Das Bergwerk-Jubiläum wurde am Sonntag würdig gefeiert

Die Eisenbergwerk Gonzen AG (EGAG) hat am Wochenende das 100-Jahr-Jubiläum begangen. Mit der Tavolata im Rebgut gab es zum Auftakt einen kulinarischen und atmosphärischen Höhepunkt, dann stand zwei Tage lang abwechslungsreiche Musik im Mittelpunkt.

Jerry Gadient
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Mystische Atmosphäre: Michael Sele und seine Band The Beauty of Gemina spielten im Kompressorenraum. (Bild: Andreas Hörner)

Mystische Atmosphäre: Michael Sele und seine Band The Beauty of Gemina spielten im Kompressorenraum. (Bild: Andreas Hörner)

Nur in den höchsten Tönen hörte man die Besucher der Tavolata schwärmen. Mitten im Weingut Gonzen am Fusse des Gonzen liessen sie sich das Dreigang-Menu von Thomas Dolp schmecken und genossen dazu natürlich die hauseigenen Weine aus dem Keller von Stefan und Anita Hörner. Alles stimmte, die kulinarische Qualität, das Wetter und die einmalige Atmosphäre am knapp 40 Meter langen Tisch mit 102 Gästen. Auch Roland Abt, Verwaltungsratspräsident der Eisenbergwerk Gonzen AG (EGAG) zeigte sich schlichtweg begeistert. In seiner Ansprache lobte er Stefan Hörner, «seit er vor 25 Jahren das Zepter als Rebmeister übernommen hat, hat sich die Qualität der Weine stark verbessert».

Ein grosser Wermutstropfen

Damit war der Auftakt zum dreitägigen Jubiläumsfest völlig gelungen. Er war aber auch verbunden mit einer schlechten Nachricht, die Roland Abt überbringen musste. Das Gonzenfest «ist ein Höhepunkt und ein fulminanter Schlusspunkt in der Karriere von Willi Eugster als Geschäftsführer der EGAG. Willi hat sich während 42 Jahren mit beispiellosem Engagement dem Gonzen gewidmet und sehr viel erreicht». Doch leider konnte Eugster am Fest nicht teilnehmen, nach einer schmerzhaften Hüftoperation war er ans Spitalbett gefesselt. Das sei rabenschwarzes Pech, so Abt. Er dankte dann unter anderem Eugsters Nachfolger als Geschäftsführer, Fredi Rutz, «der einspringen musste und der mit der Schlussorganisation des dreitägigen Anlasses seine Feuertaufe erfolgreich bestanden hat».

Die Glückwünsche der St. Galler Regierung zum Jubiläum überbrachte Marc Mächler. Der Vorsteher des kantonalen Baudepartements blickte auf die Geschichte des Erzabbaus im Gonzen zurück und wusste auch einige Sagen dazu zu erzählen. Und Mächler lobte den Verein Pro Gonzenbergwerk und die EGAG, dank deren Verdienst sich das Gonzenbergwerk zum beliebten Ausflugsort gewandelt hat.

Eine Premiere und eine Dernière

Nach diesem kulinarischen Festauftakt am Freitag standen dann der Samstag und der Sonntag ganz im Zeichen der Musik. Ein ganz besonderes Erlebnis waren die beiden Auftritte von Michael Sele, der seine Band The Beauty of Gemina als Trio und akustisch im Kompressorenraum tief im Bergesinnern präsentierte. Der düstere Grundton von Seles Musik entwickelte in dieser mystischen Atmosphäre noch einmal ganz neue Facetten. Und für eingefleischte Fans gab es zwei besondere Schmankerl: Zum einen wurde «Suicide Day» vom jüngsten Album zum ersten Mal live aufgeführt, und der Gemina-Song «Forgiveness» wurde nach mehr als zehn Jahren auch wieder einmal live gespielt. Was zu der Mystik im Bergesinnern hinzukam: Die Akustik in dieser Felsenhöhle war schlicht hervorragend.

Speziell und noch bis am 20. Juli zu sehen: Die Lichtinstallationen im Innern des Gonzenbergwerks. (Bild: Andreas Hörner)

Speziell und noch bis am 20. Juli zu sehen: Die Lichtinstallationen im Innern des Gonzenbergwerks. (Bild: Andreas Hörner)

Die Besucher des zweiten Konzerts gerieten bei der Ausfahrt aus dem Berg direkt in das Konzert der Pyknikers. Und konnten so noch die letzten Songs mitnehmen, welche die beliebte einheimische Partyband in dieser Besetzung spielte. Denn die langjährigen Mitstreiter Christoph Vesti (Bass) und Marcel Roth (Piano) steigen aus, die Pyknikers werden erst wieder Konzerte geben, wenn für sie Nachfolger gefunden worden sind.

Aber im Stollen-Bahnhof beim Bergwerkseingang gaben sie am Samstagabend noch einmal Vollgas und sorgten für ausgelassene Stimmung. In der Pause demonstrierte Chiara Loreen (Mels) eine Kostprobe ihrer bewundernswerten stimmlichen Fähigkeiten.

Beschwingt in den Sonntag

Im Bergwerksrestaurant stand den ganzen Samstag bis spät am Abend volkstümliche Musik im Mittelpunkt, unter anderem mit den Sarganserländer Musikanten und dem Bodensee Quintett. Musikalisch beschwingt ging es mit Jazz in den Sonntag. Die Klus Brothers unterhielten, während sich die Besucher am reichhaltigen und schmackhaften Buffet des Wirtepaars Sepp und Esther Schnider und ihrem Team bedienten. Vom Gipfeli bis zum Mittagessen mit Ghacktem und Hörnli war alles dabei.

Auch wenn der ganz grosse Besucherandrang ausblieb, Fredi Rutz als Verantwortlicher zog am Sonntag dennoch ein positives Fazit. Rund 1250 Besucher konnte man begrüssen, von ihnen nutzten deren 850 die Grubenfahrten und bestaunten das Bergwerklicht. «Wir haben das Jubiläum gebührend gefeiert, und es herrschte Superstimmung», so Rutz am Sonntag.