Stadt Buchs, Ortsgemeinde Buchs und Gemeinde Sevelen haben ein gemeinsames Ziel: der Steinbruch Campiun soll endgültig nicht mehr genutzt werden

Stadt Buchs, Gemeinde Sevelen und Ortsgemeinde Buchs wollen «endgültiges» Aus für den ehemaligen Steinbruch und auch keine Deponie an diesem Standort.

Thomas Schwizer
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Die Stadt Buchs stellt sich klar gegen eine Wiederinbetriebnahme des Steinbruchs Campiun mit Deponie.

Die Stadt Buchs stellt sich klar gegen eine Wiederinbetriebnahme des Steinbruchs Campiun mit Deponie.

Bild: Corinne Hanselmann (24.2.2020)

Buchs/Sevelen «Es braucht neue Standorte, wo Gestein abgebaut werden kann.» Das hat der Kanton St.Gallen am 24.Februar in einer Medienmitteilung zum kantonalen Richtplan 20 geschrieben.

Deshalb plant der Kanton, dass mit der Aufnahme des Standortes in den Richtplan die Holcim/Basaltstein AG den ehemaligen Hartgestein-Steinbruch Campiun in Sevelen wieder in Betrieb nehmen und erweitern darf. Zudem ist in der bestehenden Grube und im Erweiterungsgebiet eine Deponie für unverschmutzten Aushub und Inertstoffe geplant.

Stadt Buchs ist klar gegen den Steinbruch Campiun

Gegen dieses Vorhaben und dessen Aufnahme im kantonalen Richtplan 20 wehrt sich nun der Stadtrat Buchs entschlossen. Er hat eine entsprechend klare Stellungnahme an den Kanton geschickt. Der Steinbruch grenze unmittelbar an die Räfiserhalde und sei darum auch in Buchs ein wichtiges Thema, heisst es in einer Mitteilung der Stadt vom Mittwoch.

Auch die Ortsgemeinde Buchs wehrt sich

Der Stadtrat schreibt, auch die Ortsgemeinde (OG) Buchs verlange, dass der Standort Campiun als Steinbruch und Deponie aus dem kantonalen Richtplan gestrichen wird. Heini Senn, OG-Verwaltungsratspräsident, bestätigt das auf Anfrage. Die Ortsgemeinde Buchs habe dem Kanton eine eigene Eingabe eingereicht – mit deckungsgleichen Forderungen. Ziel ist es, dass endgültig auf den Abbau- und Deponiestandort Campiun verzichtet wird. Für die Ortsgemeinde Sevelen ist die Wiederinbetriebnahme des Steinbruchs eine wichtige Einnahmequelle, weshalb sie dessen Wiederinbetriebnahme unterstützt (der W&O berichtete). Man habe mit dieser Ortsgemeinde ein gutes Einvernehmen, sagt Senn. Bei diesem Thema habe man aber eine unterschiedliche Interessenlage. «Wir vertreten das Interesse der Menschen, die an der Räfiserhalde wohnen», so Senn. Weil die Ortsgemeinde Buchs hier Land im Baurecht abgegeben hat, sei sie als Grundeigentümerin direkt betroffen, stellt er fest. An der Räfiserhalde hat in den letzten Jahren eine grosse bauliche Entwicklung stattgefunden. «Wir wollen die hohe Lebensqualität in diesem attraktiven Wohngebiet erhalten und wehren uns gegen die Beeinträchtigung dieses Lebensraums», betont Heini Senn. Er spricht zum Beispiel Sprengungen im Steinbruch an, die Beeinträchtigungen befürchten lassen, weil die Räfiserhalde auf der gleichen Felsformation liege. «Wir wehren uns vehement gegen die Aufnahme im kantonalen Richtplan», stellt Senn nochmals klar. (ts)

Der Stadtrat Buchs äussert sich in seiner Stellungnahme «dezidiert gegen eine Wiederinbetriebnahme des Steinbruchs und die damit verbundene Zusatznutzung von Campiun als Deponiestandort.» Er zeigt sich «enttäuscht über die Haltung der st.gallischen Regierung, das Gesuch der Firma Holcim zur Nutzung des Steinbruchs höher zu gewichten als die Anliegen der Anwohner und der Umwelt».

