Coronapandemie als Auslöser für zusätzlichen Bedarf ++ EU bestellt 26'000 Beatmungsgeräte ++ ein Quantensprung für die IMT in Buchs 

Die IMT und Vyaire Medical können Geräte für eine Beatmung mit «Autopilot» liefern. Mit den Bellavista-Modellen kann die Beatmung mit einer innovativen Software – zum Vorteil der Patienten – automatisch gesteuert werden.

Thomas Schwizer
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Mit den Bellavista-Beatmungsgeräten können Druck und Volumen der künstlichen Beatmung optimiert gesteuert werden.

Mit den Bellavista-Beatmungsgeräten können Druck und Volumen der künstlichen Beatmung optimiert gesteuert werden. 

Bilder: PD

Über tausend Bellavista-Beatmungsgeräte, ausgerüstet mit einer innovativen Software und einfach zu bedienen, verkauft die IMT Medical AG normalerweise pro Jahr. Respektive der weltweit grösste Beatmungsgerätehersteller Vyaire Medical, der diese Schwesterfirma der IMT in Buchs im Frühling 2018 übernommen hat.

Bestellungseingang steigt um ein Vielfaches an

Das Verkaufsvolumen von Bellavista-Geräten der neuesten Generation, die seit Beginn und bis heute bei der IMT in Buchs entwickelt und stetig weiterentwickelt werden, erfährt nun einen Quantensprung und wird sich nun gleich um ein Vielfaches vermehren, wie die IMT am Mittwoch mitteilte.

Die IMT AG

Die IMT wurde vor 25 Jahren in Buchs gegründet und weist jahrelange Entwicklungsarbeit, Erfahrung und Knowhow im Bereich Medizintechnik auf. Sie beschäftigt in der Schweiz und in Asien rund 100 Entwicklungs-Ingenieure, den Grossteil davon gemäss Mitgründer und Managing Director Harri Friberg in Buchs. Die IMT begann vor zwölf Jahren mit der Entwicklung von Bellavista-Beatmungsgeräten. Man habe damals festgestellt, dass die verfügbaren Geräte zu kompliziert zu bedienen waren, sagte Friberg im Jahr 2015. Im Frühling 2018 hat die IMT AG ihren Geschäftsbereich Beatmungsgeräte (IMT Medical AG) der US-Firma Vyaire Medical übergeben, dem weltweit grössten Beatmungsgeräte-Hersteller. Die Engineeringfirma IMT AG und die im Jahr 2018 gegründete IMT Analytics AG konzentrieren sich seither auf die Weiterentwicklung und Optimierung der Bellavista-Beatmungs- und Messgeräte. 

Die EU (Europäische Union) hat nämlich gleich 26'000 solche Beatmungsgeräte bei IMT/Vyaire bestellt. Damit will sie, angetrieben durch die Coronapandemie mit häufigen schweren Lungenerkrankungen, den teils akuten Mangel an geeigneten Geräten beheben.

NTB als «Lieferantin» von Ingenieuren für die IMT

Co-Gründer und Managing Director Harri Friberg freut sich auf Anfrage dieser Zeitung:

«Dieser Grossauftrag ist eine grossartige Bestätigung für uns und unser rund 100-köpfiges Team von Ingenieuren.»

Weitere Ingenieure würden stets gesucht, betont er. Friberg selbst stammt aus der NTB-Schmiede wie rund 80 Prozent der von der IMT rekrutierten Fachleute.

Die Grossbestellung der EU ist der bisher grösste Erfolg für das Buchser Unternehmen IMT.

Die Grossbestellung der EU ist der bisher grösste Erfolg für das Buchser Unternehmen IMT.

Die Grossbestellung der EU bezeichnet er als bisher grössten Erfolg für die IMT. Heute entwickelt die Buchser Firma die Bellavista-Beatmungsgeräte exklusiv für den US-Weltmarktführer Vyaire weiter. Produziert werden sie in Singapur. Als Folge der Eurokrise hatte schon die IMT die Produktion aus Kostengründen ausgelagert.

Innovation made in Buchs trägt nun Früchte

Die jahrelange Entwicklung und Innovation der Engineering- und Entwicklungsfirma IMT trage Früchte, freut sich das Unternehmen mit Sitz in Buchs. Mit dem Grossauftrag werde die Beatmungsgeräte-Familie Bellavista «nun nicht nur im Zürcher Kinderspital, sondern in ganz Europa zu einem Standard».

Für die EU stand gemäss der IMT-Mitteilung für die Vergabe des Grossauftrages an die IMT «neben nachhaltiger Verlässlichkeit und Stabilität des Lieferpartners auch eine innovative technische Plattform im Fokus». Die Firma hebt die Spezialität der Bellavista-Beatmungsgeräte hervor. Insbesondere arbeiten sie mit einem sogenannten adaptive ventilation mode (avm). Er ist ein «Autopilot» für eine von künstlicher Intelligenz gesteuerte Abgabe von Volumen, Druck und Rhythmus an die Patienten.

Kurze Beatmungsdauer ist für die Patienten von Vorteil

Die IMT unterstreicht die Bedeutung einer möglichst kurzen Beatmungs-Therapie. Je kürzer diese sei, desto geringer sei sie Gefahr einer Atemwegsinfektion und desto grösser die Chance auf körpereigene Spontanatmung.

Dank einem kleinen Kunststoffteil, dem sogenannten Flow Sensor, im Atmungsschlauch des Patienten könnten geringste Luftgemisch-Ströme zur und von der Lunge des Patienten gemessen werden. Sie geben der Software des Beatmungsgerätes vor, welcher Druck und Rhythmus für den nächsten Atemzug bereitgestellt werden muss.

So sei sichergestellt, dass die künstliche Beatmung ihre Leistung selbständig anpasst, den Patienten das selbständige Atmen ermöglicht und ihn vom Gerät «entwöhnt».

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