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Ein Zauberkünstler im Flüchtlingslager: «Der Tagesablauf ist das Überleben»

Als Botschafter von Terre des hommes besuchte der Zauberkünstler Danini kürzlich verschiedene Flüchtlingslager in Griechenland. Ein Gespräch über die Eindrücke seiner Reise und vermisste Kinder – und wen er gerne wegzaubern würde.
Interview: Ursula Wegstein
Danini zauberte in Griechenland für Flüchtlinge und Asylsuchende. (Bild: PD)

Danini zauberte in Griechenland für Flüchtlinge und Asylsuchende. (Bild: PD)

Zusammen mit einer Delegation des Kinderhilfswerks Terre des hommes reiste der Grabser Daniel Meier alias Danini vor kurzem nach Griechenland, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Mit zauberhaften Kunststücken schaffte er es, die Augen der Flüchtlinge für kurze Zeit zum Leuchten zu bringen, die sonst vor allem grosse Sorge um ihre Zukunft ausdrücken.

Daniel Meier, Sie haben mehrere Orte in Griechenland besucht, an denen Terre des hommes aktiv ist. Welche Eindrücke hat das bei Ihnen hinterlassen?

Was ich gesehen habe, ist schlimmer, als ich mir das vorstellen konnte. Die Zustände in Griechenland sind ziemlich beschämend für Europa. Europa rühmt sich einerseits seiner humanitären Werte, andererseits wehren sich viele gegen alles Fremde. Hier fehlt die Solidarität der europäischen Staaten. Was die Nicht-Regierungs-Organisationen wie Terre des hommes vor Ort leisten, ist eindrücklich. Ohne solche Institutionen wäre alles noch viel, viel hoffnungsloser. Da lohnt sich jeder Franken. Ich wollte auch sehen, wo das Geld hinfliesst. Es ist eine Herausforderung, das Geld so einzusetzen, dass es Wirkung erzielt.

Was ist das grösste Problem?

Griechenland ist nach wie vor bankrott. Vierzig Prozent der Unter-25-Jährigen sind arbeitslos. Das Land ist überfordert. Zwar ist die Lage noch relativ ruhig. Für die Flüchtlinge leistet Griechenland nur das Allernötigste. Auf den Inseln sollen die humanitären Verhältnisse katastrophal sein. Inzwischen bringt man die Menschen aus den erbärmlichen Lagern auf den Inseln auf das griechische Festland. Die Wenigsten wissen, dass täglich fast 200 Flüchtlinge in Griechenland ankommen. Das sind über 50000 im Jahr.

Wer kommt hauptsächlich?

Viele kommen alleine: Frauen mit Kindern, Männer. Und Kinder, die alleine sind. Einfach alles ist ein Problem. Das fängt bei der Nahrung an – und geht bei der Unterkunft weiter. Natürlich dienen auch leer stehende Hotels oder Apartments als Unterkünfte. Das alles ist jedoch weit entfernt von den normalen Verhältnissen, wie wir sie hier in der Schweiz kennen. Und man bedenke, dass viele Jugendliche aufgrund der Konflikte in ihren Herkunftsländern viele Jahre nicht mehr zur Schule gehen konnten. Das erschwert die Integration zusätzlich.

Wo setzt Terre des hommes in Griechenland die Schwerpunkte?

In der Region Epirus befinden sich rund 3000 Flüchtlinge und Asylsuchende. Unter der Leitung von Terre des hommes gibt es einen Stützpunkt in Ioannina, wo die Menschen Zugang zu den notwendigsten Hilfeleistungen haben – wie psychosoziale Unterstützung, Kinderbetreuung, Rechtsberatung, Sprachausbildung und Übersetzungs-Dienstleistungen. In einem Innovations-Raum können Flüchtlinge mit technologischen Werkzeugen Fähigkeiten erwerben, die bei der Integration hilfreich sind. Ausserdem gibt es kinderfreundliche Bereiche und eigene Bereiche ausschliesslich für Frauen. Die Mitarbeitenden verschiedener Nicht-Regierungs-Organisationen leisten äusserst professionelle Arbeit. Davor ziehe ich meinen Hut!

Wie sieht der Tagesablauf in einem Flüchtlingslager aus?

Der Tag besteht für viele aus Warten. Das Überleben ist der Tagesablauf. Kommt jemand neu an, muss er zunächst registriert werden. Das Nächste ist die Suche nach einer Unterkunft. Nicht jeder kann mit jedem zusammenleben. Unter den Flüchtlingen gibt es soziale Spannungen. Viele sind traumatisiert. Es gibt Kinder, die nicht lachen, und Kinder, die nicht spielen. Die Hauptfrage ist: «Wie geht es weiter?» Die meisten besitzen nur das, was sie bei sich tragen. Viele träumen davon, weiter in den Norden zu kommen. Manche suchen sich irgendwann einen illegalen Weg nach Italien. Und sie gehen dabei grosse Risiken ein.

Welche Problematik gibt es sonst noch?

Es werden viele Kinder vermisst. Keiner weiss, wo diese Kinder sind. Es ist zu hoffen, dass sie nicht Kinderhändlern anheimgefallen sind.

Was würden Sie gerne ändern?

Die Annahme, dass es sich vor allem um Wirtschaftsflüchtlinge handelt, ist nach einem Augenschein vor Ort definitiv eine Mär. Wer sich mit Flüchtenden über ihre Not in den Heimatländern und die fanatischen Verfolgungsmethoden des Islamischen Staates (IS) unterhält, dem läuft es kalt den Rücken hinunter. Das ist wie bei der Judenverfolgung im Dritten Reich. Da wünschte man sich als Zauberkünstler die Fähigkeit, gewisse Politiker einfach wegzuzaubern. Wir wissen, dass das leider nicht geht. Aber wenn jedes Land die Grenzen hochzieht, populistisch agiert und die Urreflexe anspricht, führt das zu noch mehr Fremdenfeindlichkeit. Auch wenn das nicht täglich in der Presse zu lesen ist, ist das Flüchtlingsproblem noch lange nicht gelöst. In Griechenland herrscht immer noch Notfall.

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