Buchs
Unter dem Motto «Politik geht uns alle etwas an» half das BZB Lernenden bei der Meinungsbildung

Der Verein Discuss it organisierte vier Referenten, welche die Schülerinnen und Schüler des Berufs- und Weiterbildungszentrums Buchs (BZB) über die beiden Agrarinitiativen informierten.

Alexandra Gächter
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Unter dem Motto «Politik geht uns alle etwas an» führte der Verein Discuss it eine Podiumsdiskussion im BZB durch.

Unter dem Motto «Politik geht uns alle etwas an» führte der Verein Discuss it eine Podiumsdiskussion im BZB durch.

Alexandra Gächter

Etwa 50 Schüler und Schülerinnen des Berufs- und Weiterbildungszentrums Buchs (BZB) wurden gestern zu einer Podiumsdiskussion zu den beiden Initiativen «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» und «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» eingeladen.

Ermöglicht wurde der Anlass vom Verein Discuss it. Der Verein hat die Mission, Jugendliche für Politik zu interessieren und deren politische Bildung zu fördern. Seit wenigen Jahren finden deshalb in Schweizer Kantons- und Berufsschulen regelmässig Veranstaltungen zu aktuellen politischen Themen und Abstimmungsvorlagen statt. Moderator Philip Poppelreuter appellierte an die Jugendlichen: «Politik geht uns alle etwas an. Setzt euch mit der Politik auseinander. Es ist ein Privileg, abstimmen zu dürfen.»

Der Respekt wurde gewahrt

Mit den vier Referenten Karin Hasler, Kantonsrätin SP; Richard Faust, Präsident Grüne; Franziska Steiner-Kaufmann, Kantonsrätin CVP, und Mario Schlegel, Präsident SVP Buchs, wurde den Lernenden ein umfassendes und ausgewogenes Bild der beiden Initiativen gegeben. Die Meinungen des linken und rechten Lagers gingen sehr stark auseinander. Nicht wenige Male wurde dementiert, was der Vorredner oder die Vorrednerin gesagt hatten. Trotz der hitzigen Diskussion wurde stets der Respekt gewahrt und die andere Partei durfte ausreden. Das war dem Verein Discuss it ein grosses Anliegen, um den Lernenden ein Vorbild zu sein.

Mario Schlegel, Präsident SVP Buchs; Franziska Steiner-Kaufmann, Kantonsrätin CVP; Moderator Philip Poppelreuter; Richard Faust, Präsident Grüne und Karin Hasler, Kantonsrätin SP (von links).

Mario Schlegel, Präsident SVP Buchs; Franziska Steiner-Kaufmann, Kantonsrätin CVP; Moderator Philip Poppelreuter; Richard Faust, Präsident Grüne und Karin Hasler, Kantonsrätin SP (von links).

Alexandra Gächter

Karin Hasler und Richard Faust sind beide klar für die Initiativen. «Die Gesundheit hat für mich und meine Kinder Vorrang. Die Umwelt steht vor dem Kollaps. Unser Böden gehen kaputt, ebenso unsere Biodiversität», sagte Karin Hasler. Die beiden Initiativen seien deshalb Verzweiflungsakte der Bevölkerung. Richard Faust sagte, er anerkenne die Fortschritte der Landwirtschaft, aber es gehe ihm zu langsam. «Der Bodensee ist praktisch eine Kloake und 14 von 14 Wasserproben von kleinen Gewässern im Kanton St. Gallen sind schlecht oder ungenügend, wie eine Untersuchung zeigt.»

Zwei Direktbetroffene schilderten aus ihrer Sicht

Ihnen gegenüber standen Franziska Steiner-Kaufmann und der Buchser Mario Schlegel. Beide sind von den Initiativen direkt betroffen. Die Familie von Steiner-Kaufmann führt einen Bauernbetrieb im Nebenerwerb mit 15 Mutterkühen, Schlegel arbeitet auf dem elterlichen Gemüsebetrieb. Franziska Steiner-Kaufmann sagte, dass nicht nur Landwirte unter der Annahme der beiden Initiativen leiden würden. Franziska Steiner-Kaufmann sagt:

«160 000 Arbeitsplätze könnten in der Schweiz verschwinden, werden gefährdet oder werden Schäden davon tragen.»

Mario Schlegel sagte, dass die beiden Initiativen enorme Ertragsverluste in der Landwirtschaft generieren werden. «Wir riskieren im Gemüsebau Totalausfälle.» Ausserdem werde die Landwirtschaft vom linken politischen Lager als Sündenbock dargestellt, obwohl Landwirte immer bessere Pflanzenschutzmittel einsetzen würden. «An der Umweltverschmutzung sind alle schuld. Es gibt immer mehr Verkehr und es wird immer mehr gebaut», so Schlegel.

Schüler waren mehrheitlich gegen die Initiativen

Bei der anschliessenden Fragerunde zeichnete sich ab, dass die Schülerinnen und Schüler gegenüber den beiden Initiativen eher skeptisch eingestellt sind. «Wie soll ich den Mehrpreis fürs Essen von meinem Stiftenlohn bezahlen?» und «Kostet im Restaurant ein Menü anstatt 35 Franken danach 55 Franken?» lauteten zwei Einwände.

Am Schluss der Veranstaltung durften die Informatiker, Bauzeichner, Schreiner und Automobilmechatroniker abstimmen. Fünf Lernende sind für die Initiative «Für sauberes Trinkwasser», 46 dagegen. Für die zweite Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» sind acht Personen dafür und 44 dagegen. Darauf angesprochen, wieso er im Gegensatz zu seinen Mitschülern die Initiativen annehmen würde, antwortete ein Schüler:

«Ich denke, es geht vielen ums Geld. Mir ist es hingegen wichtig, was ich esse. Ich zahle gerne mehr dafür.»

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