In Liechtenstein wird es eine Datenbank gegen Schwarzfahrer geben

Um das Fahren ohne Ticket weniger verlockend zu machen, setzt die Liemobil auf ein Sünder-Register. Wer wiederholt erwischt wird, muss künftig saftigere Bussen zahlen.

Oliver Beck
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Notorische Schwarzfahrer kommen künftig in den «Genuss» höherer Bussen. (Bild: PD)

Notorische Schwarzfahrer kommen künftig in den «Genuss» höherer Bussen. (Bild: PD)

Die öffentlichen Verkehrsbetriebe der Schweiz verstärken ihre Bemühungen im Kampf gegen Schwarzfahrer. Durch die anfangs April erfolgte Einführung eines nationalen Schwarzfahrer-Registers anfangs April hofft man notorische Übeltäter gezielter festmachen und härter sanktionieren zu können.

Auch die Liemobil hat sich Gedanken darüber gemacht, ob ein Anschluss an die Schweizer Datenbank sinnvoll wäre, sagt Geschäftsführer Jürgen Frick. Nach Abwägen aller Vor- und Nachteile habe man sich aber dagegen entschieden. «Die Liemobil-Kunden bewegen sich verglichen mit der Schweiz in einem kleinen Gebiet», erklärt er. In den letzten Jahren habe sich vor diesem Hintergrund wiederholt gezeigt, dass schweizerische ÖV-IT-Lösungen massgeschneidert für die Eidgenossenschaft seien, die Anforderungen eines anderen Landes jedoch allenfalls ungenügend einbindbar seien.

Gebietsbeschränkte Schwarzfahrer-Datenbank

Gleichwohl hat das Unternehmen Handlungsbedarf erkannt. Nicht, weil die Schwarzfahrerei im Fürstentum um sich gegriffen hätte. Sie habe sich in den zurückliegenden Jahren dank regelmässiger Kontrollen vielmehr stark reduziert, so Frick. Aber weil in Sachen Effektivität eben doch noch einiges an Verbesserungspotenzial existierte. Also beschlossen die Verantwortlichen, eine auf das eigene Dienstleistungsgebiet beschränkte softwareunterstützte Schwarzfahrer-Datenbank einzurichten. Mit der gefundenen Lösung, ist der Geschäftsführer überzeugt, «sind wir flexibel, agil und unabhängig unterwegs.»

Konkret kann ein Fahrgast, der einen Liemobil-Service ohne gültiges Ticket nutzt, neu vor Ort in der Datenbank erfasst und registriert respektive überprüft werden. Das ermöglicht es, bei der Höhe der Busse künftig zwischen einmaligem und wiederholtem Vergehen zu unterscheiden. Bislang zahlten Schwarzfahrer –unabhängig davon, wie oft sie zuvor erwischt wurden – einen Zuschlag von 80 Franken. Nun wird dieser Betrag schrittweise erhöht. Die erste Fahrt ohne Ticket kostet 80, die zweite 120, die dritte 160 Franken. «Indem Mehrfachtäter stärker zur Kasse gebeten werden, soll wiederholtes Schwarzfahren vermieden werden», erklärt Jürgen Frick weiter.

Ebenfalls neu ist im Bezug auf das Fahren ohne gültigen Fahrschein die Differenzierung in einen vollen und einen reduzierten Zuschlag. Dies, erklärt der Liemobil-Geschäftsführer, geschehe in Reaktion auf diverse Rückmeldungen aus dem Kreis der Fahrgäste. «Nicht jeder Fall kann gleich bewertet werden», findet auch er. Weshalb bei bestimmten Konstellationen eine reduzierte, selbstredend aber auch dann an der Häufigkeit des Vergehens orientierte Busse (40/80/120 Franken) ausgesprochen wird. Zum Tragen kommt dies beispielsweise bei Kindern, Hunden, dem Mitführen eines Velos oder der Nutzung eines Schülerausweises am Wochenende.

Löschung erfolgt nach zwei Jahren

In datenschutzrechtlicher Hinsicht hat die Liemobil ihre Hausaufgaben gemacht, betont Frick: «Das Thema ist uns wichtig, deshalb hat sich der Datenschutzverantwortliche auch intensiv damit befasst. So wurden die Transportbestimmungen entsprechend geändert. Zudem hat jeder Kunde die Möglichkeit, die Aufnahme seiner Daten in die Datenbank abzulehnen, sofern er bereit ist, die Busse vor Ort in bar zu bezahlen.» Darüber hinaus, ergänzt Frick, würden die Daten einer Person automatisch anonymisiert, wenn diese zwei Jahre nicht mehr auffällig geworden sei. «Von der hiesigen Datenschutzstelle wird diese Löschstrategie als sehr kundenfreundlich beurteilt.» Auch eine Weitergabe der Daten an Dritte schliesst die Liemobil – anders als in der Schweiz, wo das Personenbeförderungsgesetz den ÖV-Betrieben diese Möglichkeit einräumt – explizit aus.

Die neue Software-Lösung soll in diesen Tagen bei diversen Kontrollen probehalber zum Einsatz kommen. «Nach der Testphase und der Bereinigung allfälliger Schwierigkeiten kann das neue Kontroll-Programm demnächst regulär angewendet werden», sagt Frick.

Eine andere Änderung, die laut dem Geschäftsführer primär im Sinne der Kundenfreundlichkeit vorgenommen wurde, ist bereits in Kraft getreten. Indem das Kontrollpersonal neu Zugang zur Abo-Datenbank der Liemobil hat, kann es im Fall eines Kunden, der sein Jahres-Abonnement nicht bei sich trägt, unmittelbar überprüfen, ob dieser tatsächlich eines besitzt.

Dadurch, so Frick, entfalle für den Betroffenen die vormalige Pflicht, innerhalb von fünf Werktagen beim Kundencenter vorstellig zu werden, um das Dokument vorzuweisen.

Ausserdem wird bei erstmaligem Vergessen neu keine Fahrpreispauschale mehr berechnet. Eine solche, erklärt der Geschäftsführer, werde erst bei wiederholtem Fahren ohne Abo fällig und betrage zehn Franken. «Sie kann direkt beim Kontrolleur beglichen werden, so dass der Gang ins Kundencenter auch hier wegfällt.»