter die Räder, und letztlich zum Fachgeschäft zwecks Ski-Miete, wenn im Tal grüne und braune Landschaften dominieren? «Bei der Tagesmiete braucht es erst mal Schnee – sonst läuft gar nichts. Und selbst wenn genügend Schnee liegt, braucht es noch gutes Wetter», kennt sich Sutter bestens mit Schönwetterskifahrern aus. Ein Gräuel ist ihm deshalb, wenn andere bei Schneearmut vom ausfallenden Nebenerwerb reden. «Bei mir ist es der Haupterwerb.»