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«Der Lehrberuf verändert sich»

Mit dem Einsatz neuer Medien wird das Lernen in der Schule anschaulicher. Marcel Kaufmann plädiert für einen intuitiven, schnellen und unverkrampften Umgang damit.
Interview: Ursula Wegstein
Kennt Vor- und Nachteile neuer Medien im Schulunterricht: Marcel Kaufmann leistet pädagogischen IT-Support. (Bild: Ursula Wegstein)

Kennt Vor- und Nachteile neuer Medien im Schulunterricht: Marcel Kaufmann leistet pädagogischen IT-Support. (Bild: Ursula Wegstein)

Marcel Kaufmann, ehemaliger Primarschullehrer in Liechtenstein mit verschiedenen Weiterbildungen im ICT Bereich, leistet seit dem Frühling pädagogischen IT-Support für die Schulen in Buchs. Damit sollen die neuen Medien gewinnbringend und zielgerichtet im Unterricht eingesetzt werden. Er ist unter anderem zuständig für die Weiterbildung der Lehrpersonen im Bereich Medien und Informatik. Zu seinen weiteren Aufgaben zählen die Beratung der Lehrpersonen, die Organisation von Informationsveranstaltungen und Projekten für die Schüler. Bis Ende November erhält jede Primarschulklasse in Buchs vier iPads, jede Kindergartenklasse zwei iPads. Dazu gibt es pro Schule noch ein zusätzliches mobiles Kontingent von zwanzig iPads, die sich jede Lehrperson in die Klasse holen kann. In einer weiteren Phase soll für die Oberstufe der Einsatz von Tablets, Laptops oder von schülereigenen Geräten im Unterricht überlegt werden.

Marcel Kaufmann, nach dem Lehrplan Volksschule sollen Primarschüler Kompetenzen im Bereich Medien und Informatik erwerben. Dazu gehört der Umgang mit neuen Geräten wie iPad oder Handy im Regelunterricht. Wie lassen sich diese neuen Medien sinnvoll in den Unterricht einbauen?

Es gibt viele Möglichkeiten: Verschiedene Lern-Apps in den einzelnen Fächern ergänzen die Lernformen. Mit diesen Apps lassen sich zum Beispiel das kleine Einmaleins, Grammatik und Rechtschreibung üben. Im Sportunterricht können Bewegungsabläufe gefilmt und gemeinsam analysiert werden. Auch beim Zeichnen lässt sich sehr gut mit dem iPad arbeiten. Im Fach Natur, Mensch, Gesellschaft lässt sich sehr gut mit Zeitraffer filmen. Etwa wie ein Apfel fault oder wie eine Schnecke aus ihrem Haus kommt. Über Skype können Fremdsprachen praktiziert werden. Zum Beispiel bei einem Schüleraustausch: Austauschschüler können über Skype auf Tablets in ihrer jeweiligen Muttersprache miteinander kommunizieren. Und selbstverständlich sind jegliche Informationen rund um Wissen abrufbar.

Sollte der komplette Unterricht nur noch mit neuen Medien/Geräten erfolgen?

Das sicher nicht. Die sogenannte «Alphaerfahrung», also die Ersterfahrung müssen Kinder mit ihren Händen machen. Nur, wenn sie die Dinge mit den Händen begreifen, lernen sie etwas dazu. Die Lehrperson kann zum Beispiel den Schülern das Bild eines Turms aus Bauklötzen auf dem iPad zeigen. Die Kinder bauen dann diesen Turm mit Bauklötzen auf ihrem Tisch nach und machen anschliessend ein Foto davon.

Wird das zu wenig gemacht?

Das Neue ist, dass man mit dem Tablet den Unterricht auch nach draussen verlegen kann. Mobiles Lernen findet überall statt. Das Tablet ist leicht zu Tragen. Je mehr man die neuen Möglichkeiten einsetzt, desto kreativer wird man auch. Der Umgang mit der neuen Technik soll intuitiver, schneller und natürlicher werden.

Welche Vorteile bestehen noch?

Das Lernen wird anschaulicher: Auf einem iPad lässt sich zum Beispiel ein Flug auf den Mond vorführen, oder auch, wie eine Pyramide von innen aussieht.

Ist damit der Frontalunterricht passé? Wird der Unterricht jetzt spannender?

Es ist die Lehrperson, die den Unterricht spannend macht. Anschauliche Ausführungen und gute Erklärungen, die bei den Kindern haften bleiben, sind spannend. Das Lernspektrum wird mit den neuen Medien jedoch grösser.

Wird die Schule durch den Einsatz neuer Medien den unterschiedlichen Anforderungen der Schülerinnen und Schüler gerechter?

So wie eine Maschine dem Bauern die Arbeit abnimmt, kann ein iPad auch dem Lehrer eine Hilfe sein. Wenn ein Schüler mit einer Aufgabe schon fertig ist, zum Beispiel beim Rechnen, kann er auf dem iPad seine Kenntnisse vertiefen und weiterüben, während andere vielleicht noch mit den Rechenplättchen arbeiten. Auch beim Textverständnis kann jeder Schüler auf dem iPad gut in seinem eigenen Tempo arbeiten. Anhand der Antworten, wird erkennbar, ob ein Schüler den Text verstanden hat, oder nicht. So lässt sich im Unterricht besser differenzieren und individualisieren. So wird man dem Einzelnen in diesem Sinne gerechter.

Besteht da bei den Lehrpersonen Nachholbedarf?

Alles ist schneller geworden. Auch neue Erkenntnisse verbreiten sich über die sozialen Medien rasant. Wir alle müssen damit umgehen lernen. Der Lehrerberuf verändert sich stetig und auch die neuen Medien haben hier ihre Auswirkungen.

In Frankreich ist das Handy in der Schule bis zum Alter von 15 Jahren nun gesetzlich verboten. Im Waadtland testet man derzeit ein absolutes Handyverbot in der Schule. Nur in der Mittagspause oder, wenn der Lehrer das Arbeiten mit dem Handy im Unterricht verlangt, soll es noch erlaubt sein. Ist das aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Das Handy ist in der Gesellschaft omnipräsent. Natürlich gibt es auch Gefahren und Probleme. Es gilt aber, den Umgang damit zu lernen. Das ist auch Gegenstand des Unterrichts. Ein generelles Handyverbot ist für mich nicht sinnvoll.

Was ist das Grundproblem in Sachen Handy und Kinder?

Es braucht Regeln und Grenzen. Wenn man früher in eine Videothek gegangen ist, war dort eine Altersbeschränkung, FSK 18 und ein Vorhang, hinter den man unter 18 nicht kam. Das gibt es im Internet und bei den neuen Geräten so nicht.

Sind auch die Eltern in der Pflicht?

Natürlich. So wie ich durch das Kinderzimmer gehen darf, muss ich auch ein Auge auf das Handy meines Kindes haben. Ich kann ihm nicht einfach ein Handy mit Code und Passwort in die Hand geben und dann finden, der Rest geht mich nichts an. So wie ich als Eltern mit meinem Kleinkind ein Bilderbuch angeschaut habe, sollte ich mich später auch für das interessieren, was mein Kind mit seinem Handy macht. Das ist auch eine Wertschätzung des Kindes, wenn ich mich als Vater oder Mutter für das Gamen interessiere und mein Kind mir zeigen kann, wie geschickt es agiert. Die gemeinsame Erfahrung hat eine andere Qualität.

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