Landwirte sollen ihr Potenzial besser ausnützen - doch der Bericht der Regierung sagt laut Barbara Dürr darüber zu wenig aus

Der Gamser CVP-Kantonsrätin Barbara Dürr geht der St.Galler Bericht zur Landwirtschaft zu wenig weit.

Katharina Rutz
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Das Werdenberg – hier ein Bild von der grössten St.Galler Ziegenalp Malschüel in Sevelen – ist stark von der Landwirtschaft geprägt und ist Standort des Landwirtschaftlichen Zentrums in Salez. Nun gibt es einen Bericht der Regierung zur St.Galler Landwirtschaft.

Das Werdenberg – hier ein Bild von der grössten St.Galler Ziegenalp Malschüel in Sevelen – ist stark von der Landwirtschaft geprägt und ist Standort des Landwirtschaftlichen Zentrums in Salez. Nun gibt es einen Bericht der Regierung zur St.Galler Landwirtschaft.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

«Rund alle 20 Jahre gibt es im Kanton St.Gallen einen umfassenden Bericht zur Landwirtschaft», sagt Barbara Dürr, Kantonsrätin und Bäuerin aus Gams. So hat in der Februarsession 2018 das Parlament die Regierung beauftragt, eine Situationsanalyse zu erstellen und mögliche Massnahmen zur Weiterentwicklung der St.Galler Landwirtschaft aufzuzeigen. Die vorberatende Kommission, unter dem Präsidium von Barbara Dürr, beantragt dem Kantonsrat, auf den Bericht einzutreten. Gleichzeitig sieht die Kommission jedoch Ergänzungsbedarf, wie sich die St.Galler Landwirtschaft konkret weiterentwickeln soll, wie es in einer Medienmitteilung der Staatskanzlei heisst. Der Bericht wird voraussichtlich in der Septembersession vom Kantonsrat behandelt.

«Wir sind grundsätzlich zufrieden mit dem Bericht, er stellt eine gute Grundlage dar», so Barbara Dürr. «Der Kommission fehlten jedoch Entwicklungsmöglichkeiten und Massnahmen für die Nutzung vorhandener Potenziale. Deshalb beantragt sie dem Kantonsrat, der Regierung weitere Abklärungen in Auftrag zu geben.»

Zukunft der eigenen Landwirtschaftsbetriebe

Beispielsweise soll die Zukunft der kantonseigenen Landwirtschaftsbetriebe geklärt werden. Mit den Betrieben der Landwirtschaftlichen Schule und der Strafanstalt Saxerriet in Salez liegen die grössten in der Region Werdenberg. Das Landwirtschaftliche Zentrum soll ausserdem verstärkt auf die Herausforderungen der neuen Agrarpolitik, der Digitalisierung, des Klimawandels, der Umwelt sowie auf die ressourcenschonende Lebensmittelproduktion ausgerichtet werden. Barbara Dürr sagt:

«Neue Techniken sollen auf den Flächen der kantonalen Betriebe ausprobiert werden können.»

Ein Feld könnte beispielsweise digital oder mit neuen ressourcenschonenden Methoden bewirtschaftet werden. «Dies kann nicht jeder Landwirt selber auf dem eigenen Betrieb, wenn es noch keinen Ertrag abwirft», erklärt die Bäuerin. Hinsichtlich des Klimawandels gelte es neue Sorten oder die Zusammensetzung von Wiesen zu testen, wie sie vielleicht in 30 Jahren aussehen werden. «Dabei gilt es auch die Vielfalt der St.Galler Landwirtschaft zu berücksichtigen: Was für das Rheintal gilt, funktioniert noch lange nicht im Obertoggenburg», so die Kantonsrätin.

Weiter soll ein Bericht über Innovationen in der St.Galler Landwirtschaft verfasst werden. «In Zusammenarbeit mit Hochschulen könnten so neue Ertragsmöglichkeiten für die Landwirte erarbeitet werden», sagt Barbara Dürr. Denkbar wären weitere Dienstleistungen im Betreuungswesen oder mit Kindern, wie das bereits mit Bauernhof-Spielgruppen umgesetzt wird. «Auch Angebote im Agrotourismus wären ausbaufähig», ist die Bäuerin überzeugt. Weiter fehle der Kommission die Förderung von Projekten, um die Wertschöpfung von auf Alp- und Bergbetrieben produzierter Milch zu erhöhen. Barbara Dürr sagt:

«Ein klassisches Beispiel, wie die Wertschöpfung in der Region behalten werden kann, ist der Ribelmais.»

Wenn Alpmilch allerdings abgeführt werde, gehe die Wertschöpfung verloren.

Die gewünschten Pflanzen sollen wachsen

Die Kommission wünscht sich ausserdem bei der Beurteilung des ökologischen Ausgleichs und der Entwicklung von Biodiversitätsförderflächen auf Landwirtschafts- und Sömmerungsbetrieben eine konsequente Umsetzung des Grundsatzes «Flächenqualität vor -quantität». Diesen Grundsatz schreibt die Biodiversitätsstrategie 2018–2025 fest. «Es braucht gezielte Massnahmen, damit auf diesen Flächen wirklich die gewünschten Pflanzen wachsen und nicht plötzlich nur noch Neophyten», so Barbara Dürr.