Werdenberg/Obertoggenburg
Der Stacheldraht kommt nun wohl vors St.Galler Stimmvolk

Der St.Galler Kantonsrat hat in einer mehrstündigen Debatte intensiv den sogenannten Stacheldrahtartikel diskutiert. Der W&O hat Kantonsratsmitglieder aus dem Werdenberg und Obertoggenburg um ihre Meinung gefragt.

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Der Stacheldraht kommt nun wohl vors St.Galler Stimmvolk.

Der Stacheldraht kommt nun wohl vors St.Galler Stimmvolk.

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Der Kantonsrat hat am dritten Sessionstag nach einer mehrstündigen Debatte den Stacheldrahtartikel abgeschwächt. Inhaltlich ging es um den IV. Nachtrag zum Gesetz über die Jagd, den Schutz der wild lebenden Säugetiere und Vögel sowie deren Lebensraum bzw. um den Gegenvorschlag zur Gesetzesinitiative «Stopp dem Tierleid – gegen Zäune als Todesfallen für Wildtiere».

Der W&O hat vier Kantonsratsmitglieder aus den Wahlbezirken Werdenberg und Obertoggenburg gefragt: Welche der Varianten haben Sie in der Debatte bevorzugt und weshalb?

Martin Sailer: Unnötiges Tierleid gehört abgeschafft

Martin Sailer (SP, Unterwasser).

Martin Sailer (SP, Unterwasser).

PD

Der präsentierte Gegenvorschlag ist gut, nimmt er doch die zentralen Eckpunkte der Initiative auf. Nun verwässerte die vorberatende Kommission die Vorlage aber zu stark. Ja keine zu grossen Eingriffen und Verbote. So kann ich leider nicht mehr hinter den Anträgen der Kommission stehen. Es geht mir ums Tierwohl. Stacheldraht soll der Vergangenheit angehören, ausser natürlich an besonders absturzgefährdeten Stellen in den Sömmerungsgebieten. Zudem soll nicht mehr benötigter Stacheldraht abgebaut werden. Aber es gibt heute verschiedenste Zaunarten und Alternativen. Stacheldraht gehört abgeschafft, um unnötiges Tierleid zu verhindern. Wir brauchen eine Lösung, welche für die Landwirtschaft, Nutzvieh, Wild und Menschen passt. Der Gegenvorschlag ist ausgewogen, aber ohne Verwässerung mit zig Ausnahmen. Der Hauptartikel über den Stacheldrahteinsatz wurde aber mit zwei Stimmen Unterschied angenommen. Schade. Nun wird wohl die Volksinitiative kommen.

Ivan Louis: Sensibilisierung für das Thema spürbar

Ivan Louis (SVP, Nesslau).

Ivan Louis (SVP, Nesslau).

Benjamin Manser

Das Ziel der Gesetzesinitiative «Stopp dem Tierleid – gegen Zäune als Todesfallen für Wildtiere» wird wohl von allen Ratsmitgliedern unterstützt. Das Leiden oder der Tod von Wildtieren soll möglichst verhindert werden. Die Regierung und die vorberatende Kommission haben einen Gegenvorschlag zur Initiative ausgearbeitet, der in meinen Augen Verbesserungen bringt. Der Gegenvorschlag ist präziser als die Initiative und dürfte zu weniger Verwaltungsbürokratie führen. Deshalb habe ich eine Version des Gegenvorschlags unterstützt, die Elemente der Regierung wie auch der vorberatenden Kommission und Anträge aus dem Ratsplenum enthält. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Initiative bereits positive Auswirkungen hatte: Es ist eine Sensibilisierung für das Thema spürbar.

Sascha Schmid: Auf Alpen soll er erlaubt sein

Sascha Schmid (SVP, Grabs).

Sascha Schmid (SVP, Grabs).

Benjamin Manser

Ich bin der Meinung, dass der Stacheldraht im Sömmerungsgebiet erlaubt sein soll. Der Stacheldraht ist schon heute nicht mehr Standard und wird nur noch dort verwendet, wo elektrische Zäune keinen ausreichenden Schutz bieten. Beispielsweise bei absturzgefährdeten Stellen kann dadurch die Sicherheit der Nutztiere erhöht werden. Nach der Alpzeit soll der Stacheldraht abgelegt werden. Der weitaus grösste Teil der Zäune sind jedoch bereits heute elektrischen Zäune.

Kilian Looser: Elektrozäune eigenen sich nicht überall

Kilian Looser (FDP, Stein).

Kilian Looser (FDP, Stein).

Ich habe die Anträge der vorberatenden Kommission unterstützt. Auch wenn der Stacheldraht grundsätzlich kein zeitgemässes Material mehr ist, so gibt es dennoch Bereiche, in welchen dieser Sinn macht. Auf den Alpen sind viele Kilometer Zaun notwendig. Dies zum Schutz der Tiere. Elektrozäune eigenen sich hier nicht. Wieso auch immer der Stacheldraht nun dermassen in den Mittelpunkt rückt. Natürlich ist jedes Tier, das in einem Zaun verendet eines zu viel. Das Problem der Stacheldrähte ist nicht grösser als das Problem von Tieren, die durch die Jäger nicht «Platt» erledigt werden. Nämlich gering. (ab/pd)