Buchs/Werdenberg
Vor 75 Jahren: Um eine gefährliche Kurve zu entschärfen, wurde das Gasthaus Kreuz abgerissen

Das stolze Gasthaus Kreuz musste 1946 der Korrektion der Staatsstrasse beim «Rössli» Werdenberg weichen. Der Abbruch war mühevoll und zeitraubend. Abbruchbagger standen noch keine zur Verfügung.

Hansruedi Rohrer
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Die Staatsstrasse «zwängte» sich zwischen «Rössli» Werdenberg (links) und «Kreuz» in einer unübersichtlichen Kurve nach oben.
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Das stattliche Gasthaus Kreuz stand direkt an der Staatsstrasse Werdenberg-Buchs.
Die kleine Liegenschaft Dinner blieb noch eine Weile stehen.

Die Staatsstrasse «zwängte» sich zwischen «Rössli» Werdenberg (links) und «Kreuz» in einer unübersichtlichen Kurve nach oben.

Bild: Archiv Hansruedi Rohrer

Gegen Ende Juni 1946 waren die etwa neun Wochen dauernden Abbrucharbeiten des gegenüber dem Restaurant Rössli und direkt an der steigenden Strassenkurve gelegenen Gasthauses Kreuz beendet worden. Der Abriss dauerte länger als vorgesehen. Denn die dicken Mauern und festen Kellergewölbe, aus schweren Bollensteinen zusammengefügt, schienen für die Ewigkeit gemacht worden zu sein. So war der Abbruch eine mühevolle und zeitraubende Arbeit. Es standen auch noch keine Abbruchbagger zur Verfügung.

Abbrucharbeiten ohne Bagger gegen Ende Juni 1946 beim Gasthaus Kreuz.

Abbrucharbeiten ohne Bagger gegen Ende Juni 1946 beim Gasthaus Kreuz.

Bild: Archiv Hansruedi Rohrer

Gefährliche Staatsstrassenkurve entschärft

Die Beseitigung des direkt vor dem Gasthaus Kreuz gestandenen kleinen Häuschens, welches Dinners Hutladen beherbergte, konnte zu jenem Zeitpunkt noch nicht an die Hand genommen werden. Damals herrschte Wohnungsnot, und für die Mieterin liess sich vorerst noch kein anderer Unterschlupf finden.

Frei und übersichtlich präsentierte sich hingegen die Strasse für deren Benützer. Da bot sich direkt ein neues Bild in Richtung Buchs.

Zum Zwecke der Korrektion der Strasse mit der unübersichtlichen Kurve zwischen dem «Kreuz» und dem «Rössli» hatte der Kanton seinerzeit unter Mitwirkung der Gemeinden Buchs und Grabs die Gasthaus-Liegenschaft sowie die kleine Liegenschaft Dinner käuflich erworben.

Blick von der damals unübersichtlichen Staatsstrasse her zum Abbruchgebäude.

Blick von der damals unübersichtlichen Staatsstrasse her zum Abbruchgebäude.

Bild: Archiv Hansruedi Rohrer

Das «Kreuz» bot auch Unterkunft für Pferd und Wagen

Wenn die Jahrzahl 1823 auf der Wetterfahne zum «Kreuz» das Baujahr bedeutete, dann wies der massive, nach damaligen Begriffen stattliche und stolze Bau ein Alter von 123 Jahren auf, wusste der W&O zu berichten. Der währschaften Bauart der damaligen Zeit entsprachen die dicken Mauern und die mächtigen gewölbten Keller des einst so stolzen Gasthauses Kreuz.

Dazu gehörte eine grosse Scheune mit geräumigen Stallungen. Diese entstammten einer Zeit, als sich der Talverkehr auf der Landstrasse – und eben am «Kreuz» vorbei – abwickelte. Dann mussten Raststation und Unterkunft für Pferd und Wagen geboten werden.

1946 wich das Gasthaus Kreuz gegenüber dem «Rössli» Werdenberg (links) der Korrektion der damaligen Staatsstrasse. Etwas später verschwand auch die kleine Liegenschaft Dinner (rechts).

1946 wich das Gasthaus Kreuz gegenüber dem «Rössli» Werdenberg (links) der Korrektion der damaligen Staatsstrasse. Etwas später verschwand auch die kleine Liegenschaft Dinner (rechts).

Bild: Archiv Hansruedi Rohrer

Die Gemeindegrenze verlief mitten durchs Haus

Die Gastgeber im «Kreuz» hatten wohl lebhafte und auch gute Zeiten erlebt. Trotz der damals schon grossen Konkurrenz. Denn bekanntlich stand (und steht heute noch) das Gasthaus Rössli direkt gegenüber, und nur wenige Schritte in Richtung Buchs war die Wirtschaft zum Hörnli am See zu finden. Dort brach im Mai 1852 ein Brand aus. Im Gasthaus Kreuz verlief mitten im Haus und durch die Küche die Gemeindegrenze Buchs/Grabs.