Der Lohn ist Stellensuchenden nicht das Wichtigste, wie ein Marktforschungsprojekt in der W&O-Region zeigt

Ein Marktforschungsprojekt in der Region Südostschweiz liefert interessante Antworten für das Verhalten von Stellensuchenden.

Nadine Bantli
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Stellensuche unter der Lupe: Team und Arbeitsklima sind wichtiger als der Lohn.

Stellensuche unter der Lupe: Team und Arbeitsklima sind wichtiger als der Lohn.

PD

Im Rahmen eines Marktforschungsprojektes hat die Müntener & Thomas Personal- und Unternehmensberatung AG mit Sitz in Chur und Buchs drei Studierende aus der Region beauftragt, die Antwort auf die Frage nach dem Verhalten von Stellensuchenden zu finden. Sie liefern auch für die Region Werdenberg aufschlussreiche Ergebnisse.

«Die Karten werden neu gemischt. Das kann durchaus auch Chancen mit sich bringen.»

Das sagt Daniel Bärtsch, stellvertretender Geschäftsleiter und Personalberater bei der Müntener & Thomas AG. Mit dieser Aussage nimmt er Bezug auf die Coronakrise – vor allem auf das, was danach kommt.

Unsicherheit ist spürbar

Momentan sei jedoch nicht nur im Bewerber-, sondern speziell im Arbeitgebermarkt eine gewisse Unsicherheit zu spüren. «Investitionen wurden teilweise zurückgehalten oder gar nicht getätigt und Stellen in manchen Branchen weder entwickelt noch nachbesetzt – bis hin zur Kurzarbeit und Entlassungen», stellt Bärtsch weiter fest. Aber: «Je nach Stärke der Rezession kann die Wirtschaft schon bald wieder anziehen und dann ist es durchaus möglich, dass plötzlich schnell Personal gesucht wird.»

Wie geht man vor bei der Stellensuche?

Zurück in die Zeit, bevor das Coronavirus die Wirtschaft praktisch lahmlegte. Vor bald einem halben Jahr hat die Müntener & Thomas AG einen Auftrag an drei Betriebswirtschaftsstudierende der Fachhochschule Graubünden erteilt. Sie stammen aus der Region – namentlich dem Sarganserland, Werdenberg und Fürstentum Liechtenstein.

Sie sollten im Zuge eines Marktforschungsprojektes das Bewerbungsverhalten der Zielgruppe «20- bis 35-Jährige in der Südostschweiz» untersuchen. Die Resultate wurden kürzlich dem Auftraggeber und der Fachhochschule präsentiert und liefern eine Antwort auf die Frage: «Wie gehen die Bewerberinnen und Bewerber im Prozess der Stellensuche vor?»

Leute aus der Region befragt

Die drei Studierenden haben anhand einer Umfrage mit 224 Personen – grossteils aus den Regionen Liechtenstein, Werdenberg und Sarganserland – unter anderem Informationen bezüglich Demografie, Mediennutzung oder Wirkung von Stellenvermittlungsbüros auf Stellensuchende eingeholt und schliesslich ausgewertet. Die Resultate überraschen teilweise.

Stellenvermittler geniessen gutes Image

Für die Müntener & Thomas AG ist an der Studie natürlich von hohem Interesse, was sie als Personal- und Unternehmensberatung für ein Image bei den Stellensuchenden geniesst. Dazu kommt allgemein zum Ausdruck, dass eine Bewerbung über einen Stellenvermittler von der befragten Zielgruppe als neutral, sogar eher vorteilhaft angesehen wird.

Solchen Unternehmen werden verschiedene Mehrwerte zugesprochen. Gemäss der Befragten sind es vor allem die Beziehungen respektive das Netzwerk und Know-how der Beraterinnen und Berater sowie der Zugang zum verdeckten Stellenmarkt. Rund die Hälfte der 20- bis 35-Jährigen ziehen es in Betracht, sich bei der Stellensuche zukünftig professionell unterstützen zu lassen.

Team und Arbeitsklima sind wichtiger als der Lohn

Eine weitere interessante Erkenntnis aus der Studie ist unter anderem die Bereitschaft fast der Hälfte der Befragten, den Wohnsitz für einen spannenden Job zu wechseln. Damit einher geht die Bereitschaft, für einen interessanten Job mehr Fahrzeit in Kauf zu nehmen.

Weiter wird auch Bezug auf die sogenannte Work-Life-Balance genommen, also darauf, dass Arbeits- und Privatleben miteinander in Einklang stehen. Für 15 Prozent der Zielgruppe stimmt diese heute nicht gänzlich. Sie würden nämlich gerne weniger arbeiten, als sie es zum Zeitpunkt der Befragung taten.

Zu guter Letzt ist der Lohn zwar ein wichtiger Aspekt, aber nicht die entscheidendste Jobeigenschaft für die 20- bis 35-Jährigen. Er liegt für sie hinter Aspekten wie Team, Arbeitsklima, Jobsicherheit und Entwicklungsmöglichkeiten.

Nachfrage nach Fachkräften

Ziel der Müntener & Thomas AG ist es, Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenzubringen. 1974 wurde mit der Gründung einer Personalberatung und Stellenvermittlung in Chur der Grundstein des Unternehmens gelegt. Bis heute entwickelt sich die Müntener & Thomas AG mit zehn Mitarbeitenden in der Region Südostschweiz und Liechtenstein zu einer starken Marke in den Bereichen Personalsuche, Kaderselektion, Nachfolgeplanung und Stellenvermittlung. Ihre Bewerbenden würden getreu dem Leitgedanken «bei Personalfragen persönlicher» beraten und man zeige ihnen passende Wege und Möglichkeiten auf, zeigt das Unternehmen auf.
Bei den Bewerberinnen und Bewerbern handelt es sich zu einem Grossteil nicht um aktiv Stellensuchende in gekündigtem Status. Es sind vor allem qualifizierte Mitarbeiter sowie Fach- und Kaderleute. Die meisten stehen zwar in einem festen Anstellungsverhältnis, würden jedoch gerne beruflich einen Schritt vorwärts gehen oder sich einfach neu ausrichten.
Daniel Bärtsch, stellvertretender Geschäftsleiter und Personalberater bei Müntener & Thomas, sagt: «Genau hier können wir als Personalberater einen Mehrwert für die Bewerber generieren, indem wir beraten sowie coachen und Joboptionen präsentieren. Denn am Markt ist die Nachfrage nach Fachkräften in den meisten Branchen zwar nicht mehr ganz so stark, aber immer noch vorhanden.»