Christoph Blocher begeistert das Publikum mit seinem Referat in Buchs

SVP-alt-Bundesrat Christoph Blocher referierte am Donnerstag an einer SVP-Wahlveranstaltung in der Hochschule NTB.

Hanspeter Thurnherr
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Christoph Blocher (2. von links) im Gespräch mit Freunden und Regierungsratskandidat Michael Götte (2. von rechts).

Christoph Blocher (2. von links) im Gespräch mit Freunden und Regierungsratskandidat Michael Götte (2. von rechts).

Bild: Hanspeter Thurnherr

Wenn Christoph Blocher angekündigt ist, dann kommen seine SVP-Parteifreunde in Scharen. Und so konnte der Grabser SVP-Kantonsrat Sascha Schmid als Organisator am Donnerstagabend bei der Begrüssung im grossen Hörsaal des NTB «eine volle Bude» vermelden. «Überleben in einer verrückten Welt» lautete der Titel von Blochers Referat. Diese Verrücktheiten benannte der bald 80-Jährige mit aktuellen Beispielen: die Hysterie um das Corona-Virus, die Vorgänge in Thüringen, die Heuschreckenplage in Afrika, volle Züge und Staus auf den Strassen, die Negativzinsen, Sommarugas «Die Welt brennt» am WEF («Ich habe erschrocken zum Fenster hinausgeschaut und nichts gesehen»)

Bonmots, Witze und Anekdoten zur Erheiterung

Das alles garnierte er mit Bonmots, Witzen, humorvollen Anmerkungen, Anekdoten und Sticheleien. Das Publikum dankte es mit herzhaftem Lachen. Dann kam er zum Kern seiner Botschaft. Ruhig erläuterte er, warum es unserem – von Natur aus eigentlich armen – Land nicht schlechter gehe als anderen. Mit eigener Kraft, mit Qualität und Spezialitäten, Fantasie und Selbstverantwortung und einer Verfassung, in der unabhängig und neutral zu sein zuvorderst stehe, habe dies die Schweiz geschafft. Die Freiheit der Bürger, wählen und über Gesetzte abstimmen zu können, habe viel politischen Unsinn verhindert.

Seit 30 Jahren laufe es in die falsche Richtung

Seit 1990 laufe es aber in die falsche Richtung. Die Gefahr: Die alten Werte Unabhängigkeit, Neutralität und direkte Demokratie würden geschwächt, man wolle gar in die EU – auch wenn sich keiner mehr getraue, davon zu reden, aber denken. Da heisse es aufpassen. Die Personenfreizügigkeit habe eigentlich niemand gewollt, doch man habe der EU nachgegeben. Das Volk habe dies 2014 gemerkt und die Masseneinwanderungsinitiative angenommen. Jedes Jahr wachse nämlich die Schweiz um eine Stadt von der Grössenordnung von Biel.

Mit der Begrenzungsinitiative wolle die SVP erreichen, dass die Schweiz die Einwanderung wieder selber steuern könne: Mit der EU verhandeln oder die Personenfreizügigkeit aufkünden. «Da können wir von Boris Johnson trotz seiner Frisur lernen.» Da war er wieder, der Schalk: Seine Frau wolle immer, dass er sich am Morgen kämme. «Seit ich Johnson und Trump gesehen habe, bin ich mit mir aber zufrieden.» Blocher ist überzeugt: «Wir zwingen die EU zu Verhandlungen, wenn wir ihr sagen: Wir kündigen sonst.»

Warnung vor kopflosen Massnahmen

Stichwort Klima: «Es gibt immer mehr CO2, weil es immer mehr Menschen gibt und der Wohlstand wächst. Selbst wenn die Schweiz alle Leute, Tiere und Pflanzen hinauswirft, wird nur ein Promille gespart. Das nützt nichts», so Blocher. China produziere 30 Prozent, Indien 25 Prozent und die USA 15 Prozent – und keiner gehe zurück. Sein Fazit: «Die Schweiz steht gut da, nur nützt es ihr nichts.» Er warnte deshalb vor «kopflosen Massnahmen» und fügte an: «Wir müssen einfach schauen, dass die Politik keinen Mist macht, und uns auf unsere bewährten Werte und Grundsäulen stützen. Dann überleben wir auch in einer verrückten Welt.»

Mit tosendem Applaus und mit «besten Sachen aus der Region» wurde «der beste Bundesrat, den wir hatten» von Sascha Schmid verabschiedet. Die Wahlwerbung von Regierungsratskandidat Michael Götte und die persönlichen Vorstellungen von sieben der neun Werdenberger SVP-Kantonsratskandidaten setzten den Schlusspunkt unter die Wahlveranstaltung. Da war Blocher bereits auf dem Heimweg.