Corona-Konsultationszentrum für das Sarganserland und Werdenberg ist in Betrieb: Aufnahme nur mit einer Anmeldung durch den Hausarzt

Das Corona-Konsultationszentrum für das Sarganserland und Werdenberg wird heute in der Sporthalle bei der Kantonsschule Sargans Betrieb genommen.

Hans Bärtsch
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In das von Zivilschützern betreute Konsultationszentrum kommt nur, wer eine ärztliche Zuweisung vorlegen kann.

In das von Zivilschützern betreute Konsultationszentrum kommt nur, wer eine ärztliche Zuweisung vorlegen kann.

Bilder: Hans Bärtsch

Heute Dienstag nehmen die drei neuen Coronavirus-Konsultationszentren in St. Gallen, Rapperswil-Jona und Sargans ihre Arbeit auf. Bei einem Medienrundgang wurde gestern erklärt, wie diese Zentren funktionieren.

Wo sonst Sport betrieben wird, herrscht jetzt gespenstische Ruhe. Es ist aber nicht die Ruhe einer geschlossenen Turnhalle. Sondern eines umfunktionierten Raums. «Wir befinden uns an einem normalen Ort in ausserordentlicher Aufmachung», drückte es Gesundheitschefin Heidi Hanselmann beim gestrigen Medienrundgang aus.

Zutritt gibt es nur mit einer ärztlichen Zuweisung

Dieses Ausserordentliche manifestiert sich bereits im Aussenbereich, wo Zivilschützer mit Schutzmasken parat stehen für das, was kommen wird. Gemeint sind damit Personen aus dem Sarganserland und dem Werdenberg, die von ihren Hausärztinnen und Hausärzten wegen Symptomen auf das Coronavirus hierher verwiesen werden.

Wer ohne ärztliche Zuweisung auftaucht, für die oder den ist bereits im Eingangsbereich Endstation. Zutritt hat nur, wer mit einer ärztlichen Zuweisung bei der Sportanlage Riet in Sargans – direkt bei der Kantonsschule gelegen – eintrifft.

Aldo Fischer aus Trübbach ist ärztlicher Leiter

Dieses Vorgehen hat seinen Grund unter anderem darin, Massenansammlungen zu vermeiden. «Die Eintrittspforte ins Konsultationszentrum ist der Hausarzt», brachte es Aldo Fischer aus Trübbach mit anderen Worten auf den Punkt. Fischer ist der ärztliche Leiter des Konsultationszentrums Sargans.

Hausarzt Aldo Fischer ist der ärztliche Leiter des Konsultationszentrums in Sargans.

Hausarzt Aldo Fischer ist der ärztliche Leiter des Konsultationszentrums in Sargans.

Nach dem Aufnahmeprozedere in einem gedeckten Eingangsbereich geht es zügig ins Innere der Sportanlage. Identitätskarte und Krankenversicherungskarte überprüfen, Schutzmaske fassen, ein erster Vorcheck. So umreissen Aldo Fischer und Yves Müller aus Walenstadt von der regionalen Zivilschutzorganisation die nächsten Schritte für die Personen, die sich in diesem Konsultationszentrum aufs Coronavirus testen lassen.

Ist man in der Halle selber, sind Wartebereiche definiert – immer mit genügenden Abständen, in einem Labor können einfache Tests durchgeführt werden. In vier Kojen können die Ärzte die eingewiesenen Personen untersuchen und dann entscheiden, ob es wieder nach Hause geht, allenfalls in die Quarantäne, oder im schlimmeren Fall ins Spital.

Höchstens eine Viertelstunde

«Wir machen hier keine Hausarzt-Sprechstunden», betont Fischer. Es sei ein rein diagnostischer Vorgang. Die Personen, die sich hier untersuchen lassen, sollen nicht mehr als eine Viertelstunde im Konsultationszentrum verweilen müssen. Allerdings kommt es auf die Schwere der Symptome an; je nachdem wird die Patientin, der Patient umfassender untersucht.

