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Das Kreisgericht in Mels behandelte einen Arbeitsunfall an Autoteil-Presse

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland befasste sich mit der Schuldfrage für einen schrecklichen Arbeitsunfall.
Reinhold Meier
In mehreren Operationen zusammengeflickt: Der Handunfall an der Presse hat lebenslange Folgen. (Bild: PD)

In mehreren Operationen zusammengeflickt: Der Handunfall an der Presse hat lebenslange Folgen. (Bild: PD)

Das Unglück liegt schon mehr als drei Jahre zurück, doch steht es dem Mittfünfziger noch wie heute vor Augen. Er war an einer der acht Stationen jener Presseanlage tätig, die zunächst Blechteile «anbördelt», also ihre Kanten verbiegt, sodann Filzteile hineinlegt und schliesslich mit einem weiteren Blechteil zu einem geräuschdämmenden Bauteil verpresst. Normalerweise läuft die Maschine eines regionalen Autozulieferers automatisch. An diesem Abend musste man jedoch auf Handbetrieb umstellen, weil die Presswerkzeuge den höchsten Massstab der notwendigen Genauigkeit nicht erreichten.

Bis hin zum Unterarm schwer gequetscht

Mehrere Mitarbeiter legten dabei jeweils per Hand Konstruktionsteile in die Maschine, einer löste den Pressvorgang aus, nachdem alle anderen einen Schritt aus der Gefahrenzone zurück gemacht hatten. Diese Person konnte aber nicht in jedem Fall direkt sehen, wer seine Hand noch in der Anlage hatte und musste sich auf Lichtschranken und Anzeigen auf seinem Display verlassen. Obwohl diese im fraglichen Moment alle auf Grün zeigten, befand sich die Hand des Opfers noch im Arbeitsfeld der Presse, als sie niedersauste. So wurde seine Hand bis hin zum Unterarm schwer gequetscht und verletzt.

Staatsanwalt macht den Arbeitgeber verantwortlich

Die Staatsanwaltschaft hatte der Firma im Wesentlichen vorgeworfen, sie habe die Anlage nicht bestimmungsgemäss genutzt. Diese sei für Automatikbetrieb ausgelegt, nicht für Handbetrieb. Zudem habe man die Sicherheitslücke bei den Lichtschranken kennen und dafür sorgen müssen, dass Gefahren ausgeschlossen sind. Und zuletzt seien die Arbeiter ungenügend oder nicht umfassend eingeführt worden, auch weil hoher Zeitdruck in der Produktion bestand. Kurz, die Firma habe die Vorschriften zur Arbeitssicherheit verletzt. In direkter logischer Folge habe der Mann schweren Schaden erlitten, also sei die Firma verantwortlich.

Die Verteidigung hielt dagegen und forderte Freispruch. Es gäbe keine Dokumente, die belegten, dass man die Presse nicht auch manuell betreiben dürfe. Das würde allein die Herstellerin der Presse behaupten, weil sie Schadensersatzklagen fürchte. Zudem sei das Problem mit der Lichtschrankenabdeckung eindeutig ursächlich. «Das ist der einzige Grund für den Unfall und dafür ist allein der Hersteller der Presse verantwortlich», hiess es. Dieser habe den Fehler nach dem Unfall denn auch rasch ausgebessert. Ferner habe es klare Sicherheitsanweisungen und Einarbeitungen gegeben, aber der Betroffene habe sich durch einen eher «chaotischen Arbeitsstil» ausgezeichnet. Darauf habe man keinen Einfluss und deshalb gäbe es auch keinen direkten Zusammenhang zwischen Unfall und Firma.

Das Opfer trat am Prozess als Privatkläger auf und machte stattliche Zivilforderungen geltend. Weil sich die Genesung über Jahre hinzog, seien hohe Kosten entstanden. Es forderte konkret 38800 Franken an Lohnausfall, 19800 Franken für die nötige Haushaltshilfe, 7400 Franken an Genugtuung und 7000 an Entschädigung. Die beschuldigte Firma bestritt alle Forderungen.

Firma freigesprochen

Das Gericht sprach sie schliesslich von Schuld und Strafe frei. Es sei unklar und jedenfalls nicht untersucht worden, warum sich die Klage gegen die Firma richtet und nicht gegen persönlich verantwortliche Personen. Auch eine Verletzung der Sorgfaltspflicht sei bei der Firma nicht zu erkennen. Die Sicherheitslücke bei der Lichtschranke habe sie jedenfalls nicht zu verantworten. Gleichwohl könnten möglicherweise zivilrechtliche Ansprüche entstanden sein, hiess es einschränkend. Diese seien allenfalls in einem Zivilverfahren zu klären. Wegen der Freisprüche hat der Staat Verfahrenskosten und Parteientschädigungen von rund 17000 Franken tragen.

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