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Cantare – von der Wiege bis zur Bahre

Singen begleitet die Familie Büchel in allen Lebensabschnitten. Das jüngste Familienmitglied, Melody, kam praktisch singend auf die Welt. Die Älteste der Familie Büchel, Melodys Urgrossmutter, ist 99 Jahre alt und singt noch immer.
Alexandra Gächter
Mutter Susanna, Tochter Melody, Vater Christian und Oma Ingrid Büchel singen alle bei «La Traviata» mit. Sogar die Mutter von Ingrid Büchel (nicht auf dem Bild) singt mit 99 Jahren immer noch – wenn auch nur zu Hause. (Bild: Alexandra Gächter)

Mutter Susanna, Tochter Melody, Vater Christian und Oma Ingrid Büchel singen alle bei «La Traviata» mit. Sogar die Mutter von Ingrid Büchel (nicht auf dem Bild) singt mit 99 Jahren immer noch – wenn auch nur zu Hause. (Bild: Alexandra Gächter)

Gleich vier Mitglieder der Familie Büchel wirken aktuell im Opernchor der Werdenberger Schloss-Festspiele mit. Grossmutter Ingrid, ihr Sohn Christian, dessen Frau Susanna und ihre Tochter, respektive Enkelin, Melody. Kurz vor ihrer gemeinsamen Probe traf sich die Familie mit dem W&O zu einem lockeren Gespräch.

Wieso habt Ihr euch entschlossen, bei «La Traviata» mitzuwirken?

Melody: Ich habe noch nie bei einer Oper mitgemacht und wollte einmal dabei sein.

Ingrid: Ich mache einfach wahnsinnig gerne bei Musikproduktionen mit. Ich sang schon bei mehreren Schloss-Festspielen.

Susanna: Bei «La Traviata» muss man einfach dabei sein!

Christian: Ich glaube, «La Traviata» ist eine der Produktionen, bei der man es bereuen würde, wenn man nicht dabei ist.

Euer erstes Gesangsprojekt ist das ja sicher nicht.

Melody: Bei Musicals habe ich bereits mitgemacht. Es waren etwa fünf.

Susanna: Ich war bei etwa zehn Musikproduktionen dabei.

Christian: Bei mir sind es 20.

Ingrid: Ich kann sogar schon auf 40 Operetten, Opern und Musiktheater zurückblicken.

Ist «La Traviata» das erste Projekt, bei dem ihr zu viert auf der Bühne steht?

Christian: Bei den Schloss-Festspielen «Tosca» standen wir mit unseren anderen drei Kindern auf der Bühne. Melody war damals jedoch noch nicht dabei.

Susanna: Dafür war Melody beim Grabser Musical der «Zauberer von Oz» im Jahr 2004 bereits dabei.

Melody: Da war ich drei Jahre alt.

Sie haben mit drei Jahren angefangen zu singen?

Melody: Genau genommen schon früher. Mein Vater hat mit meinem ersten Schrei, den ich als Neugeborenes von mir gab, ein Lied komponiert.

Sie hatten das Aufnahmegerät bei der Geburt Ihrer Tochter dabei?

Christian: Ja. Ich hatte gelesen, dass der erste Schrei von jedem neugeborenen Menschen 440 Hertz beträgt, was dem Ton a1 entspricht. Diese Theorie wollte ich natürlich überprüfen.

War die Theorie richtig?

Christian: Ja! Interessant ist, dass der Ton der Stimmgabel ebenfalls 440 Hertz beträgt. Der Mensch kommt also völlig gestimmt auf die Welt.

Und verstimmt sich dann im Laufe des Lebens?

Christian: Das kommt leider vor. Ich konnte als Gesangsprofessor während meiner Karriere schon vielen Menschen mit Stimmproblemen helfen. Es gibt aber natürlich auch solche ohne Stimmprobleme, die einfach besser singen lernen wollen.

Wann reifte der Wunsch in Ihnen, singen zu lernen?

Christian: Ich wollte als Bub ins Musikgymnasium.

Ingrid: Christian war ein sehr guter Schüler. Ich sagte zu ihm, wenn er zusätzlich zu den Hausaufgaben noch jeden Tag zwei bis drei Stunden Musik übt, darf er auf das Musikgymnasium.

Christian: Was ich selbstverständlich gemacht habe.

Ingrid: Er war wahnsinnig fleissig.

Wurde bei euch zu Hause viel gesungen?

Ingrid: Ich habe das Singen schon als Kind geliebt. Wir waren sechs Mädchen und haben zu Hause mehrstimmig gesungen. Mit 14 Jahren trat ich dem Kirchenchor bei. Ich sang auch zu Hause immer. Zum Beispiel beim Abwaschen.

Haben Sie Ihre Kinder speziell gefördert?

Ingrid: Ich habe mit meinen Kindern oft Rhythmen geklatscht und ihnen etwas vorgesungen, als sie klein waren. Später habe ich mit ihnen zusammen gesungen. Ich hätte aber nie gedacht, dass dies so grosse Auswirkungen hat. Zwei meiner drei Kinder haben die Musik zu ihrem Beruf gemacht. Christian ist ja bekanntlich Gesangslehrer geworden.

Und gibt er heute der ganzen Familie Gesangsunterricht?

Susanna: Wir singen alle im Chor von Christian. Somit werden wir alle von ihm geschult.

