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Business House stopft Loch in der Kasse

Die St. Galler Stiftung Business House ist wegen einer Veruntreuung in Geldnot geraten. Dank Massnahmen wie einer umstrittenen Lohnreduktion kann sie ihre Betriebe wohl retten. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einem langen Verfahren. Die Stiftung betreibt in Buchs ein Beschäftigungswerk.
Marcel Elsener
Einer von sieben Business-House-Betrieben im Kanton: die Remetex in Rorschach, die den Namen aus ihren Arbeitsbereichen Recycling, Metall und Textil herleitet. (Bild: Michel Canonica)
Auch das Werk in Buchs (Bild) kann vorläufig weitergeführt werden. (Bild: Thomas Schwizer)
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Business House stopft Loch in der Kasse

Vor Monatsfrist machte die Stiftung Business House unerfreuliche Schlagzeilen: Die Sozialfirma – wie die Unternehmen zur Arbeitsintegration heissen – war aufgrund einer Veruntreuung und mehrerer Abgänge in der Geschäftsleitung in akute Finanz- und Führungsnot geraten. Der Stiftungsrat sah sich zu heiklen Sofortmassnahmen genötigt, um die Firma mit ihren sieben Betrieben, 52 Angestellten und gegen 300 temporären Arbeitsplätzen für sogenannte Teilnehmende zu retten.

Die Stiftung betreibt in Buchs ein Beschäftigungswerk für ausgesteuerte Personen, die keine Arbeitslosenunterstützung mehr erhalten.

Erste Lichtblicke am Horizont

Nun zeigen sich erste Lichtblicke am Horizont, wie Stiftungsratspräsident Felix Bischofberger erklärt: «Es zeichnet sich eine gute Lösung ab, die wir voraussichtlich im September präsentieren können.» Noch stecke man allerdings mitten im «Evaluationsprozess».

Die Liquidität von Business House ist zwar noch nicht langfristig gesichert, doch zumindest bis Ende September reichen die flüssigen Mittel. Wie viel Geld derzeit fehlt, kann Bischofberger nicht sagen. Ebenso vage bleibt die veruntreute Summe: «Aufgrund des laufenden Verfahrens dürfen und können wir keine detaillierteren Angaben machen. Die veruntreute Summe bewegt sich wie bereits erwähnt in einem höheren sechsstelligen Betrag.» Nebst einer umstrittenen Lohnreduktion für alle Angestellten soll das Loch in der Kasse mit diversen Massnahmen auf der Ausgaben- und Einnahmenseite gestopft werden. Einerseits hat die Stiftung laut Bischofberger «befristete Mieterlasse und bei verschiedenen Lieferanten bessere Konditionen und längere Zahlungsfristen erhalten», um die Kosten kurzfristig senken zu können. Andererseits hätten Gespräche mit den Gemeinden eine gewisse Sicherheit auf der Einnahmenseite gebracht: «Die Gemeinden haben auf die Rücknahme von Teilnehmenden in den Projekten verzichtet und uns zugesichert, dass sie uns helfen wollen und weiterhin Personen zuweisen.»

Angestellte pochen auf Gelder des früheren Geschäftsführers

Das ausgesprochene Vertrauen der Gemeinden und damit die weiter laufende Zuweisung von erwerbslosen Personen macht den Stiftungsrat zuversichtlich, das 1994 gegründete Unternehmen retten zu können. Man habe beschlossen, keinen der sieben Betriebe in Buchs, Berneck, Goldach, St. Gallen und Uzwil (Arbeitsplätze für Ausgesteuerte) sowie in Rorschach und St. Gallen (Einsatzprogramme für Arbeitslose) zu schliessen. Vielmehr müsse der Gesamtbetrieb gesichert werden, sagt Felix Bischofberger.

Viel Aufregung und Ärger verursachte die verordnete Lohnreduktion für die 52 Mitarbeiter: Sie mussten per Juli – je nach Höhe ihres Bruttolohns – eine Einbusse von 5 bis 15 Prozent hinnehmen; ein harter Schlag bei Löhnen von rund 4000 Franken. «Die Mehrheit der Belegschaft hat die abgestuften Massnahmen akzeptiert», sagt Bischofberger. «Letztlich mussten drei Kündigungen ausgesprochen werden. Leider haben auch Mitarbeiter selber gekündigt, da sie eine neue Stelle fanden.»

