Das Talent von Jessica Matzig wurde
im Krippenspiel entdeckt

Die in Trübbach und Buchs aufgewachsene und in Mels-Plons wohnhafte junge Schauspielerin ist in Kürze zur Primetime in der ARD zu sehen.

Angelina Gadient
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«Vor der Kamera bin ich noch ein Neuling», sagt Jessica Matzig.

«Vor der Kamera bin ich noch ein Neuling», sagt Jessica Matzig.

Bilder: PD


Schon in der Primarschule hat man ihr Schauspieltalent erkannt, in Kürze ist sie auf dem bekannten deutschen Sender ARD zur Primetime zu sehen: Jessica Matzig ist auf der Bühne und vor der Kamera zu Hause.

Oberräfis, Trübbach, Buchs: Das sind die früheren Wohnstationen der jungen Schauspielerin Jessica Matzig.

Von der Metropole London ins beschauliche Plons

Anfang dieses Jahres zog sie aus der Millionenmetropole London zu ihrer Mutter in das beschauliche Plons. «Was für ein Kulturschock», gibt die junge Schauspielerin offen zu. Anfangs war es schwierig für sie, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden:

«Hier sind die Leute, die meine Interessen teilen, einfach ein bisschen besser versteckt als in London.»

Mittlerweile habe sie aber nicht nur Gleichgesinnte gefunden, auch die Natur in ihrer neuen Heimat geniesst sie. Ihre Wurzeln liegen hier, denn ihr Vater war hier aufgewachsen.

«Diese Rolle ist eine  riesige Ehre»

Beruflich läuft es für Jessica Matzig rund. Im April wird sie im ARD-Film «Toni, männlich, Hebamme – eine runde Sache» zu sehen sein. Dabei spielt sie die Spielerfrau des deutschen Newcomers Artjom Gilz. Die Rolle sei einer ihrer grössten Erfolge, weiss Matzig:

«Als unbekannte Schweizerin eine Hauptrolle in einem deutschen Film eines so grossen Senders zu erhalten, ist eine riesige Ehre.»

Schliesslich gehe es bei einer solchen Produktion hauptsächlich um Einschaltquoten, und diese erreiche man normalerweise mit Starpower. Umso mehr freut sie sich über ihren Erfolg, und das so kurz nach Abschluss ihres Schauspielstudiums – in dem sie sich zudem auf Theater und nicht auf Film konzentriert hatte.

Jessica Matzig wird bald Schauspiel-Workshops anbieten.

Jessica Matzig wird bald Schauspiel-Workshops anbieten.

«Vor der Kamera bin ich noch ein Neuling und habe noch viel zu lernen», gibt sie zu. Doch bis dahin lebe sie frei nach dem Motto «Fake it ‘till you make it». Das gehöre, neben ständigen Selbstzweifeln, eben auch zu ihrem Beruf. In Schweizer Kinos war sie zuletzt neben Stars wie Beat Schlatter im Film «Himmelfahrtskommando» auf der Leinwand zu sehen. Eigentlich habe sie nur für eine Nebenrolle vorgesprochen und dann prompt eine Hauptrolle ergattert.

Vom Weihnachtsengel zum Bühnenstar

Bereits in der dritten Primarklasse wurde das Können von Jessica Matzig entdeckt. In einem Krippenspiel überzeugte die junge Schauspielerin ihre Religionslehrerin als Weihnachtsengel. Wenige Jahre später wurde sie von deren Ehemann in ihrem Talent weiter gefördert, sie durfte sich Sketches für ihre Klassenkameraden ausdenken und dabei nicht nur schauspielen, sondern auch Regie führen:

«Eigentlich wollte ich immer Schriftstellerin werden, doch mit der Schauspielerei entdeckte ich eine neue Art, Geschichten zu erzählen.»

So kam es, dass sich Matzig während der Oberstufe für das Theater in Liechtenstein anmeldete. Dabei lernte sie ihren heutigen besten Freund Peter Beck kennen, der ihr zu ihrer ersten Theaterrolle verhalf. Wie es der Zufall so wollte, sass im Publikum jemand vom Vorarlberger Volkstheater, der sie prompt zu einem Vorsprechen einlud. So wurde der Startschuss für ihre Schauspielkarriere bereits während ihrer Kantonsschulzeit abgegeben. «Es war eine sehr bereichernde Erfahrung, mit professionellen Schauspielern auf der Bühne zu stehen, von denen ich sehr viel lernen konnte.»

Zuerst den Master in klinischer Psychologie geschafft

Trotzdem entschied sich Matzig nach ihrer Matura in Sargans für ein Psychologiestudium. «Einerseits arbeitete ich bereits als Schauspielerin und wollte deshalb gerne noch etwas anderes machen, andererseits war ich zu diesem Zeitpunkt noch zu wenig selbstbewusst, um alles auf die Karte Schauspiel zu setzen», erinnert sie sich.

Nach ihrem Master in klinischer Psychologie entschied sie sich dann doch dafür, das Schauspielstudium in London zu wagen. «Ich habe einen inneren Drang, mich auszudrücken», beschreibt Matzig ihren Antrieb für ihre Berufswahl. Sie sei eine Erzählerin, egal ob dies in Form der Schauspielerei, durch Regieführung oder Schreiben geschehe: «Ich glaube, ich bin einfach so geboren.»

«Ich bin eine Geschichtenerzählerin»

Die Möglichkeit, in die Rolle einer Figur zu schlüpfen und deren Geschichte erzählen zu dürfen, und damit andere Menschen zu berühren und zu bewegen, sei ein unglaubliches Privileg:

«Ich denke, ich wäre einfach unglücklich, wenn ich etwas anderes machen müsste.»

So verzichtet Matzig für ihre Leidenschaft gerne auf ein hohes Einkommen oder materielle Werte. Manchmal sei dies auch schmerzhaft: «Oft muss ich mich für meinen Lebensstil rechtfertigen.» Doch Tiefen brauche es, um die Höhen zu erleben, und auch Selbstzweifel würden ihr dabei helfen, sich weiterzuentwickeln, so Matzig. Dabei geniesst sie nun eine Zeit der Sesshaftigkeit in ihrer Heimat.

Mehrere Gründe für eine Rückkehr in die Region

Die Hauptrolle als Käthchen von Heilbronn in einem Freilichtspiel im Juni ist der Grund für ihre Rückkehr ins Sarganserland. Zudem wollte sie die Weihnachtszeit mit ihrer Familie verbringen, und demnächst spielt sie das Rotkäppchen in einer Kinderproduktion von Andy Konrad in Liechtenstein.

Zudem ergreift sie nun die Chance, ihr Psychologiestudium mit ihrer Pädagogikausbildung und der Schauspielerei zu verbinden: «Ich freue mich darauf, schon bald Schauspiel-Workshops anzubieten», verrät Jessica Matzig.