Christian: Melody hat ausserdem als kleines Mädchen immer mitgesungen, wenn ich mit meinen Schülern übte.

Susanna: Das Zimmer der Singschüler war oben im Haus, Melody war unten und hat die Übungen nachgesungen, als sie klein war.

Melody: Das habt ihr gehört?

Christian: Klar. Wir haben dich auch immer gehört, wenn du Gitarre gespielt hast und dachtest, niemand höre zu. Das war jeweils sehr schön. Wir haben das Zuhören genossen.

Übt ihr zu Hause alle zusammen?

Christian: Es ist nicht so, dass wir sagen: «So, jetzt müssen wir noch üben.» Wir singen einfach.

Susanna: Wenn jemand einen Ton anstimmt, singen alle mit.

Ingrid: Oder, wenn jemand bei einer Passage nicht weiterkommt, helfen wir einander.

Susanna: Der meist besungene Ort bei uns ist aber nicht das Wohnzimmer, sondern unser Auto.

Ihr übt auch im Auto?

Christian: Ja, ich höre mir die Lieder von «La Traviata» während des Autofahrens an. Aber ich übe nicht nur, ich singe auch sonst immer im Auto. Die ganze Familie macht das so.

Susanna: Nicht nur die Familie. Auch alle anderen, die bei uns mitfahren, müssen mitsingen.

Melody: Sie müssen nicht. Sie tun es einfach automatisch, wenn wir Büchels singen.

Zu Hause Musik, im Auto Musik: Ist es bei der Familie Büchel nur nachts still?

Melody: Nicht einmal dann!

Christian: Für eine Rolle im Musical Dracula musste ich so viel lernen, dass ich nachts die CD von Dracula laufen liess. Davon erhoffte ich mir, dass ich im Halbschlaf einen Teil des Textes lernen würde.

Hat es geklappt?

Christian: Ich konnte danach die Partie noch nicht auswendig. Melody dafür schon.

Susanna: Es ist schon ein bisschen frustrierend. Melody muss fast nicht lernen und kann die Texte immer so schnell, während wir uns den Kopf zerbrechen.

Ingrid: Man muss unterscheiden. Jetzt singen wir die Lieder von «La Traviata» – das geht leicht. Aber zuvor mussten wir ja die vielen Texte lernen. Die sind auf italienisch.

Ist das schwierig?

Ingrid: Ja. Und es ist viel. Die reine Singzeit des Chors beträgt insgesamt 25 Minuten.

Susanna: Ich kann italienisch. Aber die Liedtexte sind altitalienisch. Es ist sogar für mich schwierig.

Melody: Für mich ist es nicht schwierig. Ich konnte die Texte im Nu auswendig.

Christian: Ich übe noch. Als Solist habe ich natürlich mehr Liedtext.

Ingrid: Mein Sohn ist ein Perfektionist.

Gibt es weitere Herausforderungen im Opernchor?

Susanna: Ja, die Geschwindigkeit der Musik. Man muss die Texte in- und auswendig können.

Melody: Man hat keine Zeit über die nächste Textpassage nachzudenken.

Ingrid: Zudem stehen die verschiedenen Stimmen auf der Bühne nicht nebeneinander. Neben einer Altistin steht zum Beispiel eine Sopranistin, die eine andere Melodie singt, oder ein Solist, der sogar einen anderen Text hat. Das macht es schwierig.

Christian: Der Komponist von «La Traviata», Giuseppe Verdi, ist ein Genie. Die Liedtexte der verschiedenen Stimmen sind nicht immer gleich und doch gibt es eine musikalische Einheit, die harmoniert.

Was sind die Herausforderungen für Sie als Chorleiter?

Christian: «La Traviata» ist eine besondere Oper. Sie beinhaltet zwar klassisches Liedgut, aber die Art wie es gesungen wird, ist volksnah.

Wie meistern Sie diese Herausforderung?

Christian: Mit der von mir entwickelten Singtechnik. Sie heisst Amavox. Ich verbinde damit Techniken des klassischen Gesangs mit denjenigen des Popgesangs. Der Vorteil des Popgesangs ist, dass beim Zuhörer Emotionen geweckt werden. Dank Amavox kann der Chor lange laut singen, ohne heiser zu werden. Es ist also stimmschonender als andere Gesangstechniken.

Ist das neu für die Chormitglieder der Schloss-Festspiele?

Christian: Ja, die Amavox-Technik ist für viele neu und ungewohnt. Ich lasse die Chormitglieder zum Beispiel mit herausgestreckter Zunge einsingen. Das bezweckt, dass die Muskulatur locker bleibt. Viele verkrampfen sich beim Singen von hohen Tönen. Dabei muss man für die hohen Töne gewisse Muskeln entspannen.

Hört man bei der Familie Büchel zurzeit nur noch Arien der Oper «La Traviata»?

Susanna: Nein. Wir hören derzeit Lieder der Operette «Der Bettelstudent».

Ingrid: Das ist unser nächstes Projekt. Wir singen Anfang 2019 bei der Operettenbühne Vaduz mit. Ich war dort bereits ein paar Mal dabei.

Christian: Ich freue mich besonders darauf, denn ich spiele beim «Bettelstudent» Oberst Ollendorf. Das ist eine der Hauptrollen.

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