Über die Stimmung in den Betrieben lässt sich nur spekulieren, angefragte Betriebsleiter mögen (oder dürfen) keine Stellung nehmen. «Kein Kommentar», heisst es etwa in Goldach und Uzwil. Der Unmut über die Kürzung der Löhne hält jedenfalls an, die Empörung gilt vor allem dem Verursacher der Krise: Der ehemalige Geschäftsleiter und Buchhalter soll der Firma Hunderttausende Franken entzogen haben, angeblich wegen seiner Spielsucht.

Business-House-Angestellte wundern sich über die Aussage des Stiftungsrats, das Geld sei vermutlich «verloren». Anonym haben sie unsere Zeitung darauf hingewiesen, dass die «sehr luxuriöse Attika-Eigentumswohnung» des Beschuldigten im Frühling auf mehreren Immobilien-Websites zu verkaufen war – bis Ende April zu 1,4 Millionen Franken, ab Mai dann mit dem Hinweis «Preis auf Anfrage». Zudem fahre der Mann ein teures Auto. «Komisch, dass der saubere Herr aus dem Schneider sein soll, während wir auf Lohnteile verzichten müssen», heisst es in der Mitteilung.

Versucht der Beschuldigte ein mögliches Millionenvermögen zu retten? Wäre dies überhaupt möglich? Die St. Galler Staatsanwaltschaft gibt grundsätzlich Entwarnung. Die Untersuchung wegen des Verdachts der Veruntreuung laufe, sagt Mediensprecher Roman Dobler. «Sie wird wohl noch lange im Gange sein, da diverse Abklärungen laufen, auf die ich im Detail nicht eingehen will und kann.» Man könne davon ausgehen, dass die Staatsanwaltschaft «Gegenstände oder Vermögenswerte einer beschuldigten Person oder einer Drittperson beschlagnahmt, wenn sie als Beweismittel oder zur Sicherstellung von Verfahrenskosten, einer Ersatzforderung, von Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen gebraucht werden, dem Geschädigten zurückzugeben oder einzuziehen sind». Bei Liegenschaften – also auch bei Stockwerkeigentum – finde eine Beschlagnahmung in Form von Grundbuchsperren statt.

Betrieb Uzwil läuft vorläufig weiter

Das Inserat für die Wohnung hat auch den Stiftungsrat aufgeschreckt, der zum Verfahren aber ebenfalls keine Aussagen macht. Sollte wider Erwarten ein ansehnlicher Betrag des Geldes zurück an die geschädigte Stiftung fliessen, werde man laut Felix Bischofberger «selbstverständlich prüfen, wie wir die Mitarbeitenden partizipieren lassen können». Doch die Business-House-Verantwortlichen wissen, dass sie mit dem Rückfluss nicht rechnen können. Die Sozialfirma wird derzeit von einem interimistischen Geschäftsführer geleitet. Wie die künftige Geschäftsleitung geregelt und besetzt werde, sei Teil der neuen Positionierung, erklärt Bischofberger.

Man sei zuversichtlich, dass alle Betriebe im bisherigen Umfang weiterlaufen können. Auch jener in Uzwil, wo die Angestellten die Lohnkürzungen zunächst verweigerten: Nach Gesprächen mit der besorgten Gemeinde konnten die Wogen einigermassen geglättet werden. «Die Arbeitsverhältnisse mit dem Betriebsleiter und weiteren relevanten Leitungspersonen werden fortgesetzt», sagt Gemeindepräsident Lucas Keel. Im Hinblick auf die Erneuerung der Leistungsvereinbarung Ende August benötige die Gemeinde «das glaubwürdige Vertrauen, dass der Betrieb fachlich kompetent und nach unserer Philosophie fortgesetzt wird», sagt Keel. Nicht nur die Behörden, sondern auch Unternehmen, die der Sozialfirma seit Jahren Aufträge vergeben, bräuchten Sicherheit. Er sei «vorsichtig positiv», dass der bisher stets zufriedenstellende Betrieb im Business House künftig weiterlaufe, sagt der Uzwiler Gemeindepräsident.

Auch wenn die Zeichen im Business House für eine gesicherte Zukunft sprechen, ist nicht ausgeschlossen, dass seine Krise ein politisches Nachspiel hat. Denn grundsätzliche Kritik am wettbewerblich zugespitzten Parallel-Arbeitsmarkt der «Sozialfirmen» bleibt.

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