Das Herz des Gamser Kaplans schlägt für Gott und Fussball

Witold Kuman ist Kaplan in der Gemeinde Gams, Seelsorger in der Region Werdenberg und Mitglied im Salettinerorden in Balzers. In seinem aufopferndem Leben für Gott und die Menschen hat es auch Platz für ein bisschen Fleisch und Fussball.

Alexandra Gächter
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Hier in der Katholischen Kirche Gams verrichtet Kaplan Witold Kuman einen grossen Teil seiner Arbeit. (Bild: Alexandra Gächter)

Hier in der Katholischen Kirche Gams verrichtet Kaplan Witold Kuman einen grossen Teil seiner Arbeit. (Bild: Alexandra Gächter)

Eigentlich wollte er Profifussballer werden. Witold Kuman war jugendlich, lebte in Polen, ging gerne tanzen und besuchte Partys.

Heute ist Witold Kuman Kaplan der Katholischen Kirche Gams. Er gehört dem Salettinerorden im Haus Gutenberg in Balzers an und arbeitet für die Seelsorgeeinheit Werdenberg.

Wäre er seinem ersten Berufswunsch gefolgt, so wäre er heute wohl Vater, tätowiert, sportlich und reich – wie Profifussballer halt sind. Doch Witold Kumans Geschichte verlief anders.

«Wir waren natürlich ganz brav»

Rzeszow liegt in Südostpolen. Die Region dort ist sehr katholisch geprägt. Witold Kuman wurde hier im Jahr 1961 geboren. Er absolvierte die Matura und war Mitglied einer kirchlichen Jugendgruppe seines Heimatortes. Das ist so etwas wie die Jungwacht hierzulande. Sein älterer Bruder und seine Kollegen waren ebenfalls in dieser Gruppe aktiv. «Das war ein schönes Leben, wir hatten es lustig.» Die Buben spielten Fussball, besuchten Tanzkurse, gingen auf Partys. «Aber wir waren natürlich ganz brav. Anständige, christliche Menschen», fügt Kuman an.

Der Leiter der Jugendgruppe war ein Salettiner. Das ist eine Art Mönch, der sich aber weltlich kleidet und mehr Missionars- und Seelsorgearbeit betreibt als andere Ordensleute. «Dieser Salettiner war ein charismatischer Mann. Ein Vorbild. Wir mochten ihn alle, wollten so sein wie er.» Und so war es nicht weiter verwunderlich, dass der Weg seiner älteren Kollegen und seines Bruders in den Salettinerorden führte. Witold Kuman sah, dass sie dort glücklich waren. Und so trat auch er dem Salettinerorden bei.

«Die Lehrjahre sind wie eine Art Verlobung»

Drei Gelübde muss ein Ordensmann schwören: Enthaltsamkeit, Armut und Gehorsam. Das heisst: keine Frau, keine Kinder, kein Reichtum und den Vorgesetzten demütig Folge leisten. Im einjährigen Noviziat und im sechsjährigen Theologiestudium bereiteten sich Kuman und seine Kollegen darauf vor. «Die sieben Lehrjahre vor der Priesterweihe sind wie eine Verlobung. Man schaut, ob es einem passt», so Kuman. Die Hälfte der Männer verliess die Ordensgemeinschaft. Witold Kuman blieb. Und wurde 1988 zum Priester geweiht.

Witold Kuman arbeitet nicht nur in der Kirche – ein Teil seiner Arbeit ist Schreibarbeit in seinem Büro. (Bild: Alexandra Gächter)

Witold Kuman arbeitet nicht nur in der Kirche – ein Teil seiner Arbeit ist Schreibarbeit in seinem Büro. (Bild: Alexandra Gächter)

Einige Jahre lang übernahm Kuman verschiedene Pastoralaufgaben in Krakau. Dann – es war das Jahr 1992 – bat das Bundesland Bayern die polnischen Salettiner um Hilfe. In Bayern herrschte Priestermangel. Witold Kuman, der in der Schule Deutsch und Russisch lernte, wurde nach Bayern berufen. Natürlich musste er sein Schuldeutsch verbessern. «Die Aussprache fiel mir leicht, die Wortstellung nicht.» In Deutschland arbeitete Kuman erst als Kaplan, dann als Pfarrer. In dieser Zeit wurde er Fan des FC Bayern.

«In Bayern zu wohnen, ohne FC-Bayern-Fan zu werden, ist ja auch schwierig.»

Zudem spielt dort sein Landsmann Robert Lewandowski. Noch mehr als mit dem FC Bayern fiebert er nämlich mit der polnischen Nationalmannschaft mit.

Polnisches Fleischgericht ist sein Lieblingsessen

Vor ein paar Jahren erreichte Witold Kuman eine Nachricht aus dem Fürstentum Liechtenstein. Der Salettinerorden des Hauses Gutenberg benötigte einen Superior, also einen Leiter der Ordensgemeinschaft. Und so zog Witold Kuman nach Balzers. Damals, im Jahr 2016, waren sie noch zu sechst in der Gemeinschaft in Balzers. Heute gehören nebst ihm nur noch zwei 75-Jährige und ein 93-Jähriger dem Orden an. Der 93-Jährige wohnt nebenan im Altersheim und Witold Kuman lebt seit diesem Sommer im Gamser Pfarrhaus, wo er als Kaplan arbeitet (siehe Titelseite). Seinen Lohn zahlt er auf das Gemeinschaftskonto der Salettiner ein. Zwei- bis dreimal die Woche besucht er seine Ordenskollegen in Balzers, erledigt Korrespondenz und zahlt Rechnungen.

In Gams, wo er nun alleine lebt, schätzt er es, dass er eine Küche hat und kochen darf. Das war in der Ordensgemeinschaft nicht möglich. Sein Lieblingsessen ist Bigos – ein polnischer Krauteintopf mit verschiedenen Fleischsorten. Freitags isst er dies selbstverständlich nicht. Er verzichtet auch an anderen Wochentagen auf Fleisch. «Wenn man eine Weile auf Fleisch verzichtet, schmeckt es danach noch besser», begründet er.

Eine Stunde pro Tag betet er

Witold Kumans Tag beginnt um 6.30 Uhr mit einem etwa halbstündigem Morgengebet. Die Gebetspsalmen liest er von seinem Handy. Das mag er lieber als Gebetsbücher. «Auf dem Handy kann ich die Buchstabengrösse und die Helligkeit meinem Sehvermögen anpassen.» Nach getaner Arbeit als Kaplan und Seelsorger betet er erneut. Danach liest er. Nachrichten zum Beispiel oder Texte mit religiösem und spirituellem Inhalt. Gerne informiert er sich auch über die Fussballresultate und sieht Sportsendungen. Bevor er zu Bett geht, betet er erneut. 

«Insgesamt eine Stunde pro Tag verbringe ich ungefähr allein im Gebet.»

In seinem Leben strebt Kaplan Witold Kuman das Glücklichsein und nicht Gesundheit an. «Es gibt Kranke, die glücklich sind und Gesunde, die unglücklich sind. Ich bemühe mich darum stets Frieden im Herzen zu finden.» In der Regel gelingt ihm das ganz gut. Ausser dann vielleicht, wenn die polnische Nationalmannschaft im Fussball verliert. Dann blutet sein Herz. Doch fünf Minuten später ist der innere Frieden wieder hergestellt. Und er kann diesen Frieden mit den Werdenbergern teilen: Am Krankenbett, in einer Lebenskrise oder für all jene, die ihren Frieden noch nicht gefunden haben.