Der Einwohnerverein Rans-Oberräfis geht im Fall Campiun bis vor Bundesgericht

Bereits jetzt kündigt der Einwohnerverein Rans-Oberräfis erneut rechtliche Schritte im Fall Campiun an.

Katharina Rutz
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Der Einwohnerverein Rans-Oberräfis ist enttäuscht über das Vorhaben, den Steinbruch Campiun im neuen Richtplan wieder als aktiven Abbaustandort festzusetzen.

Der Einwohnerverein Rans-Oberräfis ist enttäuscht über das Vorhaben, den Steinbruch Campiun im neuen Richtplan wieder als aktiven Abbaustandort festzusetzen.

Bild: PD

Im Entwurf des Richtplans 20 ist der Steinbruch Campiun als Abbaustandort für Hartgestein und Deponie für unverschmutztes Material definiert worden. Das heisst: In naher Zukunft könnte der Steinbruch Campiun in Sevelen reaktiviert werden. Diese Entscheidung traf der Regierungsrat des Kantons St.Gallen aufgrund eines Gesuches der Basaltstein AG in Buchs (der «Werdenberger & Obertoggenburger» berichtete).

Organisation kündigt Stellungnahme an

Gegen eine Wiederinbetriebnahme des Steinbruchs hat der Einwohnerverein Rans-Oberräfis (Evro) jahrelang gekämpft. Auch Pro Natura St.Gallen-Appenzell steht dem Ansinnen kritisch gegenüber, dass im Gebiet, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) geschützt ist, Steine gebrochen und Aushub deponiert werden sollen. Die Organisation kündigt eine Stellungnahme anlässlich der Vernehmlassung an.

Der erste Schritt der St.Galler Regierung geht nun allerdings trotz dieser Widerstände in die von der Basaltstein AG gewünschte Richtung. Das Unternehmen zeigt sich darüber erfreut (siehe Zweittext).

Einwohnerverein über Entscheidung enttäuscht

Der Evro nimmt die Entscheidung des Baudepartements und der St.Galler Regierung, den Gesteinsabbau und das Deponieverfahren im Richtplan festzusetzen, enttäuscht, aber auch gelassen zur Kenntnis. «Die vom Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (Areg) gemachte Vorabklärung und die Interessenabwägung sind unvollständig und nicht haltbar», schreibt der Verein in seiner Stellungnahme. Der Evro werde an der Vernehmlassung mitmachen und hofft, dass sich betroffene Personen, Vereine, Gemeinden, Parteien etc. in das Verfahren einbringen.

Laut Evro bringt der Leiter des Amtes für Raumentwicklung und Geoinformation, Ralph Etter, es im W&O vom 24.Februar auf den Punkt: Die Kulturlandschaft im Bereich des Abbauperimeters und des alten Steinbruchs ist in 100 Jahren wieder hergestellt.

Der Evro betont: «Im alten Steinbruch Campiun sieht die Situation anders aus: Vor zirka 24 Jahren wurde nach Ablauf der Konzessionsdauer der Gesteinsabbau eingestellt. Die vertraglich festgelegte Endgestaltung und Renaturierung des Steinbruchs sind bis heute nicht erfolgt.»

Gesteinsabbau für Anwohner eine Zumutung

Nachdem das Bundesgericht im Jahr 2006 den Gesteinsabbau im Raume Ranserholz /Eschalär nicht bewilligt hat, soll nun künftig am gleichen Standort rund 250000 Tonnen pro Jahr Gestein abgebaut werden. Gleichzeitig ist beabsichtigt, 80000 m3 Aushubmaterial im Steinbruchareal zu deponieren.

«Es ist unglaublich, was die Regierung des Kantons St.Gallen den Bewohnern von Rans und Oberräfis und auch den anliegenden Wohngebieten, zum Beispiel Räfiserhalde, zumutet. Das Abbaugebiet befindet sich direkt über dem Wohngebiet mit einem Abstand Perimetergrenze – nächstgelegene Wohnhäuser von zirka 150 Meter», schreibt der Evro weiter.

Einwohnerverein will keine permanente Baustelle

Der Steinbruchbetrieb entspreche einer permanenten Baustelle mit den bekannten Auswirkungen, wie sie vom Abbau im alten Steinbruch über 40 Jahre hinlänglich bekannt seien: Bohrungen, Sprengungen, Steinschlag, Betrieb mit Steinbrechern, Steinhammer, Trax, Lastwagen, starke Lärmbelästigung, Staubentwicklung und auftretende Schäden an Gebäuden aufgrund der Sprengungen.

