Buchs/Oberschan
Buchser Schneedepot im Februar-Frühling: 11 Prozent der Tipps sind bereits aus dem Rennen

Jürg Zogg von SRF Meteo erklärt, unter welchen Bedingungen Schnee sublimiert, schmilzt oder taut.

Heini Schwendener
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Jürg Zogg ist als Meteorologe bei SRF Meteo tätig. Derzeit arbeitet er im Homeoffice in Oberschan, wo er eine Wetterstation hat.

Jürg Zogg ist als Meteorologe bei SRF Meteo tätig. Derzeit arbeitet er im Homeoffice in Oberschan, wo er eine Wetterstation hat.

Bild: Heini Schwendener

Mit 21,9 Grad wurde in Vaduz am vergangenen Sonntag «schweizweit» die bisher höchste Temperatur in diesem Jahr gemessen. In Vaduz war es in einem Februar ausserdem noch nie so warm. Zu entnehmen sind diese Angaben der Website von SRF Meteo. Dort arbeitet Jürg Zogg seit 2004 als Meteorologe. Wie sein Name verrät, liegen seine Wurzeln im Werdenberg.

In Oberschan betreibt Jürg Zogg, der in Wil aufgewachsen ist, seit 2008 eine vollautomatisierte Wetterstation (www.wartauerwetter.ch) und dort verbringt er häufig auch seine Tage im Homeoffice. Naheliegend war es daher, diesen lokalen Fachmann zu fragen, wie es dem riesigen, ursprünglich 3300 Quadratmeter grossen und 3,5 bis 4 Meter hohen Schneedepot auf dem Buchser Marktplatz unter den gegenwärtigen Wetterbedingungen an den Kragen geht. Der W&O hat dazu einen Wettbewerb lanciert, 342 Leserinnen und Leser haben mitgemacht.

Klassisches Tauwetter ist am effizientesten

Die Februar-Rekordtemperaturen vom Sonntag waren kein Einzelfall, der Februar-Frühling dauert bereits seit einigen Tagen an. Zudem hat der Föhn – Jürg Zoggs urchiges «Pföa» im Radio ist legendär – zwei Tage lang heftig getobt. Er wurde seinem Ruf als «Schneefresser» gerecht. Meteorologe Zogg veranschaulicht leicht verständlich, unter welchen Bedingungen Schnee wieder von der Bildfläche verschwindet:

«Schnee sublimiert, schmilzt oder taut.»

Bei der Sublimation wird der Schnee zu Dampf. Dies passiert, wenn die Luft trocken und knapp über 0 Grad warm ist. Die Abbaurate der Schnee­decke durch Sublimation ist gering. Effizienter ist der Prozess der Schmelze. Sie setze ein, wenn die Luft warm und trocken sei, so Zogg. Schnee wird dabei zu Wasser und Dampf. Ist die Luft feucht und warm und liegt der Taupunkt über 0 Grad, dann taut der Schnee und wird zu Wasser. Der Meteorologe erklärt:

«Dabei sprechen wir vom klassischen Tauwetter, die Schneedecke wird rasch kleiner.»

Wie schnell Schnee sublimieren, schmelzen und tauen kann, hat Jürg Zogg in Oberschan selbst hautnah erlebt. Am 15. Januar hat er in Prafisuot auf 675 Metern über Meer 105 cm Schnee gemessen. «Dies ist ein sehr seltenes Ereignis, insbesondere, weil der Grossteil davon innerhalb von 36 Stunden fiel», heisst es auf Zoggs Website. «Ich habe damals getippt, dass es März werden würde, bis der letzte Schneehaufen verschwunden ist», erzählt er dem W&O, «nun muss ich feststellen, dass ich etwa eine Woche daneben gelegen habe.»

Kommen wir also zum Buchser Schneedepot auf dem Buchser Marktplatz: Weiss ist es schon längst nicht mehr. Zwischen dem Grauschwarz der Deckschicht schimmert aber doch noch etwas Schnee durch. Schnee, der ab Mitte Januar, als die weisse Pracht während der Tage nonstop vom Himmel fiel, hierher zu einem Schneepot gekarrt wurde. Am 3. Februar lancierte der W&O den Wettbewerb und fragte seine Leserinnen und Leser: Wann ist der Schnee weg?

Januar und Februar waren nie realistisch

342 Personen haben am Wettbewerb mitgemacht. Bis Ende dieses Monats, also bis zum Sonntag, sind bereits 39 Tipps oder 11 Prozent aus dem Rennen. Denn 39 Personen haben wirklich geglaubt, dass das Schneedepot bereits Ende Februar Geschichte sein würde. Ein Augenschein vor Ort zeigt aber, dass das Ende dieses grössten je auf dem Marktplatz zusammengetragenen Schneedepots noch weit entfernt liegt. Die warmen Temperaturen und der Föhn in diesen Tagen setzen dem Depot zu, ohne Frage, aber die Menge ist zu gigantisch, um in den nächsten Wochen bereits zu kapitulieren.

Etwa 700 Fuhren Schnee

Rückblende: Gemäss Beat Cerny, dem Leiter des Buchser Werkhofs, wurden bis zu 700 Fuhren Schnee von Strassen und Plätzen der Stadt auf dem Buchser Marktplatz deponiert. Ein Radlader türme sie bis zu vier Meter hoch auf. Im Bericht vom 22. Januar im W&O lautete die Berechnung wie folgt:

«Es haben sich bis Donnerstag, 21. Januar, rund 11500 Kubikmeter Schnee auf dem Buchser Marktplatz angesammelt.»

In besagtem Dreieck bedeckte der Schnee damals eine Fläche von 3300 Quadratmetern. Das Schneedepot hat inzwischen merklich an Höhe verloren. Seine Fläche ist aber noch ähnlich gross wie vor einem Monat. Auf der Südseite schreitet die Schmelze schneller voran. Insgesamt ist das Schneedepot inzwischen zu einer kompakten, harten Masse mit einem «dreckigen» Überzug geworden. Dieser Überzug dürfte bei zunehmender Sonneneinstrahlung zum Problem werden.

Jürg Zogg, Meteorologe von SRF Meteo, sagt:

«Diese schwarze Oberfläche absorbiert mehr Sonnenstrahlen, sodass der Schnee schneller schmilzt, als wenn er noch immer ganz weiss wäre.»

Wenn ausserdem die Nachttemperaturen ebenfalls im positiven Bereich sind, schmelze das Schneedepot auch nachts munter weiter, so Zogg. Auf welche unterschiedliche Arten Schnee verschwinden kann, erklärt er auf der Frontseite.

Die nächsten gefährdeten Wettbewerbstipps

96 Personen haben ihren Wettbewerbstipp auf unterschiedliche Tage des Monats März festgelegt. Es müsste fast Unglaubliches passieren, dass darunter die Gewinnerin oder der Gewinner ist.