Dem Fasnachtsschläger droht Ernüchterndes

Ein Mann stand wegen versuchter schwerer Körperverletzung vor dem Kreisgericht in Mels. Der gewalttätige Vorgang hat sich genau vor einem Jahr ereignet.

Reinhold Meier
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Übermässiger Alkoholkonsum und schlechte Laune haben an der Melser Fasnacht zu heftigen Faustschlägen geführt.

Übermässiger Alkoholkonsum und schlechte Laune haben an der Melser Fasnacht zu heftigen Faustschlägen geführt.

Bild: Walter Schwager

Der brutale Vorfall hat sich vor genau einem Jahr auf dem Höhepunkt der Melser Fasnacht ereignet. Ort des Geschehens ist eine Bar im Dorfzentrum, der ein Ruf als Treffpunkt des nicht allzu sehr unterdrückten Alkoholkonsums vorauseilt.

Der Beschuldigte selbst hatte bereits zuhause mit seiner Freundin und Kollegen «vorgeglüht», wie die Anklage sagt. Danach tingelte man durch verschiedene Bars. Gegen drei Uhr habe es dann Streit mit der Freundin gegeben. Daraufhin sei der Angeklagte aggressiv und verspannt gewesen.

Zuerst war ein zufälliges Gerangel

In dieser Laune steuerte man schliesslich die Bar der Knabengesellschaft an, um dort weiter zu konsumieren. Hier hielt sich auch der Geschädigte, das spätere Opfer, auf. Er tanzte mit Kolleginnen, als er gegen vier Uhr zur Toilette wollte. Darum begab er sich zum Hintereingang, durch den just in diesem Moment der Angeklagte eintrat.

Zufällig sei es während dieser Szene zu einem Gerangel zwischen anderen, unbekannten Personen gekommen. Auch der Angeklagte sei geschubst worden, habe die betreffende Person aber zunächst ohne Konfrontation zurückgedrängt und sei weitergegangen. Danach jedoch habe er sich aber abrupt umgedreht und sein zufällig hinter ihm stehendes, unbeteiligtes Opfer mit einem heftigen Faustschlag an den Kopf getroffen.

Auf einen Wehrlosen eingeschlagen?

Der Mann taumelte und fing, bevor er überhaupt orten konnte, woher der erste Schlag des Angreifers gekommen war, bereits weitere Kopftreffer. Der Angreifer führte professionelle Links-Rechts-Links- und Rechts-Links-Rechts-Kombinationen aus, die ihm als Thai-Boxer, offenbar gar ein «Meister», wohl vertraut waren. Das Opfer versuchte, sich mit erhobenen Armen zu schützen, vergeblich.

Noch als es schliesslich regungslos am Boden lag, soll der Angreifer weiter auf den Wehrlosen einschlagen haben, bis ihn ein Kollege endlich wegziehen konnte, so die Anklage. Das zunächst bewusstlos wirkende Opfer wurde derweil von den Kolleginnen zum nahen Samariterposten gebracht. Hier erhielt es eine Erstversorgung, musste aber noch zu einer sechsstündigen Behandlung ins Kantonsspital Chur.

Über zwei Wochen blieb der Mann arbeitsunfähig, vor allem sein linkes Auge war schwer getroffen. Zwar habe keine akute Lebensgefahr bestanden, aber seine Schädelbrüche hätten leicht zur Erblindung und zu schweren Hirnverletzungen führen können, heisst es weiter. Der Beschuldigte hatte die Knäblerbar nach dem Vorfall verlassen und konnte von der Polizei bei der Raiffeisenbank gestellt werden. Er sass 42 Tage in Untersuchungshaft.

Mehrere Vorstrafen fallen belastend ins Gewicht

Die Anklage will den heute 27-jährigen Bodenleger für 14 Monate im Gefängnis sehen und zwar unbedingt. Wegen seiner Suchtproblematik soll zudem eine ambulante Therapie angeordnet werden. Der Vollzug der Haftstrafe sei zu deren Gunsten aufzuschieben.

Belastend falle ins Gewicht, dass der Angeklagte über mehrere Vorstrafen verfüge, wegen Diebstahls, mehreren Drogendelikten, Vergehen gegen das Waffengesetz, fahrlässiger Körperverletzung und grober Verkehrsregelverletzung. Dazu kommen mehrfache Militärdienstversäumnisse, die bereits mit einer bedingten Geldstrafe belegt wurden. Diese sei nun zu vollziehen.

War es «nur» ein Notwehrexzess?

Die Staatsanwaltschaft zieht zudem einen so genannten «Eventualsachverhalt» in Erwägung. Denn sollte das Gericht davon ausgehen, dass kein Unbekannter, sondern das Opfer selbst der Auslöser der Prügelei gewesen sei, weil es womöglich den Beschuldigten zuerst angerempelt hat, wie im Umfeld offenbar teilweise behauptet wird, so sei, zusammengefasst formuliert, auf einen ungerechtfertigten Notwehrexzess zu plädieren.

Am Strafmass ändere das aber nichts. Denn der Angeklagte habe in diesem Fall sein Recht auf Notwehr durch die an den Tag gelegte Brutalität weit überschritten, wie es sinngemäss heisst und sich somit in jedem Fall der schweren Körperschädigung schuldig gemacht.