Das Personal ist die wichtigste Ressource: Die Spitäler Altstätten, Grabs und Walenstadt sind bereit für den Corona-Notfall

Auf Coronastationen in den drei Spitälern der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland können 135 Betten geschaffen werden. Die Intensivstation in Grabs kann kurzfristig von sechs auf 16 Betten mit Beatmungsgeräten erweitert werden.

Thomas Schwizer
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In der Region Rheintal-Werdenberg-Liechtenstein verfügt einzig das Spital Grabs über eine zertifizierte Intensivstation. Notfalls kann sie von sechs auf 16 Plätze erweitert werden.

In der Region Rheintal-Werdenberg-Liechtenstein verfügt einzig das Spital Grabs über eine zertifizierte Intensivstation. Notfalls kann sie von sechs auf 16 Plätze erweitert werden.

Archivbild: Spitalregion RWS (17.5.2018)

200 bestätigte Fälle von Corona-Erkrankungen, knapp 20 mehr als am Vortag, und einen Corona-Todesfall hat der Kanton St. Gallen am Dienstagmittag gemeldet. Schweizweit stieg die Zahl der Fälle weiter rasant an, innert 24 Stunden um 776 auf 8836. Mindestens 86 Personen sind an den Folgen des Virus verstorben.

Aktuell drei Corona-Fälle in den drei Spitälern

Noch vergleichsweise gering ist die Zahl der hospitalisierten Corona-Erkrankten in der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland (SRRWS) mit den Spitälern Altstätten, Grabs und Walenstadt. Sie meldete am Dienstagmorgen drei Fälle. Eine Person davon wird auf der Intensivstation in Grabs medizinisch betreut und gepflegt.

Die Vorbereitungen sind erfolgt, damit die sieben Intensivplätze im Spital Grabs mit Beatmungsmöglichkeit bei Bedarf auf 16 ausgeweitet werden könnte.

Notfalls gibt es deutlich mehr Isolationszimmer

Die Patienten werden isoliert, um eine Ansteckung zu vermeiden, teilt die Spitalregion auf Anfrage des W&O mit. Sollte die Zahl der Corona-Patienten zunehmen, was angesichts der Entwicklung zu erwarten ist, würde die Isolierung nicht mehr zimmerweise erfolgen, sondern nach und nach auf eine Station ausgeweitet.

In diesem Triage-Container erfolgt bei einer Zunahme der Corona-Fälle eine Eingangskontrolle mit Erstbeurteilung.

In diesem Triage-Container erfolgt bei einer Zunahme der Corona-Fälle eine Eingangskontrolle mit Erstbeurteilung.

Bild: Thomas Schwizer

Deshalb wurden in allen drei Spitälern der SRRWS Corona-Stationen mit je rund 25 Betten definiert. Bei Bedarf sind gemäss Andrea Bachmann 60 zusätzliche Betten möglich.

Verfügbare Mitarbeitende sind die Herausforderung

Einen möglichen Engpass bei zunehmender Hospitalisationsrate würde nicht die Bettenzahl für Corona-Patienten und auch nicht die Zahl der Intensivbetten und Beatmungsgeräte bilden, sondern die Verfügbarkeit von genügend geschultem Personal, sagt sie. Bei der Spitalregion heisst es:

«Stand jetzt steht genügend Personal
zur Verfügung.»

Dies auch dank der Reduktion des laufenden Betriebs auf das Nötigste gemäss Weisung des Bundes. Es werden nur noch Notfall-Operationen und dringende Operationen durchgeführt. Die Patienten würden dafür grossteils volles Verständnis zeigen.

Liechtenstein: Zusatzbetten und Drive-Through-Testanlage

Die liechtensteinische Regierung hat am Montagabend bekannt gegeben, dass sie bei einem starken Wachstum der Anzahl Erkrankter im Land, die eine Hospitalisation benötigen, zusätzliche Bettenkapazitäten plant. Das soll im Alters- und Pflegeheim Haus St. Peter und Paul in Mauren geschehen. Hier sollen im Notfall innert weniger Tage Betten zur Entlastung des Landesspitals zur Versorgung der leichteren Fälle zur Verfügung gestellt werden. Damit könnten im Landesspital die schwerer Erkrankten behandelt werden. Die jetzigen Bewohner des Haus St. Peter und Paul müssten dann in andere Alters- und Pflegeheime verlegt werden. Deshalb könnten aktuell in den bestehenden Alters- und Pflegeheimen keine zusätzlichen Bewohner aufgenommen werden, schreibt die Regierung. Um das Landesspital zu entlasten führt das Land Liechtenstein künftig zudem die Probenentnahme für Coronatests in einer Drive-Through-Anlage durch. Für die Entnahme können die, nach vorheriger Anmeldung, zu testenden Personen im Auto sitzen bleiben. Es sei auch eine Möglichkeit für Fussgänger vorgesehen, heisst es in der Mitteilung weiter. (ts)

Die Sprecherin der Spitalregion betont aber:

«Alle medizinisch notwendigen Behandlungen, Notfälle etc. bleiben gewährleistet, auch Geburten.»
Wegen der Corona-Pandemie wurde der Bezug des Neubaus (rechts) verschoben. Der für den Umzug verhängte Ferienstopp trägt nun dazu bei, dass bei einer weiteren Steigerung der Anzahl Corona-Patienten eine hohe Zahl von Mitarbeitern verfügbar ist.

