Der Kleine Rohrkolben, ein gefährdetes Unesco-Welterbe, blüht in Büchel

Mit einer besonderen Aktion will der Kanton die letzten Kleinen Rohrkolben im Kanton retten. Die Pflanzen wachsen nur noch an einen etwa 80 Meter langen Uferstreifen am Rhein, im Rüthner Gemeindegebiet Büchel.

Kurt Latzer
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Das Medieninteresse an der Rettungsaktion des Kleinen Rohrkolbens war gross. (Bilder: Kurt Latzer)

Das Medieninteresse an der Rettungsaktion des Kleinen Rohrkolbens war gross. (Bilder: Kurt Latzer)

Der Kleine Rohrkolben ist bei der Unesco als gefährdetes Welterbe gelistet. «In ihrer Seltenheit ist die Pionierpflanze dem Berggorilla in Afrika und dem Sumatra-Nashorn gleichzusetzen», sagte Simon Zeller, Abteilungsleiter Natur und Umwelt im kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei St. Gallen, am Dienstag an der Medienkonferenz. Das Unesco-Welterbe gedeiht an einem etwa 80 Meter langen Uferstreifen am Rhein im Rüthner Gemeindeteil Büchel, der letzte Standort der Pflanze im Kanton St. Gallen.

Nur noch wenige Standorte in der Schweiz

Anhand von Karten, die das einstige und heutige Verbreiungsgebiet dokumentieren, verdeutlichte Simon Zeller den dramatischen Rückgang des Kleinen Rohrkolbens. In den 1930er-Jahren war die Pflanze in praktisch allen Flusstälern bis Basel und im Tessin anzutreffen. Ab 1990 gedieh der Rohkolben nur noch an wenigen Standorten, aus dem Tessin war er ganz verschwunden. «Heute gibt es ausser dem Standort in Rüthi zwei Stellen im Bündnerland und einen Ort im Wallis, an denen die Pionierpflanze vorkommt», sagte Zeller. Entsprechend gross war bei der Präsentation der Schutzmassnahme am Rhein das Interesse regionaler und nationaler Medien.

100 Tonnen schwerer Rettungsanker

Oberhalb der Stelle, an der die letzten Kleinen Rohrkolben wachsen, wirft das Rheinunternehmen einen etwa 100 Tonnen schweren, aus grossen Steinblöcken bestehenden Rettungsanker in den Fluss. «Die Kiesbank, auf der einige der Rohrkolben wuchsen, wurde beim letzten grossen Hochwasser 2016 weggeschwemmt», sagte Kurt Köppel, Leiter Rheinunternehmen Widnau. Um zu verhindern, den letzten Uferstreifen mit Rohrkolben zu verlieren, ist eine vier Meter lange, sogenannte Buhne in den Rhein gebaut worden.

Sind die Kleinen Rohrkolben verblüht, sind sie mit ihren an Schnittlauch erinnernden Halmen kaum mehr zu erkennen.

Sind die Kleinen Rohrkolben verblüht, sind sie mit ihren an Schnittlauch erinnernden Halmen kaum mehr zu erkennen.

«Hinter der Buhne entsteht eine Grube. Dahinter sammelt sich nach und nach Material an, das der Fluss mit sich führt «, sagte Köppel. So könne man den Uferbereich vor dem weiteren Ausspülen schützen. Weil es sich beim Kleinen Rohrkolben um eine Pionierpflanze handelt, ist es schwer, sie neu anzusiedeln. Ob das dereinst vielleicht an den Natur-Trittsteinen gelingt, die im Rahmen des Projektes Rhesi entstehen sollen, ist, müsse sich zeigen. Beim Bau der vier Meter langen Buhne im Rhein handelt es sich auch aus einem anderen Grund um etwas Spezielles. «Es ist das erste Projekt im Zusammenhang mit Biodiversitätsstrategie des Kantons St. Gallen», sagte Simon Zeller.