Der Arzt mit eigener Praxis in Trübbach hofft auf eine flache Welle. Die Hausärztinnen und -ärzte, die Spitäler, letztlich auch die Konsultationszentren sollten damit nicht derart mit Coronavirus-Patienten überschwemmt werden, wie es in Italien oder im Tessin der Fall ist. Das Schönste wäre, das Angebot in der Sporthalle müsste nie genutzt werden, hiess es gestern namens aller Anwesenden.

Gesundheitschefin Heidi Hanselmann lässt sich von Yves Müller das Aufnahmeprozedere im Konsultationszentrum für die Bevölkerung im Sarganserland und Werdenberg erklären.

Gesundheitschefin Heidi Hanselmann lässt sich von Yves Müller das Aufnahmeprozedere im Konsultationszentrum für die Bevölkerung im Sarganserland und Werdenberg erklären.

Abgeräumt sei dann ja schneller als aufgebaut, sagte Simon Hobi aus Heiligkreuz, stellvertretender Leiter des Regionalen Führungsstabs Pizol/Walensee. Wichtig sei indessen, ein Netz zu haben, so dass niemand durch die Maschen falle, sagte die St. Galler Regierungspräsidentin und Gesundheitsdirektorin Hanselmann.

Es gibt genügend Verbrauchsmaterialien

Nochmals zurück zum Rundgang durch das Konsultationszentrum in Sargans. Für kritische Fälle steht dort auch ein Überwachungsbereich bereit mit einer Ausrüstung «für jeden Notfall», erklärte der ärztliche Leiter Aldo Fischer.

Wie sieht es mit Verbrauchsmaterialien aus, die zwischenzeitlich ja zur Mangelware geworden sind, auch für ärztliche Einrichtungen? Der Nachschub an Schutzmasken, Schutzbrillen, Handschuhen und Desinfektionsmitteln habe sich gebessert. Aber, so betonte Fischer: Es brauche einen «angemessenen Umgang mit Verbrauchsmaterialien».

Dass «die Solidarität in der Region funktioniert», wie Hanselmann sagte, zeigt das Beispiel freiwilliger Abgaben von Schutzmasken etwa von Malergeschäften oder Schreinereien.

Kantonaler Pool von Fachpersonen steht bereit

Und wie steht es mit der Verfügbarkeit von Personal? Man sei fleissig am Rekrutieren, könne den Betrieb heute aber in jedem Fall aufnehmen. Keine Option sind pensionierte Ärztinnen und Ärzte, da Personen ab 65 zur Risikogruppe gehören. Aber man ist zuversichtlich, genügend Ärzte (und auch Pflegepersonal) zu finden, die sich ihre normale Tätigkeit vorübergehend anders organisieren können.

Gesundheitschefin Hanselmann wies auf den kantonalen Pool von mittlerweile rund 800 Fachpersonen hin, auf den auch die Konsultationszentren zurückgreifen könnten. Und dann ist ja auch der regionale Pflegepool unter der Leitung des Pflegezentrums Sarganserland angelaufen.

Für Sturm gerüstet, der hoffentlich nicht kommt

Die aktuelle Stimmung in den Spitälern bezeichnete die Regierungspräsidentin als surreal. Wir hätten jetzt «die Ruhe vor dem Sturm». Ob der Sturm eintrifft, könne niemand mit Sicherheit sagen. Umso schöner sei es zu sehen, wie mit vereinten Kräften alles getan werde, um für den Sturm gerüstet zu sein.

In diesem Sinne dankte Heidi Hanselmann allen Beteiligten, namentlich dem Zivilschutz und dem Regionalen Führungsstab, für die bisher geleistete Arbeit.

Das Konsultationszentrum in der Sporthalle Riet in Sargans wird ab heute Dienstag wochentags von 8 bis 18 Uhr geöffnet sein, samstags von 8 bis 11 Uhr.