Wegen der Corona-Pandemie wurde der Bezug des Neubaus (rechts) verschoben. Der für den Umzug verhängte Ferienstopp trägt nun dazu bei, dass bei einer weiteren Steigerung der Anzahl Corona-Patienten eine hohe Zahl von Mitarbeitern verfügbar ist.

Bild: Thomas Schwizer

Auch die SRRWS verzeichnet aktuell Mitarbeitende, die in Heimquarantäne sind, sowie einzelne Erkrankte. Zudem sucht sie eine Lösung für die wenigen Fälle, die Probleme bezüglich der Kinderbetreuung haben.

Diverse vorsorgliche Massnahmen wurden eingeleitet

Hilfreich ist, dass die Feriensperre, die für den verschobenen Neubaubezug in Grabs galt und bleibt, um für die Pandemie gerüstet zu sein.

Zur Behebung eines allfälligen Personalengpasses wurden und werden in der SRRWS diverse Massnahmen getroffen. So sind zusätzliche Schichten von Ärzten und Pflegenden geplant. Pflegende mit Spezialausbildungen, die aktuell auf der Normalstation arbeiten, werden derzeit geschult, damit sie für einen allfälligen Einsatz bereit wären.

Auf einen Aufruf an Medizinstudenten, Personen mit Pflegeausbildung und anderen Ausbildungen im Gesundheitsbereich sind bei der SRRWS zahlreiche Meldungen eingegangen. «Zudem versuchen wir, Mitarbeitende zu reaktivieren, die seit Kurzem frühpensioniert sind, Teilpensen zu erhöhen etc.», so Bachmann. Wie die anderen Spitäler habe man zudem über den Kanton bezüglich Ressourcen aus dem Zivilschutz und der Armee angefragt.

Desinfektionsmittel und Schutzmasken knapp

Der Bund hat am Dienstag die Bevölkerung aufgerufen, vorhandene Vorräte an Schutzmasken für Alters- und Pflegeheimen zur Verfügung zu stellen. Im Hinblick auf eine massiv stärkere Verbreitung des Coronavirus im Kanton St. Gallen ist die Versorgung mit Schutzmasken und Desinfektionsmitteln auch bei der SRRWS ein Thema. «Aktuell ist die Versorgung ausreichend, aber sehr knapp», heisst es auf Anfrage. Und:

«Wir sind laufend bei allen Lieferquellen sehr aktiv, um die benötigten Mengen
zu beschaffen.»

Bereits in Betrieb sind Triage-Container bei den Spitälern Altstätten, Walenstadt und Grabs (hier auf der Holzterrasse beim unteren Eingang). Im Einen werden Corona-Abstriche bei Verdachtsfällen durchgeführt. Im Zweiten wird bei allen Personen, die das Spital betreten wollen, eine Eingangskontrolle mit Erstbeurteilung durchgeführt.

Vor den Spitälern Altstätten, Grabs (Bild) und Walenstadt werden diese Woche je zwei Triage-Container in Betrieb genommen, in welchen alle Leute vor dem Betreten der Spitäler eine Eingangskontrolle mit Erstbeurteilung absolvieren müssen.

Vor den Spitälern Altstätten, Grabs (Bild) und Walenstadt werden diese Woche je zwei Triage-Container in Betrieb genommen, in welchen alle Leute vor dem Betreten der Spitäler eine Eingangskontrolle mit Erstbeurteilung absolvieren müssen.

Bild: Thomas Schwizer

Spitäler haben eine Bitte: Im Verdachtsfall zuerst Hotline anrufen

Die SRRWS-Sprecherin bestätigt einen deutlichen Mehraufwand für das Spitalpersonal durch Anfragen aus der Bevölkerung. Einerseits kämen viele ambulante Patienten für einen Coronatest-Abstrich, meistens seien es Leute ohne Erkrankungssymptome. Zudem gebe es zusätzlichen telefonischen Aufwand für die Mitarbeitenden wegen der überlasteten Hotline des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Andrea Bachmann bittet dennoch darum, zur Entlastung des Spitalpersonals,zuerst die BAG-Hotline (Telefon 058 463 00 00) oder die neue kantonale Hotline (Telefon 0 58 229 22 33) anzurufen.

Die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland rüstet sich also mit zahlreichen Massnahmen für eine mutmasslich weiter steigende Zahl an Spitalaufenthalten von Patienten mit mittleren und schweren Erkrankungen wegen des Coronavirus. Letztlich bleibt aber auch hier die Hoffnung, dass die rigorosen Massnahmen des Bundes zur Abflachung der Ansteckungsfälle beitragen – und so das Worst-Case-Szenario ausbleiben wird.

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