Das Wohlergehen der Bewohner im Grabser Lukashaus steht zuoberst

«Geht es den Mitarbeitern nicht gut, so kann es den Bewohnern auch nicht gut gehen.» Das ist das Credo von Lukashaus-Geschäftsleiter Hubert Hürlimann. Mit den Vorgaben könne er die Sicherheit nicht gewährleisten.

Alexandra Gächter
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Dank der sogenannten Kontakttüre können herausfordernde Menschen mit einer Behinderung Kontakt zur Aussenwelt aufnehmen - und umgekehrt. (Bild: PD)

Dank der sogenannten Kontakttüre können herausfordernde Menschen mit einer Behinderung Kontakt zur Aussenwelt aufnehmen - und umgekehrt. (Bild: PD)

Zum jetzigen Zeitpunkt braucht es im Kanton St. Gallen zwei Betreuungsplätze für gewaltbereite Menschen mit Behinderung. Diese zwei Plätze bietet das Lukashaus in Grabs an. Doch das Betreuungskonzept sieht vor, dass aus Sicherheitsgründen immer vier Personen in Krisensituationen für einen Bewohner da ist. Weil der Kanton und das Lukashaus sich darüber nicht einig wurden, stellt das Lukashaus ihr Betreuungsangebot für diese herausfordernden Menschen mit Behinderung wieder ein. «Wir bedauern diesen Schritt sehr», sagt Geschäftsleiter Hubert Hürlimann. «Wir haben zwischen 750 000 und 1 Million Franken in dieses Projekt investiert und es gibt Anfragen aus dem Kanton Graubünden und Glarus, welche einen Platz für solche Menschen suchen. Wir könnten die vier Plätze also besetzen.»

Spezielles Zimmer mit Kontakttüre

Menschen mit einer Behinderung, die Gewalt gegen sich und andere ausüben, sind nicht einfach. «Sie werden zwischen der Psychiatrie und Institutionen hin- und hergeschoben. Die Betroffenen erhalten Medikamente, werden im Bett angebunden und im Zimmer eingeschlossen. Das ist keine dauerhafte Lösung», sagt Hürlimann. Aus diesem Grund hat sich das Lukashaus angeboten, ein besseres Angebot zu schaffen. Diverse Mitarbeiter haben sich weitergebildet, Polizei, Feuerwehr und Hausarzt wurden über das Notfallkonzept informiert und entsprechende Räumlichkeiten wurden eingerichtet. Die Zimmer der beiden betroffenen Bewohner sind mit einer Kontakttüre (siehe Bild) ausgestattet. Diese Kontakttüre dient zur Sicherheit des Bewohners und gleichzeitig kann er geschützt durch die Schlitze in der Tür Kontakt mit anderen aufnehmen – und umgekehrt. Das Zimmer ist so ausgestattet, dass sich der Betroffene so wenig wie möglich verletzen kann. Die Fenster sind bruchsicher, die Wände fest und die Möbel verhältnismässig weich. Es hängen auch keine Bilder an der Wand. «Pro Tag kostet eine gewaltbereite Person mit Behinderung bis zu 1000 Franken», sagt Hürlimann. Ihr Verhalten sei aufgrund der Behinderung in den meisten Fällen unbewusst. Ausgelöst werden die Gewaltaktionen unter anderem durch zu viele Reize.

Vier Personen müssen Randalierer festhalten

Da es vorkommen kann, dass eine herausfordernde Person mit Behinderung das Zimmer mit seinem Kot verschmiert, braucht es pro Person zwei solche Zimmer. «Damit man den Betroffenen in das zweite Zimmer sperren kann, während man das erste putzt», so Hürlimann. Zum Personalaufwand sagt er: «Wird eine Person mit Behinderung gewalttätig, brauchen wir vier Betreuer, um sie festzuhalten. Es handelt sich bei diesen Personen um jüngere Männer. Dementsprechend sind sie verhältnismässig kräftig.» Geht man nun vom schlimmsten Fall aus – dass beide Personen gleichzeitig festgehalten werden müssen – dann werden acht Personen dafür benötigt. «Wegen Teilzeit-, Nacht- und Sonntagsarbeit und weil Mitarbeiter Ferien haben und krank werden können, benötige ich nun eben mehr Personen», so Hürlimann. Ihm ist wichtig, dass es seinen Mitarbeitern bei so einer herausfordernden Arbeit gut geht. «Geht es den Mitarbeitern nicht gut, dann kann es auch den Bewohnern nicht gut gehen. Deshalb sind erholte, zufriedene und motivierte Mitarbeiter das A und O», so Hürlimann. Mit den Vorgaben des Kantons könne er die Sicherheit der Betreuer und Bewohner nicht aufrecht erhalten.

Drei solche Personen mit Behinderung und herausforderndem Verhalten hat das Lukashaus insgesamt betreut. Eine davon konnte dank der professionellen Betreuung in die Normalgruppe integriert werden. Für die anderen beiden wird nun ein Platz gesucht. Möglich ist, dass die eine Person ausserkantonal eine Bleibe findet, die andere muss wegen ihrer Nationalität das Land womöglich verlassen.