Buchser Klauenpfleger leistet Hilfe zur Selbsthilfe im Kosovo und Albanien

Menschen und Tieren kann auf unterschiedlichste Weise geholfen werden. Hufschmied und Klauenpfleger Ruedi Blumer hilft in den beiden Ländern Milchkühen und ihren Haltern, indem er Klauenpfleger ausbildet. Sein Engagement stiess dabei auf gemischtes Echo.

Jessica Nigg
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Ruedi Blumer engagiert sich in Albanien und im Kosovo und bildet dort Klauenpfleger aus. Diese können so ihr Einkommen verbessern und gleichzeitig wird den Kühen geholfen. (Bild: Jessica Nigg)

Ruedi Blumer engagiert sich in Albanien und im Kosovo und bildet dort Klauenpfleger aus. Diese können so ihr Einkommen verbessern und gleichzeitig wird den Kühen geholfen. (Bild: Jessica Nigg)

Bei einem ersten Besuch in diversen Milchbetrieben der beiden Länder kümmerte sich Ruedi Blumer um die Klauen der Kühe, welche sich zu nicht selten in einem erbärmlichen Zustand befunden haben. Angestossen wurde dieses Engagement durch den in Albanien lebenden Österreicher Hans Spernbauer. Er ist Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Almako AG. Dem über 70-Jährigen ist es ein Anliegen, die Lebensumstände von Nutztieren in Albanien und im Kosovo zu verbessern, weshalb er mit Spezialisten wie Ruedi Blumer zusammenarbeitet. Geld fliesst dabei kaum – ausser fünf Euro Unkostenbeitrag pro Tag.

Fachleute ausbilden statt einzelne Hilfsaktionen starten

Grosses Interesse: Diese Männer lernen, wie Klauen korrekt gepflegt werden. (Bild: PD)

Grosses Interesse: Diese Männer lernen, wie Klauen korrekt gepflegt werden. (Bild: PD)

Damit es den Kühen auf längere Frist gesehen besser ergeht, unterrichtete Blumer im Rahmen dieses Engagements bei seinem zweiten Besuch in den beiden Ländern kürzlich interessierte Studenten und Berufsleute im Fach Klauenpflege.

«Im Kosovo erlebte ich sehr motivierte Teilnehmer, während in Albanien kaum einer in der Klasse bis zum Abend durchhielt»

Dabei zeigte sich ein erheblicher Unterschied: «Im Kosovo erlebte ich sehr motivierte Teilnehmer, während in Albanien kaum einer in der Klasse bis zum Abend durchhielt», erklärt er. Ganz allgemein könne man sagen, dass die Betriebe in Albanien grösser seien als im Kosovo. Die Kühe beziehungsweise deren Klauen, seien im Kosovo in einem viel besseren Zustand als in Albanien. Dort stünden sowohl die Einstellung zum Tierwohl als auch wirtschaftliches Denken noch auf einer anderen Ebene als im Kosovo, der sich – er spreche von den Milchbetrieben, die er gesehen habe, betont Blumer – mit europäischen Standards durchaus vergleichen lasse.

Kein schöner Anblick: In den meisten Milchbetrieben kommt die Klauenpflege zu kurz.

Kein schöner Anblick: In den meisten Milchbetrieben kommt die Klauenpflege zu kurz.

(Bilder: PD)

(Bilder: PD)

Während Landwirte in der Schweiz mit saftigen Bussen rechnen müssen, sollten sie die Klauenpflege vernachlässigen, drohen in Albanien und im Kosovo keine vergleichbaren Sanktionen. Immerhin hätten es die Landwirte im Kosovo verstanden, dass gesunde Tiere mehr und bessere Milch geben als Kranke – und damit Tierpflege auch bares Geld bedeuten kann. «In Albanien ist mir eine solche Erkenntnis nicht aufgefallen», erklärt Blumer. Einerseits fehle ein wenig die Motivation zu einem Wandel, andererseits seien die Möglichkeiten zur Besserung nicht gegeben. So sei es beispielsweise in albanischen Betrieben – welche teilweise 300 bis 400 Milchkühe führten – so, dass Tierärzte direkt ab der Universität fest angestellt werden. Leider fehle es diesem jungen Arbeitskräften an Praxiserfahrung und an einer guten Ausrüstung – wie durchdachten, professionellen Klauenständen. «In einem Betrieb dieser Grössenordnung braucht es unbedingt einen Klauenstand, um effektiv arbeiten zu können», so Blumer. «Um die Klauen eines Bestandes gesund zu erhalten, müssten jeden Tag mindestens fünf Kühe behandelt werden.»

Milchverarbeiter mit einbeziehen

Bei seinen Besuchen stiess Ruedi Blumer (Zweiter von rechts) auf unterschiedliche Reaktionen. Im Kosovo lernten die Fachleute mit mehr Engagement. (Bild: PD)

Bei seinen Besuchen stiess Ruedi Blumer (Zweiter von rechts) auf unterschiedliche Reaktionen. Im Kosovo lernten die Fachleute mit mehr Engagement. (Bild: PD)

Um das Problembewusstsein zu steigern und damit das Tierleid zu mindern, sollen auch die Milchverarbeiter in die Pflicht genommen werden. Zum Beispiel, indem sie in Klauenstände investieren und selbst Klauenpflege anbieten. Die Kosten dafür sollen dann über den Milchpreis wieder herein geholt werden. Die Ausbildung von diplomierten Klauenpflegern, in der sich Ruedi Blumer aktuell engagiert, ist ein weiteres Mittel für eine Verbesserung der Situation. Im Kosovo zahlen Landwirte rund 5 bis 10 Euro für die Klauenpflege einer Kuh. «Eine ausgebildete Fachkraft könnte bis zu 15 Euro pro Kuh verlangen und damit gutes Geld verdienen», erklärt Blumer.

Wie viele Diplome er ausstellen kann, wird sich Anfang kommenden Jahres zeigen: «Dafür müssten die Teilnehmer bis im Januar belegen können, dass sie insgesamt 90 Tiere behandelt haben plus eine Abschlussprüfung ablegen.» Ob eine solche aber je stattfinden wird, weiss er nicht. «Für den Kosovo bin ich zuversichtlich, für Albanien eher skeptisch.»

Nicht nur die Klauen von Kühen werden vernachlässigt - auch die Hufe dieses Esels sind in einem für das Tier sehr schmerzhaften Zustand. Ruedi Blumer sah den Esel, der kaum mehr gehen konnte und holte ihn kurzerhand in den Klauenstand, wo er wohl das erste Mal von einem Hufschmied behandelt wurde. (Bild: PD)

Nicht nur die Klauen von Kühen werden vernachlässigt - auch die Hufe dieses Esels sind in einem für das Tier sehr schmerzhaften Zustand. Ruedi Blumer sah den Esel, der kaum mehr gehen konnte und holte ihn kurzerhand in den Klauenstand, wo er wohl das erste Mal von einem Hufschmied behandelt wurde. (Bild: PD)

So muss das aussehen! Der Esel habe nach der Behandlung ein paar vorsichtige Schritte getan und sei dann fröhlich davongetrabt, erzählt Ruedi Blumer. (Bild: PD)

So muss das aussehen! Der Esel habe nach der Behandlung ein paar vorsichtige Schritte getan und sei dann fröhlich davongetrabt, erzählt Ruedi Blumer. (Bild: PD)