Der Buchser Alois Ruch ist ein Theater-Stafettenläufer

Alois Ruch wirkt zum 10. Mal bei einer Eigenproduktion des Werdenberger Kleintheater Fabriggli mit. Im Gespräch erläutert der Buchser, wieso ein Theater-Marathon nicht sein Ding ist. 

Alexandra Gächter
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Alois Ruch ist zum 10. Mal in einer Eigenproduktion des Werdenberger Kleintheaters zu sehen. Hier im Bild wirkte er im Jahr 2012 in «Die bessere Hälfte» mit. Bild: Markus Plat

Alois Ruch ist zum 10. Mal in einer Eigenproduktion des Werdenberger Kleintheaters zu sehen. Hier im Bild wirkte er im Jahr 2012 in «Die bessere Hälfte» mit. Bild: Markus Plat

Anlaufen, warm werden, Endspurt. So beschreibt Alois Ruch den Ablauf eines Theaterprojektes. «Man gibt auf der Bühne Vollgas und hat kurz danach wieder Pause.» Ein Theaterspieler habe so gesehen Parallelen mit einem Sprinter. Und genau in dieser Sportart, dem 80-Meter-Lauf, war der Buchser als Schüler immer spitze, wie er sagt.

Alois Ruch, ein Theater-Sprinter also? Nicht ganz. Alleingang mag er nicht so. «Ein Ein-Mann-Stück würde mich langweilen. Ich bin ein Teamplayer. Ich schätze und brauche das Ensemble. Wir regen einander zu noch besseren Leistungen an. Nur zusammen mit dem Team geniesse ich die Bühnenauftritte.»

Alois Ruch, so könnte man also sagen, ist ein Theater-Stafettenläufer. Und wenn man die Liste der gespielten Theaterstücke von Alois Ruch studiert, muss man sagen: Das ist wirklich sportlich.

Sieben Jahre in Folge trat er im Fabriggli auf

In 25 Theatern in der Ostschweiz und Liechtenstein hat der Buchser bereits mitgewirkt. Er trat im Alten Kino Mels, im Diogenes Altstätten, im Karusselltheater Schaan und im Kapf-Theater Buchs auf, um nur einige zu nennen. Am meisten Aufführungen absolvierte er jedoch im Werdenberger Kleintheater Fabriggli. Von 2008 bis 2014 gönnte er sich keine Verschnaufpause und trat sieben Jahre in Folge hier auf.

Im Jahre 2016 trat er als Kommissar in «Mörderische Phantasien» auf. (Bild: Markus Plat)

Im Jahre 2016 trat er als Kommissar in «Mörderische Phantasien» auf. (Bild: Markus Plat)

Dieses Jahr feiert er mit «37 Ansichtskarten» Jubiläum. Es ist seine zehnte Eigenproduktion im Fabriggli. Im Stück unter der Regie von Simona Specker mimt er einen Ehemann und Vater einer Familie, die «verrückt und gestört ist und ihre Probleme überspielt», wie Alois Ruch sagt. So wie auch das Stück eine Tragikomödie ist, ist seine Rolle im Kern eine ernste, die lustig wirkt. «Die Herausforderung besteht darin, meine Figur nicht überdreht zu spielen.» Die ersten Rollen erhielt Alois Ruch im jungen Erwachsenenalter beim Kapf-Theater Buchs. Danach konnte er aus beruflichen Gründen etliche Jahre nicht mehr auftreten.

Umfeld «muss die Luft anhalten»

Den Wiedereinstieg schaffte er mit dem Stück «Güdelmäntig», welches sein erstes Engagement im Fabriggli war. Seither sind 18 Jahre vergangen. Er, aber auch das Theaterumfeld habe sich zwischenzeitlich verändert. «Früher habe ich einfach den Text auswendig gelernt und gedacht, das Spiel funktioniert dann schon irgendwie auf der Bühne. Heute nehme ich die Angelegenheit viel ernster. Nicht nur bei den Schauspielern, auch bei der Regie ist das Niveau gestiegen. Heute hat es mehr Profis», so Ruch. Vor allem das Fabriggli sei für ein Amateurtheater sehr professionell. Und so fordere ein Theaterprojekt heutzutage viel. «Während des Theaters ist mein Umfeld ein bisschen belastet.» Und ab den Endproben bis zur Premiere sei sein Hobby eigentlich nicht mit seinem Privatleben vereinbar. «Mein Umfeld muss während dieser intensiven Theaterzeit die Luft anhalten.»

Ein Schoggibrügeli dient als Doping

Wie auch ein Sportler muss ein Schauspieler trainieren. Wohl nicht seine Beine, aber sein Hirn. «In meiner Freizeit gehe ich meine Passagen in jeder freien Minute durch, bis der Text sitzt.» Auch beim Aufwärmen vor einer Vorstellung setzt Alois Ruch lieber auf die mentale Vorbereitung. «Es gibt Darsteller, die liegen am Boden und machen Atemübungen, andere rennen herum. Ich hingegen sondere mich lieber ab und gehe im Geist die Szenen durch.»

Als Doping bevorzugt er Schokolade. «Wenn es in der Garderobe Brügeli hat, fühle ich mich wohl.» Vor einigen Jahren konnten ihm aber leider auch die Schoggibrügeli nicht mehr weiterhelfen. Bei drei Theatern wirkte er innerhalb eines Jahres mit, zwei davon überlappten sich. «Es war ein Theater-Marathon. Das macht dich kaputt», sagt er heute über diese Belastung. «Ich bin zu weit gegangen. Nicht nur ich, auch die Qualität litt darunter.» Heute würde er das nicht mehr machen. «Das ist nichts für mich. Mit der Ausdauer habe ich es nicht so. Auch beim Sport nicht.»