«Das ist fast nicht zu glauben»: Vor 19 Jahren verschickten diese Ostschweizerinnen in Räfis eine Flaschenpost – jetzt kam ein Telefon aus Südafrika

Ein Mann hat an einem Strand in Kapstadt eine Flaschenpost gefunden, die einst zwei Buchserinnen in den Rhein warfen.

Corinne Hanselmann
Hören
Drucken
Teilen
Jessica Rhyner (links) und Alissia Vetsch-Spagnolo mit dem Foto ihrer Flaschenpost am Rhein. Dort begann vor 19 Jahren die Reise des Briefes.

Jessica Rhyner (links) und Alissia Vetsch-Spagnolo mit dem Foto ihrer Flaschenpost am Rhein. Dort begann vor 19 Jahren die Reise des Briefes.

Bild: Corinne Hanselmann

«Es ist fast nicht zu glauben», erzählt die in Räfis aufgewachsene Alissia Vetsch-Spagnolo. «Meine Eltern erhielten vor einigen Tagen einen Anruf aus Kapstadt von einem älteren, sehr netten Mann.»

«Er erklärte, dass er am Neujahrstag beim Spaziergang am Bloubergstrand in Kapstadt eine Glasflasche gefunden hat.»

Pflichtbewusst nahm der Mann die Flasche mit und wollte sie entsorgen. Doch als er die Flasche in einen Container warf, zerbrach sie und ein Brief kam zum Vorschein.

Der Finder aus Kapstadt blieb hartnäckig

«Hallo Flaschenpost-Finder», steht im Brief. «Wir heissen Jessica und Alissia (...) und freuen uns, dass Sie den Flaschenbrief gefunden haben.» Als Absender ist eine Adresse aus Buchs-Räfis notiert. Der Finder des Briefes suchte im Internet nach der angegebenen Adresse und fand die Telefonnummer von Alissia Vetsch-Spagnolos Eltern, die immer noch an fast demselben Ort wohnen. Er meldete sich telefonisch und wurde erst einmal abgewimmelt – denn wer rechnet bei einem Anruf aus Kapstadt schon mit einem solchen Hintergrund. Der Deutsche, der jeweils das halbe Jahr in Kapstadt und das halbe Jahr in Deutschland lebt, blieb hartnäckig und telefonierte erneut, erzählt Alissia Vetsch-Spagnolo.

«Erst als er meinen Namen und den von Jessica nannte, glaubten ihm meine Eltern und liessen sich die Geschichte von seinem Fund erzählen.»

Per E-Mail erhielt Alissia Vetsch-Spagnolo, die mit ihrer Familie in Grabs wohnt, anschliessend ein Foto vom Flaschenpost-Brief. «Diesen habe ich zusammen mit meinem damaligen Nachbarsmädchen Jessica etwa im Jahr 2000 geschrieben», erinnert sich die mittlerweile 30-Jährige vage.

Dieses Foto liess der Finder Alissia Vetsch-Spagnolo und Jessica Rhyner zukommen.

Dieses Foto liess der Finder Alissia Vetsch-Spagnolo und Jessica Rhyner zukommen.

PD

Nachbarsmädchen trafen sich nach über zehn Jahren wieder

Die ehemaligen Nachbarinnen hatten in den vergangenen Jahren kaum mehr Kontakt und haben sich schon seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen, wohnen aber beide noch in der Region. Extra für den Fototermin mit dem W&O verabredeten sie sich an dem Ort, wo die Reise der Flaschenpost vor 19 Jahren begann: am Rhein in der Nähe des Räfiser Flaggalaplatzes.

Dass die Flasche in diesen 19 Jahren wohl via Bodensee, Rheinfall, Rhein und die Weltmeere bis nach Kapstadt trieb, dabei unversehrt blieb und von jemandem gefunden wurde, ist für Alissia Vetsch-Spagnolo und Jessica Rhyner «fast unglaublich». Jessica Rhyner, die heute in Werdenberg wohnt, sagt:

«Ich bin wirklich erstaunt, dass der Brief nicht nass geworden und noch so gut lesbar ist.»

«Ich glaube, ich schreibe jetzt mit meinen Kindern auch eine Flaschenpost – vielleicht erhalten sie sie irgendwann auch zurück», so Alissia Vetsch-Spagnolo.

Ein wenig Zweifel bleiben

Ob der Brief tatsächlich auf dem Seeweg nach Südafrika gelangte, bleibt wohl das Geheimnis des Finders. Vor einigen Jahren wurde bereits einmal eine Flaschenpost, die in Oberriet losgeschickt wurde, 30 Jahre später in Kapstadt gefunden. Später stellte sich gemäss Zeitungsberichten heraus, dass die Flasche aus dem Bodensee gefischt, nach Kapstadt mitgenommen und von dort zurückgeschickt worden war.