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«Chropfleerete» und Klartext nach der Pfarr-Nichtwahl im Wartau

Die Kirchbürgerversammlung der Evangelisch-reformierten Kirche Wartau wurde zur «Chropfleerete». Kirchenvorsteherschafts-Präsident Martin Graf nahm Stellung zur Nichtwahl des Pfarrehepaars Lehner.
Adi Lippuner
Das Thema Pfarrwahl bzw. -nichtwahl bewegte die Gemüter an der Bürgerversammlung in der evangelisch-reformierten Kirche in Azmoos. (Bild: Hansruedi Rohrer)

Das Thema Pfarrwahl bzw. -nichtwahl bewegte die Gemüter an der Bürgerversammlung in der evangelisch-reformierten Kirche in Azmoos. (Bild: Hansruedi Rohrer)

82 Stimmberechtigte nahmen an der Kirchgemeindeversammlung teil, die im Anschluss an den Gottesdienst in der Kirche Azmoos durchgeführt wurde.

Detailfragen zu Rechnung und Budget

Bei den statutarischen Geschäften – Rechnung und Budget gaben zu einigen Detailfragen Anlass – war zwar die knisternde Spannung spürbar. Doch Martin Graf, Präsident der Kirchenvorsteherschaft, und die Finanzverantwortliche Käthi Pfiffner konnten die meisten der anstehenden Fragen beantworten.

Dabei wurde deutlich, dass die Autonomie einer Kirchgemeinde, die sich im Finanzausgleich befindet, eingeschränkt ist. Mit einigen Gegenstimmen wurden diese traktandierten Geschäfte genehmigt.

Sich hinstellen und Auskunft geben

Mit dem Wunsch von Seiten der Kivo (Kirchenvorsteherschaft), Rückmeldungen im Zusammenhang mit der neuen Rubrik «Aus der Kivo» im Kirchenboten zu äussern, war die Schleuse für eine breite Diskussion geöffnet.

So waren Voten zu hören wie: «Wer nicht einverstanden ist mit den Veröffentlichungen der Kivo hat keinen Einfluss auf diese.» Oder:

«Es gibt so viele Fragen, die im Raum stehen. Ich vermisse die Antworten. Denn nur wenn anstehende Fragen beantwortet werden, lässt sich wieder Vertrauen aufbauen.» (ein Kirchbürger)

Es wurde gefordert, dass sich von der Kivo endlich jemand hinstellt und klare Auskunft gibt. Martin Graf nahm diese Aufforderung entgegen und versuchte – trotz des Amtsgeheimnisses, dem die Vorsteherschaft untersteht – Stellung zu nehmen.

«Bereits am Informationsanlass im August 2018 haben wir aufgezeigt, wo die Zusammenarbeit mit dem Pfarrehepaar Lehner nicht funktioniert hat.» (Damals wurden die Medien nicht zugelassen – gemäss Martin Graf auf Wunsch des Pfarrehepaars Lehner. Anmerkung der Redaktion).

Beispiele für nicht funktionierende Zusammenarbeit

«Als eines der Beispiele nenne ich die Ökumene. Diese war Lehners nicht wichtig, hat aber für die Kivo einen hohen Stellenwert. Auch beim Unterricht hat es nicht funktioniert. Das gleiche gilt für die Zusammenarbeit mit anderen Pfarrpersonen, und zwar sowohl innerhalb als auch ausserhalb unserer Kirchgemeinde.» Selbst die verschiedenen Aussprachen und die Verlängerung der Probezeit hätten diesbezüglich keine Verbesserung gebracht.

Martin Graf wies darauf hin, dass die Evangelisch-reformierten Kirchgemeinden in der Schweiz anders funktionieren als die lutherischen Kirchgemeinden.

«Bei uns steht die direkte Demokratie im Vordergrund. Nicht der Pfarrer leitet die Kirchgemeinde, sondern die Kirchenvorsteherschaft.» (Martin Graf, Präsident Kirchenvorsteherschaft)

Mehr dürfe er leider zu diesem Thema nicht sagen, und er werde sich von Fragen nicht dazu verleiten lassen, zusätzliche Aussagen zu machen.

Probezeit als gegenseitige Prüfung

Kritische Voten und Fragen wechselten sich beim Traktandum Mitteilungen und allgemeine Umfrage mit versöhnlichen und vertrauensbildenden Aussagen ab. So betonte eine der Anwesenden: «Eine Probezeit verstehe ich so, dass man sich gegenseitig prüft. Das ist legitim – und wenn es nicht passt, müssen keine Schuldigen gesucht werden. Zudem wünsche ich mir, dass im Zusammenhang mit der Nichtwahl des Pfarrehepaars Lehner neue Gedanken, wie etwa «Gottes Wege sind unergründlich», in Betracht gezogen werden.

Und von einer anderen Seite wurde betont: «Für mich sind die Kirchgemeinde und die Kivo mit einem Eisberg vergleichbar. Ein Grossteil davon befindet sich unter dem Wasser, ist also nicht sichtbar. So gibt es immer wieder Punkte, die nicht offen gelegt werden dürfen und das muss von uns allen respektiert werden.»

Appell, einen Schlussstrich zu ziehen

Die Mutter einer Konfirmandin stellte sowohl der Kivo als auch den betreuenden Lehrpersonen ein gutes Zeugnis aus. Weiter war zu hören: «Erstmals haben wir detaillierte Informationen erhalten, und darüber bin ich sehr froh. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass diese Aussagen schon viel früher gemacht worden wären.»

Die ehemalige Präsidentin der Kirchenvorsteherschaft, Annelies Forrer, bat die Anwesenden, einen Schlussstrich unter die Auseinandersetzungen zu ziehen und einen Neubeginn zu wagen.

«Bitte geht von beiden Seiten aufeinander zu.» (Annelies Forrer, ehemalige Kivo-Präsidentin)

Kritisch war darauf die Antwort eines weiteren Kirchbürgers:

«Friede kann nicht befohlen werden, es bedingt eine intensive Auseinandersetzung, und ohne diese ist kein Friede möglich.» (ein Kirchbürger)

Martin Graf betonte, dass die Kivo Walter Bodenmann bereits im Juni 2017 als Mediator einsetzte. Unter dem Arbeitstitel «Nachfusionsprojekt» habe die Vorsteherschaft zudem einen Projektantrag an den Kirchenrat auf finanzielle und fachliche Unterstützung zur Aufarbeitung nicht bewältigter und nach dem Jahr 2015 entstandenen Konflikte gestellt.

Ein weiterer Termin, um die Anliegen der Kirchbürgerschaft aufzunehmen, steht am Samstag, 18.Mai, an. Bei diesem Diskussionsanlass, unter der Moderation von Walter Bodenmann, sollen die Weichen zur Weiterentwicklung der Kirchgemeinde gestellt werden.

Emotionale Stimmung und Wunsch nach Neuanfang

Als Fazit der eineinhalb Stunden dauernden Versammlung darf festgehalten werden: Die Stimmung in der Kirche war emotional aufgeladen. Kritische Voten gab es insbesondere zu Detailfragen im Zusammenhang mit der Rechnung und dem Budget.

Pfarrerin Christina Nutt stellte sich ganz klar gegen die Kivo und wies Kritik am Pfarrehepaar Lehner zurück. Details rund um den Abschiedsgottesdienst von Anfang März – angesprochen von Christina Nutt – wollte Martin Graf nicht diskutieren.

Die besänftigenden Stimmen von Kirchbürgern, die sich einen Neubeginn wünschen und darauf hoffen, dass wieder Ruhe einkehrt, waren ganz klar in der Mehrheit.

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