Der Stadtrat Buchs lädt eine Verarbeitung des Gesteins auf dem Holcimareal Müliäuli ab, wegen der Emissionen für die nahen Wohnquartiere.

Der Stadtrat Buchs lädt eine Verarbeitung des Gesteins auf dem Holcimareal Müliäuli ab, wegen der Emissionen für die nahen Wohnquartiere.

Bild: Heini Schwendener

Die Stellungnahme des Stadtrates fällt entsprechend deutlich aus: «Campiun soll im Richtplan weder als Steinbruch noch als Deponiestandort festgesetzt werden, sondern im Gegenteil endgültig gestrichen werden.»

«Extrem störend» und «viel zu nah an Wohnquartieren»

Der Abbau mit Sprengungen wäre in unmittelbarer Nähe zu Wohnquartieren, wo sich Buchs in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat, so der Stadtrat. Er hält weiter fest: «Die Räfiserhalde ist ein attraktives Wohnquartier, Grossüberbauungen wie der Lindenpark wurden realisiert, weitere grössere Wohnsiedlungen sind südlich des Lindenparks oder im Schläppli/Sinda geplant, wo der Kanton schon Sondernutzungspläne genehmigt hat. Entsprechend wurde auch die Schulanlage Räfis massiv erweitert. Für alle Menschen in Räfis und Burgerau, wie lange sie auch schon dort leben, wäre der Abbau extrem störend.»

Gemeinderat Sevelen sagt dezidiert Nein

Der Gemeinderat Sevelen äusserst sich ebenfalls dezidiert ablehnend gegen die Aufnahme des Steinbruchs und des Deponiestandorts Campiun in den Richtplan 2020. Er schickte dem W&O folgende Begründung: «Die Beeinträchtigung der Lebens- und Wohnqualität auf eine nicht absehbare, lange Zeit hinaus, verursacht durch den Gesteinsabbau und die damit zusammenhängenden Transporte und Infrastruktur, ist für die Menschen in der Gemeinde Sevelen und in der Stadt Buchs in keinem Falle zumutbar. Die Belastung durch Mehrverkehr, Schmutz und Lärm macht die Menschen krank, die Zerstörung des einzigartigen Naherholungsgebietes ist unverantwortbar. Die Wiederaufnahme des Steinbruchs widerspricht mehreren Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030, zu deren Erreichung sich die Schweiz (und damit die Kantone und die Gemeinden!) in der ‹Strategie Nachhaltige Entwicklung› bekannt hat.»

Massive Kritik äussert der Stadtrat auch an der vorgesehenen Verarbeitung des Gesteins und dem Umladen auf die Eisenbahn auf dem Holcim-Areal im Gebiet Müläuli. «Auch dieser Prozess ist mit massiver Staub- und Lärmentwicklung verbunden – wiederum viel zu nahe an Wohnquartieren.»

Auf der Churer- und Heldaustrasse seien für den Transport zwischen Abbau- und Verladeort täglich über 130 zusätzliche Lastwagenfahrten zu erwarten, «also mindestens ein grosser Lastwagen mehr alle 4 Minuten», kritisiert der Stadtrat. «Diese zusätzliche Gefährdung auf Schulwegen und die Zusatzbelastung mitten durch Wohnquartiere sind für alle Direktbetroffenen nicht zumutbar.» Im Gegenteil: «Der Stadtrat strebt mit dem bald umzusetzenden Betriebs- und Gestaltungskonzept eine attraktivere Gestaltung des Strassenraums an, was den Anwohnern und dem Gewerbe zugutekommen soll.»

Stellungnahme des Stadtrates sowie Bericht des Areg St.Gallen zur Richtplananpassung 2020: www.buchs-sg.ch/aktuellesinformationen/918727