Der Evro kritisiert, dass das Areg in seinem Bericht die Problematik Steinbruchbetrieb/Wohngebiet nicht einmal thematisiert habe. Die Auswirkungen des Lastwagenverkehrs und der Weiterverarbeitung an den möglichen Standorten Buchs oder Sevelen seien nicht geklärt. Der Einwohnerverein rechnet mit 150 bis 200 LKW-Fahrten pro Tag. Auch die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission habe in ihrem Gutachten vom Oktober 2018 beantragt, das Vorhaben nicht in den kantonalen Richtplan aufzunehmen und auf den Gesteinsabbau definitiv zu verzichten.

«Schlussendlich entscheidet der Bund über die Festsetzung im Richtplan», schreibt der Einwohnerverein.

Wenn nötig schöpft der Evro den Rechtsweg aus

Aufgrund seiner Statuten setzt sich der Einwohnerverein für die Erhaltung und Förderung der Lebens- und Wohnqualität in Rans-Oberräfis und deren Umgebung ein sowie für die Erhaltung von Umwelt und Natur. «Der Evro ist vorbereitet, diese Grundsätze auch in einem langjährigen Verfahren, wenn notwendig auch bis vor Bundesgericht, zu vertreten», kündigt er an. Als Abschluss seiner Stellungnahme will der Verein mit einem Zitat des Altförsters Johann Gähler zum Nachdenken anregen.

Dieser schrieb im Jahre 1996 zum Gesteinsabbau im Gebiet Ranserholz/Eschalär: «Wer gibt uns das Recht, die Natur bis zum Letzten auszubeuten und alles, was Geld bringt, zu erlauben. Wir verlangen von den Drittweltländern, dass sie Regenwälder erhalten, wir hingegen entziehen der Natur alles, was Profit bringt.»

Die Rohstoffsicherung hat den Vorrang

(kru) «Holcim und die Basaltstein AG begrüssen den Entscheid auf Basis einer umfangreichen Interessensabwägung durch den Regierungsrat», schreibt Claudia Hager, Mediensprecherin bei Holcim, auf Anfrage. «Die Abwägung der Schutz- und Nutzungsinteressen durch den Kanton ist vorbildlich und wegweisend für die Rohstoffsicherung der Schweiz», heisst es weiter.

Campiun für den Hartgesteinsabbau optimal

Der Standort Campiun sei laut der Basaltstein AG für einen ökologisch wie auch ökonomisch sinnvollen Hartgesteinsabbau zur Bahnschotterproduktion optimal und stehe nach den Grundsätzen der schweizerischen Rohstoffsicherung im nationalen Interesse.
Um die Versorgung der Schweiz mit Hartschotter für den Bau und Unterhalt wichtiger Verkehrsinfrastrukturen sicherzustellen, erlaubt das Bundesamt für Raumentwicklung auch einen Abbau in einem BLN-Gebiet. «Wir sind uns bewusst, dass der Gesteinsabbau einen Eingriff in Natur und Landschaft bedeutet. Die Basaltstein AG achtet daher bei ihrem Vorhaben auf einen umsichtigen Umgang mit den Abbauflächen und berücksichtigt die strengen Vorgaben bezüglich Natur- und Landschaftsschutz», betont Claudia Hager.

Bereits ein Steinbruch in einem BLN-Gebiet

Holcim betreibt einen weiteren Hartsteinbruch in einem BLN-Gebiet. Dieser liegt in Kehrsiten am Vierwaldstättersee im Kanton Nidwalden. «Während sowie nach dem Abbau rekultiviert bzw. renaturiert Holcim den Steinbruch in Zusammenarbeit mit Behörden und Naturschutzorganisationen. Mit diesem umfassenden Gestaltungskonzept sowie weiteren freiwilligen Massnahmen wird das Gebiet langfristig sogar ökologisch aufgewertet», schreibt Claudia Hager. Die Basaltstein AG will auch in Sevelen frühzeitig möglichst alle Parteien in den Planungsprozess einbeziehen und die regionalen Bedürfnisse berücksichtigen. «Sobald die Vernehmlassung abgeschlossen und der Standort definitiv im Richtplan festgesetzt ist, wird ein detailliertes Projekt ausgearbeitet.»