Das Simmi-Ufer wird nach der Renaturierung neu belebt

Nach den Bauarbeiten für die Renaturierung wirkte das Simmi-Ufer zwischen Gams und Haag etwas kahl. Das hat sich mit der Pflanzung von 1400 Sträuchern und 250 Bäumen sowie der Platzierung von 10 Skulpturen nun geändert.

Corinne Hanselmann
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Dieser Biber ist eine der zehn Tierfiguren, welche den renaturierten Simmi-Abschnitt zieren.

Dieser Biber ist eine der zehn Tierfiguren, welche den renaturierten Simmi-Abschnitt zieren. 

Corinne Hanselmann
Förster Martin Lieberherr

Förster Martin Lieberherr

Eiche, Feldahorn, Kirsch, Vogelbeere, Elsbeere, Speierling, Weissdorn, Holunder und zahlreiche weitere Sorten sind im Pflanzplan der Wiederaufforstung Simmi aufgeführt. Im Rahmen der Renaturierung wurde Wald gerodet. Martin Lieberherr, Revierförster Forstrevier Gams, erklärt:

«Dieser wird nun mit standortgerechten Pflanzen wieder aufgeforstet.»
Das Pflanzen bedeutete viel Handarbeit.

Das Pflanzen bedeutete viel Handarbeit.

Corinne Hanselmann

Mit dieser Wiederaufforstung nahmen die Mitarbeiter des Forstbetriebes der Ortsgemeinde Gams und des Werkhofs Gams die letzte Etappe der Renaturierung in Angriff. 1400 Sträucher und 250 Bäume wurden zu diesem Zweck in den vergangenen zwei Wochen gepflanzt – der Grossteil am rechten Ufer, einige Strauchgruppen auch am linken. Das Pflanzen bedeutete viel Handarbeit, nur für die schweren Wurzelballen der schon etwas grösseren Bäume wurde ein Bagger zur Hilfe genommen.

Bei den grössten Wurzelballen unterstützte der Bagger.

Bei den grössten Wurzelballen unterstützte der Bagger.

PD

Schulklassen kamen wegen des Coronavirus nicht zum Einsatz

Gemeindepräsident Fredy Schöb

Gemeindepräsident Fredy Schöb

Eigentlich war vorgesehen, dass Gamser Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufe bei diesem Projekt mithelfen. «Die Einteilung der Klassen war bereits erstellt», sagte der Gamser Gemeindepräsident Fredy Schöb. Nach der Schulschliessung wegen des Coronavirus und «weil die geforderten Distanzen nicht hätten eingehalten werden können», haben die Forst- und Werkhofmitarbeiter die Arbeiten nun alleine erledigt.

Lebensraum vieler Tierarten

Die Bäume werden geschützt.

Die Bäume werden geschützt.

Drahtgeflecht schützt die Stämmchen der frisch gepflanzten, rund fünfjährigen Bäume, vor dem Biber. Ein zusätzliches Kunststoffnetz schützt vor dem Verbiss durch Hirsch und Reh. Vielen Tierarten wird der renaturierte Abschnitt künftig einen Lebensraum bieten. Einige davon zeigen die zehn Skulpturen, die entlang der Simmi platziert wurden, etwa einen Fisch, ein Hermelin oder einen Biber. Gemeindepräsident Fredy Schöb sagt:

«Bis auf eine Ausnahme, nämlich das Gamser Wappentier, zeigen die Skulpturen nur Tiere, die hier in diesem Lebensraum vorkommen.»

Die Gemse hat ihren Platz bei der neuen Fussgängerbrücke gefunden. Die Figuren sollen den Spaziergang entlang der Simmi gerade für Familien mit Kindern ein Stück weit zu einem Erlebnis machen. Mit der Motorsäge geschnitzt hat die Skulpturen der Bündner Holzkünstler Arthur Gredig.

Aufforstung fordert auch in kommenden Jahren Einsatz

Mit der Pflanzung der Bäume und Sträucher sind die Arbeiten der Simmi-Renaturierung nun eigentlich abgeschlossen. Einsatz erfordert aber die Aufforstung des Waldes auch in den kommenden Jahren. «Die Waldpflege ist wichtig, damit es in die Richtung geht, die wir wollen», sagt Revierförster Martin Lieberherr. Nur so kann eine Artenvielfalt beibehalten werden. Zudem müssen laufend Neophyten bekämpft werden.

Die Gemeinde Gams plant einen Einweihungsanlass, aufgrund der aktuellen Lage aber zu einem späteren Zeitpunkt.

1650 Bäume und Sträucher wurden gefplanzt.

1650 Bäume und Sträucher wurden gefplanzt.

Corinne Hanselmann

2,75 Mio. Fr. für Tier, Mensch und Natur

Der Nase nach! Unter diesem Projektnamen hat der WWF Schweiz die Idee der Simmi-Renaturierung angestossen. Die Gemeinde Gams hat die Planung vorangetrieben, um der Simmi nach weit über hundert Jahren Kanalisierung wieder mehr Platz zu geben.
Im April 2019 erfolgte der Spatenstich für die Renaturierung des Flussbetts auf knapp einem Kilometer. Das 2,75 Mio. Fr. teure Projekt wertet den Abschnitt für Mensch, Tier und Natur auf.

Das Ufer wurde abgeflacht, es gibt jetzt unterschiedlich tiefes und schnelles Wasser, dadurch entstanden neue Lebensräume. Strukturelemente aus Holz, Kies oder Wurzelstöcken wurden eingebaut. Stein- und Totholzhaufen am Ufer bieten ebenfalls Lebensraum. Eine Auenlandschaft unterhalb der SBB-Brücke in Haag bietet der Bevölkerung künftig Zugang zum Wasser.

Finanziert wurde das Projekt etwa zur Hälfte vom Bund. Aber auch der Kanton, die Gemeinden Gams und Sennwald, der Naturmade-Star-Fonds der Elektrizitätswerke Zürich, WWF Schweiz und die Stiftung Grünes Golf Gams beteiligten sich.