Buchserin verfasste eine Monografie über einen sudetendeutschen Politiker

Die Historikerin Susanne Keller-Giger hat ein Buch über Carl Kostka (1870–1957) verfasst. Er hat sich in der nordböhmischen Stadt Liberec stets für eine Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen eingesetzt.

Heini Schwendener
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Susanne Keller-Giger bei der Präsentation ihres Buches über den Politiker Carl Kostka (der Mann mit dunklem Frack) in Prag. (Bild: PD)

Susanne Keller-Giger bei der Präsentation ihres Buches über den Politiker Carl Kostka (der Mann mit dunklem Frack) in Prag. (Bild: PD)

Susanne Keller-Giger aus Buchs, die in Zürich Osteuropäische Geschichte und Slawistik studiert hat, ist Lehrerin und freischaffende Historikerin. Bekannt in der Region ist sie als Präsidentin der Historisch-Heimatkundlichen Vereinigung der Region Werdenberg sowie als Autorin und ehemalige Redaktorin des Werdenberger Jahrbuchs. Kürzlich konnte die Historikerin ihr Buch über Carl Kostka und die Deutschdemokratische Freiheitspartei in der Tschechoslowakei der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg vorstellen.

Erste Bekanntschaft mit Tschechien hat Susanne Keller-Giger in den Neunzigerjahren als Deutschlektorin in der nordböhmischen Stadt Liberec gemacht. Die deutschsprachige Presse in Reichenberg/Liberec während der Zwischenkriegszeit war schliesslich das Thema ihrer Lizentiatsarbeit. Der Stadt Liberec fühlte sie sich auch in der Folge verbunden, unter anderem als Vorstandsmitglied der Kooperation St. Gallen-Liberec.

Susanne Keller-Giger hat Osteuropäische Geschichte und Slawistik an der Universität Zürich studiert. (Bild: Heini Schwendener)

Susanne Keller-Giger hat Osteuropäische Geschichte und Slawistik an der Universität Zürich studiert. (Bild: Heini Schwendener)

Mit ihrer Monografie über Carl Kostka (1870–1957) würdigt die Susanne Keller-Giger die ausserordentlichen Leistungen des ehemaligen Liberecer Bürgermeisters und des Mitbegründers der Deutschdemokratischen Freiheitspartei. Für diese sass Kostka im Parlament und war ihr letzter gesamtstaatlicher Präsident bis zum Frühjahr 1939. Das Buch von Susanne Keller-Giger vermittelt einen Einblick in das letztlich erfolglose Ringen der kleinen Partei um eine Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen in der ersten Tschechoslowakischen Republik. Als Kostka 1929 Bürgermeister von Liberec wurde, erhielten nach fast 40 Jahren deutschnationaler Führung aktivistische Kräfte, die dem tschechoslowakischen Staat grundsätzlich wohlgesonnen waren, die Mehrheit im Rathaus.

Aus der Vergessenheit zurückgeholt

Zermürbt durch Anfeindungen nationalsozialistischer Kräfte trat Kostka 1938 zurück. Seine Frau wurde 1945 auf dem Weg in die Internierung getötet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lebte Kostka mit seinen Kindern bis zu seinem Tod im Jahr 1957 isoliert und fast vergessen in Prag. Susanne Keller-Giger hat ihn mit ihrem Buch in tschechischer Sprache aus der Vergessenheit zurückgeholt.