Der Kampf gegen nasse Füsse: Hochwasser zerstört Bruten des Flussregenpfeifers am Rhein

Die Sand- und Kiesbänke des Rheins im Werdenberg bieten offenbar gute Bedingungen für den Flussregenpfeifer um zu brüten. Allerdings machen ihm Hochwasser und Störungen zu schaffen.

Katharina Rutz
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Nach der Balz leben Flussregenpfeifer unauffällig und werden von Freizeitnutzern der Kiesbänke häufig nicht bemerkt. (Bild: Bilder: Rainer Kühnis)
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Würmer und Insekten gehören zur bevorzugten Nahrung von Flussregenpfeifern. Dieses Küken war bei der Jagd erfolgreich.

Nach der Balz leben Flussregenpfeifer unauffällig und werden von Freizeitnutzern der Kiesbänke häufig nicht bemerkt. (Bild: Bilder: Rainer Kühnis)

Obwohl es sich beim Rheinabschnitt zwischen Trübbach und Rüthi um das «schweizweit wichtigste Brutgebiet» des seltenen Flussregenpfeifers handelt, deute dies keineswegs auf paradiesische Lebensbedingungen hin. Dies schreibt Hannes Schuhmacher von der IG für die Förderung von Flussuferläufer und Flussregenpfeifer am Alpenrhein (siehe Front) im Sperber, dem Verbandsmagazin von Birdlife St. Gallen. Hoffnung setzt Hannes Schuhmacher auf die geplanten Aufweitungen bei Bad Ragaz und Maienfeld, bei Sargans und im Projekt Rhesi und damit auf eine Verbesserung der «schlechten ökologischen Verhältnisse am Alpenrhein».

Auffälliges Balzritual

Dennoch scheint es dem Flussregenpfeifer hier im Werdenberg verhältnismässig gut zu gefallen. Rund 30 Brutpaare brüten regelmässig auf dem Werdenberger Abschnitt. Die Limikolenart trifft ab April im St. Galler Rheintal ein. Bald nach ihrer Ankunft beginnt das Brutgeschäft mit der Balz. Dies ist auch die beste Zeit, die Vögel auf den Kiesbänken zu entdecken. Die Männchen versuchen nämlich mit Rufen und auffälligen Flügen die Weibchen zu beeindrucken. Während sie brüten, leben sie unauffälliger. Ihre geringe Körpergrösse und das Federkleid machen es nicht leicht, den Vogel zu beobachten.

Eine halbe Stunde Geduld

Diese Erfahrung machte auch Hans Jakob Reich aus Salez. Die Naturschutzgruppe Salez ist Mitglied der IG. Für das Monitoring hat er auf den regelmässigen Spaziergängen mit seinem Hund am Rhein entlang nach Flussregenpfeifern Ausschau gehalten.

«Während der Balz nimmt das wenig Zeit in Anspruch. Danach setzt man sich schon mal eine halbe Stunde mit dem Fernglas hin, bis man einen Flussregenpfeifer entdeckt.»

Die Elterntiere brüten die drei bis fünf Eier gemeinsam aus. Fressfeinde versuchen sie vom Nest wegzulocken und an heissen Tagen kühlen sie die Jungvögel durch das mit Wasser getränkte Brustgefieder.

Bei schlechten Brutverhältnissen versuchen Flussregenpfeifer den Verlust durch eine Zweitbrut auszugleichen. Für die Brut ist vor allem das Hochwasser eine grosse Gefahr. «Wie verschiedene Untersuchungen zeigen, führen vor allem Hochwasser im Mai und Juni zu grossen Gelegeverlusten», wie es im Sperber heisst. So hat auch das Hochwasser der letzten Woche wahrscheinlich alle Bruten weggeschwemmt.

Die Flussregenpfeifer müssen nun mit einer Zweitbrut versuchen zu retten, was noch zu retten ist. (Bild: Rainer Kühnis)

Die Flussregenpfeifer müssen nun mit einer Zweitbrut versuchen zu retten, was noch zu retten ist. (Bild: Rainer Kühnis)

«Das ist sehr tragisch», sagt Hans Jakob Reich. Allerdings versuchen die Flussregenpfeifer auch auszuweichen. «Auf einem frisch umgebrochenen Acker jedoch haben sie nicht viel mehr Chancen», sagt Hans Jakob Reich.

«Freilich würden sie wohl auch auf kiesigen Flachdächern ohne Bewuchs brüten.»

Für ihn wären entsprechend gebaute Flachdächer eine echte Alternative.

Hunde sollen an der Leine geführt werden

Eine zweite Gefährdung stellt die Freizeitnutzung der Kiesbänke dar. «Aufgrund der guten Tarnung und der sehr unauffälligen Lebensweise der Vogelart sind sich die Kiesbankbesucher der Anwesenheit des Flussregenpfeifers gar nicht bewusst», sagt Hannes Schuhmacher.

Ausserdem würden Flussregenpfeifer sehr empfindlich auf freilaufende Hunde reagieren. «Hundehalter sind gebeten ihre Hunde entlang des Alpenrheins ab Mitte April bis Mitte Juli an der Leine zu führen und die Kiesbänke in dieser Zeit nicht zu betreten», betont er. Kommt es zu einer Zweitbrut verlängert sich dieser Zeitraum bis in den August. Dann verlassen die Flussregenpfeifer ihr Brutgebiet und ziehen in ihr Überwinterungsgebiet in Afrika.