Vogelschutz
Gefährdete Flussregenpfeifer sind unter Beobachtung – man will dem Vogel unter die Flügel greifen

Ein Monitoring-Projekt untersucht die Flussregenpfeifer-Population und deren wichtigstes Brutgebiet seit zwei Jahren. Zum Schutz des gefährdeten Flussregenpfeifers braucht es auch das Verständnis und die Rücksicht der Bevölkerung.

Michael Braun
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Auf Sandbänken und Kiesinseln fühlt sich der Zugvogel wohl. Er weilt jeweils von April bis Juli in der Schweiz.

Auf Sandbänken und Kiesinseln fühlt sich der Zugvogel wohl. Er weilt jeweils von April bis Juli in der Schweiz.

Bild: Stefan Greif

Der Rheinabschnitt zwischen Trübbach und Rüthi ist Heimat für eine bedrohte Vogelart, den Flussregenpfeifer. In guten Jahren nisten hier etwa 30 von schweizweit um die 100 Brutpaaren. Die vielen Kiesinseln und Sandbänke sowie die geeignete Höhenlage machen diese Region zum wichtigsten Brutgebiet der Schweiz. Doch wie überall müssen sich die Zugvögel auch hier vielen Widrigkeiten und Gefahren stellen, wodurch der Bestand schwankt und Brutausfälle entstehen.

Das Monitoring-Projekt von Birdlife Schweiz in Zusammenarbeit mit der Linknatur GmbH untersucht die Population sowie die Auswirkungen von Störfaktoren seit zwei Jahren. Am vergangenen Freitag luden Stefan Greif, Projektleiter Artenförderung von BirdLife Schweiz, und Hannes Schuhmacher, Geschäftsführer der Linknatur GmbH, Vertreter der Anrainer-Gemeinden, Umweltämter, Umweltorganisationen und am Sonntag die Öffentlichkeit zu Exkursionen ein, um sie zu sensibilisieren und um sich über die Problematiken auszutauschen.

Der Mensch ist ein grosser Störfaktor

Dieses Jahr setzte den Flussregenpfeifern vor allem die Zerstörung ihrer Gelege durch einen hohen Wasserstand zu. An begradigten Flüssen wie dem Rhein sind Überflutungen der Kiesflächen und somit der Bruten der Vögel häufiger als in Flüssen mit natürlicher Breite. Dennoch hoffen Stefan Greif und Hannes Schuhmacher auf Zweitbruten.

Der hohe Wasserstand zerstörte die erste Brut der Flussregenpfeifer.

Der hohe Wasserstand zerstörte die erste Brut der Flussregenpfeifer.

Bild: Michael Braun

Auch ohne Hochwasser ist die Vermehrung für die Flussregenpfeifer keine einfache Sache. Das Monitoring-Projekt zeigte bisher, dass vor allem die starke Präsenz der Menschen auf den Sandbänken ein Problem darstellt. Ein zweiter grosser Störfaktor seien – vor allem freilaufende – Hunde, sagt Stefan Greif. Die Eier der Zugvögel sind eher klein und ihrer Umgebung sehr gut angepasst. Ausserdem werden sie in einer mit Pflanzenteilen ausgelegten Mulden direkt auf den Kiesbänken ausgebrütet. Es ist also leicht, die Gelege zu übersehen. Auch das Aufschrecken der Vögel behindert ihr Brutverhalten. Eigens angebrachte Informationstafeln zeigen bisher nicht die erwünschte Wirkung.

Neben der Sensibilisierung der Bevölkerung, etwa durch die Führungen am Sonntag, setzt man vor allem auf die Zusammenarbeit mit den Gemeinden und lokalen Organisationen. Deshalb sei es geplant, sich nach der Brutsaison, im Herbst mit allen Beteiligten an den «runden Tisch» zu setzen, sagt Stefan Greif.

Ideen zum Schutz der Flussregenpfeifer, wie etwa weitere Hinweistafeln, Ausgleichsflächen, Absperrungen von Bruträumen während der Brutzeit oder «Ranger», die Besucher sensibilisieren sollen, sind bereits vorhanden.

Verschiedene Faktoren machen dem stark gefährdeten Flussregenpfeifer die erfolgreiche Brut schwer.

Verschiedene Faktoren machen dem stark gefährdeten Flussregenpfeifer die erfolgreiche Brut schwer.

Bild: Michael Braun

Vogel hat auf freien Flächen den Überblick

Der Flussregenpfeifer ist ein kleiner Vogel. Mit einer Länge von 15 Zentimetern und einem Gewicht von 30 bis 50 Gramm ist er in etwa so schwer wie ein Hühnerei. Seine natürliche Heimat sind Kiesgruben, Seeufer, Feuchtgebiete und Fliessgewässer. Aufgrund seiner kleinen Grösse brütet er seine meist vier Eier auf freien Kiesflächen aus, wo er stets den Überblick behält. Ist seine Brut in Gefahr, lockt er seine Feinde weg vom Gelege.

Der bedrohte Zugvogel weilt von April bis Juli in der Schweiz, bevor er sein Winterquartier in Afrika und im Mittelmeerraum aufsucht. Dabei brütet er während etwa vier Wochen.

Vom sehr ähnlichen Sandregenpfeifer unterscheidet er sich durch die auffällig gelben Augenringe. Zudem fällt er durch seine Bewegungsweise auf. Fast wie auf Rädern «rollt» er über Kies und Sand und bleibt abrupt stehen, um nach Beute, vorwiegend Insekten und Larven von Spinnen und Würmern, Ausschau zu halten.