Der Klang des Waldes lebt in Holzinstrumenten aus dem Steiner Wald weiter

Streichinstrumente aus Toggenburger Holz erfüllen den Nesslauer Förster Thomas Abderhalden mit grossem Stolz.

Adi Lippuner
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Toggenburger Holz wird in der Geigenbauschule in Brienz zu Geigen verarbeitet. Darauf ist Förster Thomas Abderhalden sehr stolz.

Toggenburger Holz wird in der Geigenbauschule in Brienz zu Geigen verarbeitet. Darauf ist Förster Thomas Abderhalden sehr stolz.

Bilder: Ralph Ribi

Eigentlich wollte der 1970 geborene Thomas Abderhalden in ganz jungen Jahren Bauer werden. Es gab in der Wattwiler Scheftenau etliche Bauernhöfe und die waren damals sein bevorzugter Aufenthaltsort. Doch der elterliche Betrieb war zu klein, und weil Vater Abderhalden oft am Samstag Brennholz aufrüstete, weckte dies bei Thomas Abderhalden die Liebe zum Wald und dem darin wachsenden Holz.

Mit der Lehre zum Forstwart, dem Besuch des Bildungszentrums Wald, der Höheren Fachschule für angehende Förster in Maienfeld, legte er den Grundstein für seinen Beruf. Bereits 1996, nach Auslandaufenthalten in Skandinavien und Kanada sowie dem Besuch der Rekrutenschule, wurde er Förster in Nesslau. Dort ist Thomas Abderhalden für das Gebiet Schattenhalb zwischen Speer und Stockberg sowie für den Steinerberg zuständig. Gleichzeitig trägt er als Betriebsleiter der Ortsgemeinde Stein die Verantwortung für das qualitativ sehr gute Holz, das in diesen Wäldern wächst.

Steiner Holz für Brienzer Streichinstrumente

Die Faszination für den Klang im heimischen Tal und das Wissen um die hervorragende Holzqualität aus den Wäldern der Steiner Ortsgemeinde führte in den vergangenen Jahren zu einer Zusammenarbeit mit der Geigenbauschule in Brienz.

«Wir konnten im Jahr 2018 langsam gewachsenes, astfreies Fichtenholz in der Laad ernten und lagerten dies während sieben Monaten im Schönenbodensee.»

So beginnt nicht etwa ein Märchen, sondern die Geschichte von Holz aus dem Toggenburger «Klangtal», das heute in Form von Streichinstrumenten begeistert. «Für uns ist es eine Ehre, dass wir Holz aus dem Toggenburg, ganz konkret aus den Wäldern der Ortsgemeinde Stein nach Brienz liefern können», erzählt Thomas Abderhalden begeistert. Die Lagerung des Holzes während sieben Monaten im Wasser habe die gleiche Wirkung wie zehn Jahre an der Luft trocknen. «Holz für den Instrumentenbau darf keine Spannung mehr haben, sonst ist die ganze Arbeit umsonst.»

Dank der Initiative eines begeisterten Anwenders von Toggenburger Holz wird erstklassige Qualität sogar für den Geigenbau verwendet.

Inspiriert von Skandinavien und Kanada

Die Aufenthalte als junger Förster in den Wäldern von Skandinavien und Kanada waren für Thomas Abderhalben beruflich eine Bereicherung. Sein 2000 erbautes Haus in Nesslau zeigt, dass er sich von der dort herrschenden Bauweise begeistern liess. «Rundholzbauten sind unserer Tradition mit den behauenen Balken sehr ähnlich. Wir konnten das Haus aus selbst gefälltem Holz realisieren und ich geniesse jeden Tag das warme, angenehme Klima im eigenen Daheim.» Natürliche Baustoffe, ein Lehmofen mit grossem Ofenbänkli und das in den Räumen sichtbare Holz bieten einerseits Rückzugsort, andererseits dank der grosszügigen Fenster auch freie Blicke in die Natur.

Leben in freier Natur, das begleitet Thomas Aberhalden nicht nur im Beruf, ist er doch auch Jäger und damit im Spannungsfeld von Wald und Wild. Die Anwesenheit des Luchses sieht er positiv und erklärt das so. «Bis ins Jahr 2000 hatten wir im Ijental jeden Winter unzählige Verbisse bei den Weisstannen. Seit der Luchs da ist, dürfen wir uns an unversehrt wachsenden Bäumen freuen.»

«Es braucht begleitende Massnahmen»

Auch der Wolf gehöre dazu. «Aber für die betroffenen Randgebiete braucht es begleitende Massnahmen. Die betroffenen Bauern und Halter von Nutztieren dürfen nicht allein gelassen werden.» Während gut zehn Jahren war der Nesslauer Förster Vorstandsmitglied im Forstverein St.Gallen und hat sich auch in dieser Funktion für die Verwendung des einheimischen Rohstoffes stark gemacht. «Dank öffentlicher, aus regionalem Holz erstellter Gebäude erhalten auch Menschen Zugang zu diesem Baustoff, die sonst kaum Berührungspunkte mit Holz haben.»

Die Einbettung des Forstvereins St.Gallen in die Arbeitsgemeinschaft alpenländische Forstvereine und die Verleihung des Schutzwaldpreises generiere – dank Medienpräsenz – öffentliche Aufmerksamkeit. Thomas Abderhalden sagt:

«Damit können auch die Anliegen rund um die Schutzwälder einer breiteren Öffentlichkeit dargelegt werden.»

Den Menschen den Wald mit allen Facetten näher bringen ist dem Vater von zwei Kindern sehr wichtig.

Imkerei als Familienaufgabe

Seit 1997 gehört die Imkerei als wichtiges Hobby zum Leben von Thomas Abderhalden. Inzwischen begeistert sich auch Sohn Deon für die Bienen und hilft tatkräftig mit. «Was mit einem begleiteten Kennenlernen der Imkerei, an der Seite eines Seniors, der aus Altersgründen aufhören wollte, begann, ist zu einem wichtigen Teil unseres Lebens geworden», erzählt Abderhalden. Die Betreuung der 35 Völker bewältige er mit Hilfe eines Kollegen und Sohn Deon, das Schleudern des Honigs werde jeweils zum Anlass für die Familie und Freunde.

Thomas Abderhalden ist auch ein begeisterter Imker.

Thomas Abderhalden ist auch ein begeisterter Imker.

Den Wechsel der Jahreszeiten bewusst erleben

Um sich den Herausforderungen rund um die Imkerei zu stellen, hat Thomas Abderhalden die entsprechenden Aus- und Weiterbildungen gemacht. Er schaut als Imker genau hin, was innerhalb der Völker passiert, beobachtet die Natur und erlebt deshalb den Wechsel der Jahreszeiten ganz bewusst.

Für ihn ist es spannend zu erleben, wie sich ein Volk mit einer Königin, 300 bis 400 Männchen und rund 40000 Arbeiterinnen organisiert. «Alles funktioniert, jede Biene hat ihren Platz.» Und dass die Bienen in Holzkästen leben, liegt auf der Hand und so schliesst sich auch der Kreis vom Hobby zum Beruf von Thomas Abderhalden.