Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Buchser OZ-Schulleiter Werner Koller: «Beziehungsarbeit ist die Basis zum Lernen»

Die Ferien sind vorbei. Über 100 Schüler haben neu im Buchser Oberstufenzentrum Grof gestartet. Grund genug für einen Besuch in der Schule. Und Gespräche im Schulleiterbüro und Klassenzimmer über Kompetenzen, Ziele, Leistungsdruck und Greta Thunberg.
Interview: Ursula Wegstein
Schulleiter Werner Koller vor dem analogen Stundenplan.Bild: Ursula Wegstein

Schulleiter Werner Koller vor dem analogen Stundenplan.Bild: Ursula Wegstein

Werner Koller (50) ist seit 1995 Oberstufenlehrer und Schulleiter im Oberstufenzentrum Grof in Buchs. Koller ist verheiratet und hat zwei Kinder im Teenageralter.

Was hat sich seit Ihren Anfängen als Lehrer verändert?

Werner Koller: Die Schule entwickelt sich im Gleichschritt mit den gesellschaftlichen Veränderungen weiter. Die Rahmenbedingungen haben sich geändert: Wir haben jetzt Blockzeiten auf der Primarstufe, neue Lehrpläne, Tagesstrukturen. Und die Schulsozialarbeit. Die Grundlage für erfolgreiches Lernen ist allerdings nach wie vor die Beziehungsarbeit.

Welche Rolle spielt das Smartphone heute in der Schule?

Sehr viele Jugendliche benutzen ein Smartphone in ihrer Freizeit. Auch in der Schule haben die neuen Technologien Einzug gehalten. Auf den Buchser Schulanlagen sind Smartphones grundsätzlich verboten. Die Lehrpersonen können den Einsatz bei besonderen Anlässen oder Unterrichtseinheiten jedoch erlauben. In der Schule fördern wir vor allem den kreativen und sinnvollen Umgang mit mobilen Geräten.

Es kommt vor, dass unter den Schülern verbotenes Bildmaterial verschickt wird. Sind die Schüler über die Gefahren informiert?

Die Schule sensibilisiert die Jugendlichen, schult sie auch in diesem Bereich und weist auf Gefahren hin. Wertvolle Unterstützung bietet insoweit auch die Schulsozialarbeit. Die Jugendlichen müssen wissen, dass ihre Posts schnell weiterverbreitet werden können und, dass sie damit jemanden sehr verletzen können. Früher blieben solche Geschichten auf dem Pausenplatz. Wenn Jugendliche heute mit dem Umgang mit digitalen Geräten einen Fehler machen, kann das weitreichende Folgen haben.

Warum passiert das immer wieder?

Information und Prävention wirken nicht bei allen gleich. Das ist wie mit der Herdplatte: Wenn es heisst, «bitte nicht berühren», gibt es doch immer wieder Kinder, die das austesten, weil sie es erst glauben, wenn sie sich die Finger verbrennen.

Ist der Leistungsdruck auf die Schüler heute insgesamt grösser?

Die Lerninhalte und die Gewichtung haben sich verändert. Für die Einführung von Frühenglisch wurde beispielsweise der Anteil der musischen Fächer reduziert. Insoweit sind die Lernanforderungen angestiegen. Es ist erfreulich, wie gut die Englischkenntnisse nach der Primarschulzeit sind. Weil uns aber auch der musische Bereich wichtig ist, bietet die Schule Buchs in diesem Bereich zusätzliche Wahlangebote an.

Wie bereitet die Schule von heute die Schüler auf die Zukunft vor?

Weil sich die Anforderungen an die Schüler verändert haben, wurde der alte Lehrplan kürzlich durch den Lehrplan 21 ersetzt. Dieser gilt für alle Deutschschweizer Kantone und formuliert erstmals Kompetenzen, welche die Schüler innerhalb der Volksschulzeit erlangen sollten. Nach wie vor vermittelt die Schule heute ein breites Allgemeinwissen und viele Grundfertigkeiten. Die Gesellschaft und die Arbeitswelt verändern sich permanent. Das verlangt auch von der Schule Flexibilität und den Willen, sich weiterzuentwickeln. Wichtig sind die überfachlichen Kompetenzen, welche sich die Jugendlichen aneignen müssen.

Welche überfachlichen Kompetenzen sind das zum Beispiel?

Wie gehe ich auf eine Herausforderung zu? Welche Problemlösungsstrategie wende ich an und bringe ich das nötige Durchhaltevermögen auf? Wann stimmt für mich die Qualität eines Produkts? Aktuell hört und liest man zudem viel über die Kompetenzen, welche die Jugendlichen im Umgang mit neuen Medien erlangen müssen. Das Lernen mit mobilen Geräten soll das Lehren und Lernen selbstverständlich ergänzen. Nach wie vor hat das Arbeiten mit den Händen einen hohen Stellenwert in der Schule.

Manche Schüler bekommen für einen Sechser z. B. sechs Franken oder eine andere Belohnung. Andere werden für einen Vierer bestraft. Sind wir zu sehr auf Noten fixiert?

Die Beurteilung der Schularbeiten gehört zur Schule und zu den Pflichtaufgaben der Lehrpersonen. Eine Note muss man stets in Relation zu den individuellen Möglichkeiten eines Kindes betrachten. Deshalb macht es keinen Sinn, wenn man Schüler miteinander vergleicht. Aus meiner Sicht ist es essenziell, dass sich die Eltern nicht nur für die Noten, sondern ganzheitlich für ihr Kind und die schulischen Belange interessieren. Ein Lob oder Trost ist sinnvoller als eine Belohnung oder Bestrafung.

Was würden Sie in der Schule gerne ändern?

Wichtig ist, dass wir den Schulalltag weiterhin mit offenen Ohren und Augen bestreiten. Dazu gehört eine enge Zusammenarbeit mit allen Beteiligten zum Wohle der Schülerinnen und ­Schüler.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.