Der «Jöö-Effekt» wirkt auch bei harten Kerlen

Peter Moos’ Chef ist Fritz Zwahlen, Abteilungsleiter Betriebe. Für ihn haben die Schweine im Strafvollzug einen hohen Stellenwert. «Die intelligente und kommunikative Art dieser Tiere ist ideal für die Arbeit mit den Insassen», ist er überzeugt.

Corinne Hanselmann
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Im Zuchtstall wimmelt es von herzigen Ferkeln.

Im Zuchtstall wimmelt es von herzigen Ferkeln.

«Durch ihre Verspieltheit fordern die Sauen bei den Insassen Kommunikation ein.» Dank dem Zuchtstall habe man zudem alles vom Ferkel bis zur grossen Muttersau und die Insassen erleben den ganzen Prozess von der Geburt bis zur Schlachtung.
«Wenn eine Gruppe Muttersauen ferkelt, haben wir hier innert zwei Tagen 100 Junge. Das ist sehr eindrücklich, wenn man es noch nie gesehen hat. Dann wimmelt es überall von Sauen», sagt Peter Moos.

«Da kommt dann auch der ‹Jöö-Effekt› dazu – der wirkt eben auch bei Männern», ergänzt Fritz Zwahlen schmunzelnd.

«Auch die härtesten Kerle sieht man hier mit einem Ferkel schmusen. Oder wenn eines hinkt, kann das ein Riesenproblem sein. Wenn man weiss, warum derjenige hier im Saxerriet ist – etwa wegen schwerer Körperverletzung –, dann denkt man, das passt nicht zusammen.»

«Da sieht man, was Tiere für eine phänomenale Wirkung haben. Viele Insassen kommen mit relativ grossen sozialen Defiziten oder Persönlichkeitsschwierigkeiten zu uns. Häufig können sie es mit Zweibeinern nicht so gut. Die Vierbeiner helfen durch ihre nonverbale Kommunikation und ihre neutrale Haltung, das erste Eis zu brechen», erzählt der Abteilungsleiter. «Durch die Tiere erhalten sie neutrale positive Rückmeldungen, die nicht auf ihre Person oder ihre Delikte bezogen sind.»

Tiere geben dem Aufenthalt einen Sinn

Die Tierhaltung gebe dem Alltag in der Strafanstalt auch einen gewissen Sinn. «Obwohl in der Gesellschaft eher eine Entfremdung von der Natur stattfindet, haben viele Menschen Freude an Tieren», so Zwahlen. «Unsere Insassen erleben die Arbeit mit Tieren als sinnstiftende Tätigkeit und sind bereit, sich für sie einzusetzen. Viele entwickeln daraus eine gewisse Stabilität. Die ist dann die Grundlage, um an ihren Vollzugszielen zu arbeiten.» Wenn man Menschen verändern wolle, müsse man zuerst die Bereitschaft zur Veränderung schaffen. Um dies zu erreichen, brauche man eine Umgebung, die dafür funktioniere, mit Menschen, die das vorleben. «Die Tierhaltung in Kombination mit Mitarbeitern wie Peter Moos und seiner Art, mit den Insassen umzugehen, ist unschlagbar», ist Zwahlen überzeugt.
«Als Werkmeister bin ich sehr nah an den Insassen», sagt Peter Moos. «An fünf Tagen pro Woche müssen sie sich mit mir auseinandersetzen.» Seine Erfahrungen mit den Insassen sind deshalb in Beurteilungsgesprächen von Bedeutung.

Drei bis vier Männer betreut er jeweils. Morgens kümmern sie sich um die Tiere im Zuchtstall. Nachmittags sind sie dann beim Freilandgehege. Dort füllen sie Futter auf, misten aus, kontrollieren den Zaun. So lassen sich auch unterschiedliche Arbeitsumfelder gestalten, mit mehr oder weniger Freiheiten. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Insassen im Saxerriet beträgt ungefähr 15 Monate.

Die Insassen kümmern sich um die Schweine.

Die Insassen kümmern sich um die Schweine.