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Dem Berufkraut den Kampf ansagen

Vor fünf Jahren kam das einjährige Berufkraut in der Ostschweiz nur marginal vor. Jetzt gewinnt es zunehmend auch in unserer Region an Boden. Landwirte sind verpflichtet, ihre Böden vom Berufkraut zu befreien. Über 10 000 Pflanzen des Berufkrauts hat ein Bauer aus Frümsen schon ausgerissen.
Heidy Beyeler
Asylbewerber helfen einem Landwirt in Frümsen, die vielen Berufkraut-Pflanzen zu entsorgen.
Auf dieser Buntbrache wurde das Berufkraut nicht entfernt – das kann den Landwirt teuer zu stehen kommen.
Die Berufskraut-Pflanzen vermehren sich immens.
Das Kraut darf nicht geschnitten werden, man muss es händisch mit den Wurzeln ausreissen.
4 Bilder

Dem Berufkraut den Kampf ansagen

Von Jahr zu Jahr breitet sich das Berufkraut weiter aus. Inzwischen hat es auch hier in der Region Werdenberg invasive Formen angenommen. Es verdrängt viele einheimische Pflanzen und macht zum Teil die Bestrebungen für eine intakte Biodiversität zunichte. Diese Pflanze stammt ursprünglich aus Nordamerika und steht in der Schweiz auf der schwarzen Liste.

Das einjährige Berufkraut wurde als Neophyt bereits im 17. Jahrhundert aus Nordamerika nach Europa gebracht und von Gärtnereien als Gartenpflanze angeboten – ähnlich wie die kanadische Goldrute. Das Kraut besiedelt mit enorm hohen Samenmengen jede Lücke und verdrängt angestammte Pflanzen – auch seltene – wie die Landwirtschaftsschule Strickhof in einem Merkblatt feststellt. Jetzt mag sich mancher Landwirt fragen: «Welche Geister haben unsere Vorfahren wohl gerufen?» Bereits in den Jahren 1964 bis 1981 wurde das Berufkraut von der Stiftung Info Flora auf dem Radar genommen. Damals wurde es in geringem Ausmass rund um den Genfersee als verwilderte Spezie wahrgenommen. Es wird angenommen, dass das Berufkraut über Frankreich in die Schweiz gelangte. Ab 1994 breitete sich das Berufkraut sukzessive von der Westschweiz aus über das Juragebiet bis über das Mittelland in die Ostschweiz aus. Am häufigsten ist diese Pflanze nebst der Westschweiz in den Kantonen Aargau, Zürich (insbesondere im Zürcher Unterland) und Schaffhausen anzutreffen. Interessanterweise ist inzwischen auch das Tessin davon betroffen, wie eine Geostatkarte aus dem Jahr 2012 erkennen lässt.

«Wehret den Anfängen»

Die Geostatkarte von Info Flora, Stand 2016, zeigt in der Region Rheintal, Werdenberg und Toggenburg noch ein eher geringes Vorkommen. Das kann allerdings kein Trost sein, denn gerade in den vergangen zwei Jahren hat sich das Berufkraut augenfällig ausgebreitet. Deshalb gilt es hier die Ausbreitung jetzt zu bekämpfen, bevor die grosse Verbreitung dieses Krautes das Landschaftsqualitätsprojekt Werdenberg Nord mit den Gemeinden Sennwald, Gams und Grabs vereitelt.

«Wehret den Anfängen», sagt ein Bauer aus Frümsen. Er kämpft gegen das Kraut. Schon in vergangenen Jahren hat er mit seiner ganzen Familie oben am Berg über 10000 Berufkraut-Pflanzen von Hand ausgerissen, und zwar mit der Wurzel. Die Pflanzen wurden via Kehrichtverbrennungsanlage vernichtet. Das Berufkraut verbreitet sich mit 10000 bis 50000 Flugsamen pro Pflanze über einige Kilometer, wie die Arbeitsgruppe Invasive Neobiota in einem Merkblatt im Oktober 2014 festhält.

Auch Gartenbesitzer sowie der Forst stehen in der Pflicht

Was aber, wenn sich die einen bemühen, das Berufkraut akkurat und regelmässig auszureissen – bevor die Samen vom Winde verweht für Nachwuchs sorgen – wenn der Nachbar sich foutiert, diese Pflanze zu bekämpfen oder gar Freude an den hübschen Blumen hat? Dann wird es schwierig. In Biodiversitätsförderflächen, zum Beispiel auf Buntbrachen, sind invasive Neophyten laut Direktzahlungsverordnung (DZV, Art. 58, Abs. 3) zu bekämpfen und deren Ausbreitung zu verhindern. Ein übermässiger Besatz an Problempflanzen kann zum Ausschluss aus der landwirtschaftlichen Nutzfläche führen, das heisst, die Beitragsberechtigung fällt dahin.

Wer sich die Beiträge für Buntbrachen sichern will, muss etwas dafür tun, indem das übermässige Aufkommen des Berufkrautes durch händisches Ausreissen samt Wurzel bekämpft wird. Wenn nicht, kann es teuer werden, weil die Beitragsberechtigung hinfällig wird.

Zur Bekämpfung der weiteren Ausbreitung sind allerdings nicht nur Landwirte gefragt, auch weitere Land- und Gartenbesitzer, sowie der Forst, stehen in der Pflicht. Was hilft es, wenn etliche Landwirte alles unternehmen, um das Berufkraut nicht aufkommen zu lassen, wenn der liebe Nachbar nichts gegen die fremden Pflanzen unternimmt. Invasive Neophyten schleichen sich klammheimlich in unsere Naturlandschaft ein, die nicht in unser Ökosystem passen, dafür heimische Pflanzen verdrängen.

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