Dampf aus der Kehrichtverbrennung Buchs vermeidet jährlich 31'600 Tonnen CO2 in drei Liechtensteiner Unternehmen

Dank der Ferndampfleitung sparen drei Liechtensteiner Unternehmen 12 Millionen Liter Heizöl pro Jahr ein. An einer kleinen Feier zum zehnjährigen Bestehen der Leitung wurde diese als ökologischer und wirtschaftlicher Erfolg bezeichnet.

Thomas Schwizer
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Die Versorgung über die Dampfleitung an der Energiebrücke über den Rhein trägt massgeblich zu einer besseren CO2-Bilanz in Liechtenstein bei. Bild: Thomas Schwizer

Die Versorgung über die Dampfleitung an der Energiebrücke über den Rhein trägt massgeblich zu einer besseren CO2-Bilanz in Liechtenstein bei. Bild: Thomas Schwizer

Bild: THomas Schwizer

Seit gut zehn Jahren gibt es die Energiebrücke bei der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) in Buchs. Seither werden die Hilcona und der Hauptsitz der Ospelt Gruppe über eine Fernleitung mit Dampfenergie versorgt, die bei der Verbrennung von Abfall entsteht. Seit 2016 gehört auch der Milchhof in Schaan zu den Bezügern.

Im Jahr 2019 ersetzte der gelieferte Dampf fast 12 Millionen Liter Heizöl und vermied rund 32'000 Tonnen CO2.

10 Prozent der Liechtensteiner Energie stammt aus Buchs

An einer kleinen Feier bei der Energiebrücke in Buchs wurde am Donnerstag betont, wie erfolgreich und nachhaltig die Kooperation aller Beteiligter ist.

Liechtensteins Vize-Regierungschef und Wirtschaftsminister Daniel Risch zeigte auf, dass bereits heute knapp 10 Prozent des Energieverbrauchs im Land durch Dampf- und Fernwärme aus der KVA gedeckt wird. Damit habe sich die CO2-Bilanz von Liechtenstein wesentlich verbessert.

Der Ort der kleinen Feier zum zehnjährigen Bestehen der Ferndampfleitung zwischen Buchs und der Hilcona in Schaan, dem Ospelt-Hauptsitz in Bendern und seit 2016 auch dem Milchhof in Schaan war bewusst gewählt: Auf der Liechtensteiner Seite der Energiebrücke, die für die Transportleitung ins Fürstentum realisiert wurde. Die kalten Temperaturen taten der guten Stimmung keinen Abbruch, sondern standen sinnbildlich für den heissen Dampf, der viel zur Nachhaltigkeit beiträgt.

Bei der Verbrennung von Abfall entsteht Wärme. In Form von Prozessdampf und Fernwärme trägt diese bedeutend zu einer CO2-neutralen und erneuerbaren Energieversorgung in der Region bei. Das hat der Verein für Abfallentsorgung (VfA) erkannt, dessen Trägerschaft auch sämtliche Liechtensteiner Gemeinden angehören. Er beschloss im Jahr 2007, eine Ferndampfleitung von der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) in Buchs nach Liechtenstein zu erstellen.

Insgesamt wurden bis heute gut 36 Millionen Franken dafür investiert. An der Feier waren sich alle einig: Diese Investition hat sich gelohnt.

2019 wurden 31641 Tonnen CO2 vermieden

2019 ersetzte die Dampfenergie aus der KVA in die drei Liechtensteiner Unternehmen 11,8 Millionen Liter Heizöl und vermied 31641 Tonnen CO2. Die Hälfte davon trug die Hilcona bei, 48 Prozent die Ospelt-Gruppe und 2 Prozent der Milchhof.

Die an der Dampfleitung Beteiligten stossen auf die erfolgreiche Kooperation an: Urs Brunner, Alexander Ospelt, Norbert Pustlauk, Daniel Risch und Martin Henck.

Die an der Dampfleitung Beteiligten stossen auf die erfolgreiche Kooperation an: Urs Brunner, Alexander Ospelt, Norbert Pustlauk, Daniel Risch und Martin Henck.

Für Urs Brunner, Vorsitzender der VfA-Geschäftsleitung, ist die Dampfleitung ein Highlight in 60 Jahren VfA-Geschichte. Sie trage mit 13 Prozent massgeblich zum hohen Nutzungsgrad der KVA bei. Insgesamt werden heute 76 Prozent der Energie genutzt, die bei der Verbrennung in Buchs entsteht.

Dampfenergie ist ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig

Hilcona-CEO Martin Henck sagte, das Unternehmen sei in Schaan heute klimaneutral – dank der sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich nachhaltigen Dampfenergie und dank Strom aus Wasserkraft.

Neben der Hilcona war auch die Ospelt-Gruppe Mitinitiant des «Leuchtturmprojekts», wie Alexander Ospelt die Ferndampfleitung nannte. Auch beim geplanten Wachstum setze Ospelt auf nachhaltige Energie aus der Dampfleitung. Der Milchhof will die Kooperation mit der KVA ebenfalls weiter ausbauen, betonte Geschäftsführer Norbert Pustlauk.

Dampfleitung und Fernwärme weiter ausbauen

Liechtensteins Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch stellte fest, das Land sei bei der Umsetzung von Massnahmen und Projekten auf Kooperationen mit Nachbarstaaten angewiesen.

«Die Dampfleitung der KVA Buchs leistet seit mehr als zehn Jahren einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Erreichung der Klimaziele Liechtensteins.»

Liechtenstein und insbesondere die Liechtensteinische Gasversorgung pflege mit dem VfA eine enge und gute Zusammenarbeit.

Ziel Liechtensteins sei es, neben der Dampfleitung auch das Fernwärmenetz auszubauen und weitere Gebäude in Schaan und Bendern anzuschliessen.

Fernwärmenetz wird in Liechtenstein ausgebaut

Im Jahr 2016, nach dem Anschluss der Liechtensteinischen Milchhof AG in Schaan, konnte der VfA gemeinsam mit der Liechtensteinischen Gasversorgung (LGV) rund um die Ferndampfleitung weitere Fernwärmeanschlüsse realisieren. An der Feier war gestern zu erfahren, dass schrittweise mit der umweltfreundlichen und CO2-freien Fernwärme aus der KVA Buchs zirka 75 Prozent des Wärmebedarfs in der Industrie Bendern abgedeckt werden sollen.

Im Jahr 2018 konnte mit der LGV die Fernwärmeversorgung Schaan (ab KVA Buchs) in Betrieb genommen werden. Die Energiebrücke des VfA ermöglichte es, eine Fernwärmeversorgung parallel zur Ferndampfleitung nach Liechtenstein zu bauen. Mittelfristig soll die Fernwärme zum Ortszentrum Schaan verlängert werden.

Die LGV hat ebenfalls im Jahr 2018 die neue Wärmeversorgung Schaan Industrie realisiert. Zirka 90 Prozent der Wärmeversorgung im Industriegebiet Schaan sollen schliesslich durch diese umweltfreundliche und CO2-freie Wärme abgedeckt werden, wie es im Ausblick hiess.