«Daheimsein» in Coronazeiten: Gamser Schüler setzten sich auf kreative Weise damit auseinander

Schüler verarbeiteten im Fach «Ethik, Religion, Gemeinschaft» kreativ ihre Gedanken und Gefühle.

Hanspeter Thurnherr
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Die Schülerinnen und Schüler präsentieren stolz ihre farbenprächtig gestalteten Häuschen.

Die Schülerinnen und Schüler präsentieren stolz ihre farbenprächtig gestalteten Häuschen.

Bild: Hanspeter Thurnherr

Zu Hause sein, was heisst das? Die 160 Mittelstufenschülerinnen und -schüler des Schulhauses Höfli setzten sich im Rahmen des Unterrichts im Fach «Ethik, Religion, Gemeinschaft (ERG-Schule und ERG-Kirchen) mit dem Daheimsein auseinander. Dazu bemalten die Dritt- bis Sechstklässler Holzhäuschen, die von Jugendarbeiter Sali Cana hergestellt wurden, mit Farben kreativ, um anschliessend ihre Gedanken und Gefühle über ihr unfreiwillig ins «Daheim verbannt sein» in einer Geschichte zu verarbeiten.

So entstanden sehr persönliche, einfallsreiche und beeindruckende Geschichten, wer da in diesem Acht-Familien-Häuschen zusammenlebt, wie diese miteinander unterwegs sind, über gegenseitige Nachbarhilfe und vieles mehr. Ein Schüler schrieb gar ein kleines Märchen.

Eine Zerrreisprobe im familiären Umfeld

Was es heisst plötzlich nicht mehr raus dürfen, keine Grosseltern, Verwandten und Freunde mehr treffen, Homeschooling, statt in die Schule zu gehen, alle Freizeitangebote abgesagt – all dies beschrieben die Kinder in ihren Texten. Oder auch, wie sich das «Herunterfahren» auf die Familie- und Hausgemeinschaft auswirkt, im Positiven wie im Negativen. Etwa die Herausforderung, die Homeoffice-Infrastruktur zu koordinieren. Dann wird die Frage, wer wann am PC arbeiten darf, zur Zerrreisprobe. Oft fehlt die nötige Ruhe, wenn jeder etwas will, die Geschwister streiten, es laut wird und Rückzugsorte fehlen. Silvia Dietschi sagt:

«Angst vor der Krankheit oder liebe Menschen zu verlieren. Unsicherheit, wie es weitergeht. Für die Kinder ist es wichtig, dass sie diese Ängste und Unsicherheiten verarbeiten können. Schreiben und malen kann eine Möglichkeit sein, nebst vielen anderen.»

Die Religionspädagogin und Jugendarbeiterin hat die Aktion initiiert. Es gab aber auch die andere Seite. «Das Malen machte mir viel Spass», sagt etwa Seraphina. «Gefallen hat mir, dass bei der Aufgabe nicht nur Corona im Vordergrund stand, sondern wir auch kreativ schaffen konnten», betonte Melina. Nicolin meint:

«Toll war, dass wir selber malen und zeichnen sowie eine Geschichte schreiben konnten, nicht nur einzelne Sätze.»

Andrin kam sogar die Idee, wohl angeregt durch die ausgefallene Fussball-EM die Flaggen der Länder an seinem Häuschen anzubringen. «Wir hatten viel Freiheit bei der Gestaltung und beim Schreiben der Geschichte», erzählt Marina dem W&O.

Häuschen sind im Schulhaus Höfli aufgestellt

Zur Zeit sind die bunten Häuschen der Schülerinnen und Schüler im ganzen Schulhaus Höfli aufgestellt und zu Gamser Quartieren angeordnet. Da finden die Besucher etwa das Quartier Höfli City oder Höfli Berg. «Immer wieder sehen wir die Schüler durch die Reihen der Häuschen spazieren und bewundernd die grosse Vielfalt bestaunen», erzählt Silvia Dietschi. Eigentlich war eine Ausstellung mit Apéro für die Eltern, Grosseltern und Freunde angedacht. Doch die noch immer geltenden Coronaschutzmassnahmen liessen dies nicht zu. Deshalb soll wenigstens dieser Zeitungsbericht die spezielle Aktion der Schülerinnen und Schüler öffentlich bekannt machen.

Die Geschichten im Unterricht zu erzählen oder vorzulesen, achtsam zuhören auch die eine oder andere Aussagen durch die Lehrkräfte aufzufangen, bilden nun den Abschluss der Aktion.