Flüchtlinge aus der CSSR wurden in Buchs wie Helden empfangen

Nach der blutigen Niederschlagung des «Prager Frühlings» vor 50 Jahren verliessen Tausende von Tschechoslowaken ihr Land. In Buchs wurde eine Grenzsammelstelle für die Erstversorgung und die Triage in die übrige Schweiz eingerichtet.

Heini Schwendener
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Soldaten bereiten die Grenzsammelstelle Buchs auf den Ansturm der Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei vor. (Bild: Archiv SRK)
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Mit einem aufmunternden Plakat wurden die Flüchtlinge empfangen. (Bild: Archiv SRK)
Helferinnen des Schweizerischen Roten Kreuzes warten auf die Ankunft des nächsten Zuges mit Flüchtlingen. (Bild: Archiv Hansruedi Rohrer)
Viele Autos mit tschechoslowakischen Nummernschildern auf dem Parkplatz bei der Grenzsammelstelle Buchs. (Bild: Archiv SRK)
Flüchtlinge, die von Buchs abreisen – irgendwohin in die Schweiz oder ins Ausland –, werden verabschiedet. (Bild: Archiv Hansruedi Rohrer)
Im Betreuungslager Buchs wurden die Flüchtlinge mit dem Nötigsten versorgt und registriert. (Bild: Archiv SRK)
Mit wenig Gepäck kommen die Flüchtlinge in Buchs an, wo sie erstversorgt werden und sich etwas ausruhen, bevor sie weiterreisen. (Bild: Archiv SRK)
Flüchtlinge bei der Ankunft in Buchs. (Bild: Archiv SRK)
Die Grenzsammelstelle Buchs, betreut vom Schweizerischen Roten Kreuz, wurde auch als Auffanglager und als Betreuungslager für die Flüchtlinge aus der CSSR bezeichnet. (Bild: Archiv SRK)

Soldaten bereiten die Grenzsammelstelle Buchs auf den Ansturm der Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei vor. (Bild: Archiv SRK)

Fünf Tage nachdem die Panzer des Warschauer Paktes dem «Prager Fühling» ein jähes Ende bereitet hatten, hiess es am 26. August 1968 im W&O, die ersten tschechoslowakischen Flüchtlinge hätten das Rheintal erreicht. Es handelte sich um drei Prager Taxifahrer, die in ihren Fahrzeugen «russischer Konstruktion» nach eineinhalb Tagen Fahrt die Schweizer Grenze erreicht hatten. Viele flüchteten mit ihrem Auto, noch viel mehr mit der Bahn. In Buchs wurde eine Grenzsammelstelle eingerichtet. Über deren Eingangstüre hing ein Plakat, das den Flüchtlingen Mut machen sollte und sie wie Helden feierte. «Wir bewundern Euren Mut und Eure Tapferkeit» war darauf zu lesen.

Dieses Lager war Ende August 1968 eingerichtet worden in der Erwartung, dass nun täglich rund 300 CSSR-Flüchtlinge per Bahn einreisen würden. Diese Zahlen waren nicht zu hoch gegriffen. In der Folge hatten die Helferinnen des Roten Kreuzes und die Soldaten der Rotkreuzkolonne 3/43 gemäss W&O vom 7.  September 1968 viel zu tun. Sie empfingen, versorgten und verpflegten die Flüchtlinge, bevor sie an die örtlichen Rotkreuzsektionen in der ganzen Schweiz weitergeleitet wurden.

Mit offenen Armen empfangen

«Soweit die Flüchtlinge in eigenen Autos eintreffen, werden sie mit Benzingutscheinen und einem Taggeld von Fr. 4.50 pro Person ausgestattet, welches ihnen Weiterreise an den neuen schweizerischen Bestimmungsort erleichtern soll», hiess es im Bericht weiter.

Die Flüchtlinge aus der CSSR wurden in der Schweiz mit offenen Armen empfangen. Schnell fanden sie in Hotels, Heimen oder auf Campingplätzen eine vorläufige Bleibe. Allen wurde kostenlos eine dreimonatige Aufenthaltsbewilligung erteilt und diese wenn nötig unbürokratisch verlängert. Man wollte den Flüchtlingen Zeit geben, sich zu entscheiden, ob sie in der Schweiz einen Antrag auf Asyl stellen möchten. Ein solcher würde sehr wohlwollend behandelt, wurde den Flüchtlingen mitgeteilt.

Gut ausgebildete Flüchtlinge

Bereits nach einem Monat waren 3000 Flüchtlinge aus der CSSR über die Grenzsammelstellen in Buchs und St. Margrethen in die Schweiz gereist. Über 12000 tschechoslowakische Flüchtlinge fanden schliesslich in der Schweiz eine neue Heimat, rund die Hälfte davon hatte den Erstkontakt mit der Schweiz in den Grenzsammelstellen in Buchs und St. Margrethen. Viele der Flüchtlinge fanden schnell eine Arbeit in der boomenden Wirtschaft. Die Leute aus der CSSR waren sehr gut ausgebildet, 55 Prozent waren Akademiker und weitere 25 Prozent verfügten über eine Berufsausbildung.

Hinweis

Im Foyer des Staatsarchivs in St. Gallen gibt es eine kleine Ausstellung über die Ereignisse vor 50 Jahren.