So werden die Buchser Kinder für die Kantiprüfungen fit gemacht

Der Buchser Schulleiter Beat Hidber sagt, die Prüfung sei nur ein Sprint, die Kanti dann aber ein vierjähriger Marathon.

Heini Schwendener
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Die Kantiprüfungen stehen vor der Tür: Schülerinnen und Schüler, die sich gut darauf vorbereitet und entsprechend gelernt haben, können ihnen einigermassen gelassen entgegenschauen.

Die Kantiprüfungen stehen vor der Tür: Schülerinnen und Schüler, die sich gut darauf vorbereitet und entsprechend gelernt haben, können ihnen einigermassen gelassen entgegenschauen.

Bild: Gaetan Bally/Keystone

Im März finden die Aufnahmeprüfungen für die Kantonsschule statt. Schweizweit lernen derzeit Tausende von Kindern für diese Aufnahmeprüfungen. Wie die «Sonntags-Zeitung» kürzlich berichtete, ist im Kanton Zürich, wo viele Eltern ihre Kinder ins Gymnasium drängen, «die Aufnahmeprüfung ein Riesengeschäft geworden. Unzählige Firmen umwerben Schüler und zahlungswillige Eltern für ihre Kurse, die zum Teil mehrere Tausend Franken kosten.»

Die Zürcher Verhältnisse, dort treten 21,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler ins Gymnasium ein, sind nicht vergleichbar mit den Verhältnissen im Kanton St.Gallen und unserer Region.

Im Kanton St.Gallen hat der gymnasiale Bildungsweg nicht den gleichen Stellenwert wie in Zürich. Oder gar wie in Genf und Baselstadt mit einem Gymnasium-Anteil von 45,4 bzw. 37,5 Prozent. Im Kanton St.Gallen beträgt für die Zeit von 2015 bis 2017 der durchschnittliche Anteil der Schülerinnen und Schüler, die ins Gymnasium eintreten, 14 Prozent.

So werden die Buchser Kinder für die Kantiprüfungen fit gemacht

Die Bedeutung der Aufnahmeprüfungen bringt Beat Hidber, Schulleiter der Oberstufe Flös in Buchs, auf den Punkt:

«Das wird die erste Prüfung für unsere Schüler, bei der sie genau am Tag X liefern müssen.»

Während des Schuljahres gibt es ja viele Prüfungen, da kann eine verpatzte bei nächstbester Gelegenheit schon wieder einigermassen ausgebügelt werden. Die Kantiprüfungen hingegen verlangen den Kindern auf einmal alles ab.
Am Beispiel der Schule Buchs soll hier aufgezeigt werden, wie die Kinder fit gemacht werden für die Kantiprüfungen. Jeweils im Herbst wird der PVK (Prüfungsvorbereitungskurs) als Wahlfach angeboten. Er scheint überaus beliebt zu sein, denn 40 der 58 Schülerinnen und Schüler der entsprechenden Stufe haben dieses Wahlfach belegt. Der Kurs steht allen offen, die dereinst eine Aufnahmeprüfung für die Kantonsschule, die Berufsmittelschule (BMS) oder die Fachmittelschule zu absolvieren gedenken.

Prüfungsvorbereitungskurs mit bekannten Lehrkräften

In der ersten Phase dieses Kurses werde Stoff repetiert, so Beat Hidber. Auch auf die speziellen Anforderungen dieser Prüfungen werde eingegangen. In einer zweiten Phase des PVK werden alte Prüfungen, die man sogar im Internet einsehen kann, mit den Schülern durchexerziert. Zuweilen erhalten die PVK-Teilnehmer auch Prüfungen, die sie dann als Hausaufgaben zu erledigen haben und die danach besprochen werden. Immer näher tasten sich die Kinder dabei an die Prüfungssituation heran. Sie lernen die Art und Weise kennen, wie sie dann im März geprüft werden.

Unterrichtet werden die Kinder von Lehrkräften, die sie vom sonstigen Schulbetrieb her kennen. Das habe Vorteile für die Schüler, weiss Beat Hidber von zahlreichen Rückmeldungen:

«Die Schüler schätzen es, denn so läuft der Unterricht in einem gewohntem Rahmen ab.»

Gepaukt für die Prüfung wird in Doppelstunden, abwechselnd Sprachen und Mathematik.

Schüler fühlen sich gut vorbereitet

Beat Hidber, der seit 1994 in der Schule Buchs arbeitet, weiss aus Erfahrung, dass sich die Schülerinnen und Schüler am Ende des PVK gut vorbereitet für die anstehenden Prüfungen fühlen.
In anderen Kantonen der Schweiz, insbesondere in jenen mit einer wesentlich höheren Maturitätsquote als der Kanton St. Gallen, hat sich eine eigene Industrie für Vorbereitungskurse entwickelt. Eltern geben zum Teile Tausende von Franken aus, um ihre Kinder bei privaten Anbietern fit für die Kantiprüfungen zu machen.

Unrealistische Forderungen von Eltern sind selten

Der PVK an der Schule Buchs ist gratis. «So wie wir Stützkurse anbieten, um schulische Lücken zu schliessen, bieten wir Begabten den PVK an, damit sie möglichst gut auf ihre Prüfungen vorbereitet werden», erklärt der Schulleiter.

Wer soll überhaupt zur Kantiprüfung? Diesen Entscheid habe nicht die Schule zu treffen, sagt Hidber. Die Lehrer geben zwar ihre Einschätzung über die Chancen ab, letztlich müssten aber die Familien der betroffenen Kinder diesen Entscheid fällen. Dass Eltern ihre Kinder unbedingt und unbesehen ihrer Eignung zur gymnasialen Maturität drängen, komme eher selten vor. Hidber gibt zu bedenken: «Die Kantiprüfung ist nur ein Sprint. Danach folgt aber ein vierjähriger Marathon.» Diesen zu bestehen, sei weit schwieriger, als sich im Sprint durchzusetzen. Darum sei es für die Schule Buchs auch nicht das Ziel, möglichst viele Kinder zur Kantiprüfung zu schicken. Wichtiger sei die Zahl jener, die schliesslich das Gymnasium auch erfolgreich abschliessen.

Sowieso ist die Kantonsschule längst nicht der alleinige Königsweg nach der Sek.

«Der Run auf starke Schüler ist riesig. Die Kantonsschule buhlt ebenso um sie wie die regionale Wirtschaft.»

Aufgabe der Oberstufe sei es darum, nicht möglichst viele Kantischüler zu generieren, sondern den jungen Menschen die breite Vielfalt der Ausbildungsmöglichkeiten nach der obligatorischen Schulzeit aufzuzeigen.