Buchs
Schulkinder und Dorfvereine gestalteten im Kriegsjahr 1941 eine besondere Bundesfeier in Buchs

Vor 80 Jahren stand der 1. August im Zeichen des 650-jährigen Bestehens der schweizerischen Eidgenossenschaft. Stafetten der Buchser Turner brachten das «Rütlifeuer» auf den Festplatz beim Schulhaus Grof.

Hansruedi Rohrer
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An der Nachmittagsfeier zeigte die Jugendriege das Fahnenschwingen.

An der Nachmittagsfeier zeigte die Jugendriege das Fahnenschwingen.

Bild: Archiv Hansruedi Rohrer

In den Werdenberger Dörfern beging man diesen Geburtstag der Schweiz in feierlicher Weise und auch in Dankbarkeit. Es war das Kriegsjahr 1941. Die vom Verkehrsverein organisierte Bundesfeier in Buchs wurde in zwei Teilen durchgeführt: Am Nachmittag zeigte sich die Schuljugend mit Vorträgen, an der Abendfeier wirkten verschiedene Dorfvereine mit.

Vaterländische Lieder waren zu hören

Der Festplatz war beim Schulhaus Grof zu finden. Um 16 Uhr begann die Jugendfeier mit Gesang, Sprechchor, Reigen und Fahnenschwingen der Buchser Schülerschaft von der 1. bis zur 7. Klasse. Es waren vaterländische Lieder zu hören, wie «O mein Heimatland», «Junge Schweizer», «Vaterland ruh in Gotteshand» oder «Da höch uf de Alpe».

Der Gesamtchor von der 4. bis zur 7. Klasse mit einem Liedervortrag.
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Der vereinigte Knabenchor mit dem Vortrag «Junge Schweizer» auf der Festbühne.
Schulkinder während des Auftritts, hinten Primarlehrer Fritz Stauffacher.
Schulkinder wirkten mit, darunter auch die Mädchen der Sekundarschule mit Reigen und Gesang

Der Gesamtchor von der 4. bis zur 7. Klasse mit einem Liedervortrag.

Bild: Archiv Hansruedi Rohrer

Zu diesen jugendlichen Vorträgen versammelte sich bereits viel Volk auf dem Festplatz. Auch die Beflaggung in den Strassen und Quartieren liess sich sehen. Gegen 18 Uhr wurde während dieser Kinderfeier das «Rütlifeuer» durch Stafetten der Buchser Turner auf den Festplatz gebracht. Die Übernahme des Feuers von der Gemeinde Grabs erfolgte beim «Rössli» Werdenberg. Nach Entzünden der Fackel in Buchs wurde das Feuer durch Läufer des Turnvereins an die Gemeinde Sevelen weitergegeben. Mehrmals einsetzender Regen störte die Feier etwas.

«Rütlifeuer» brannte den ganzen Abend

Entzünden der Fackel auf der Bühne mit dem überbrachten «Rütlifeuer».

Entzünden der Fackel auf der Bühne mit dem überbrachten «Rütlifeuer».

Bild: Archiv Hansruedi Rohrer

Nach dem Geläute der Kirchenglocken begann die Abendfeier um 21.15 Uhr. Während den Vorträgen brannte das überbrachte «Rütlifeuer» als Symbol auf der Festbühne. Im Gegensatz zum Nachmittag wurde der Abend vom Regen verschont. Die vielen Besucher hörten zuerst via Übertragung die Ansprache von Bundesrat Etter aus Schwyz.

Danach bestritten die Musikgesellschaft Harmonie Buchs, der Eisenbahner-Männerchor und der Sängerbund Buchs, ein Kinderchor sowie der Turnverein Buchs das Abendprogramm.

W&O-Redaktor hielt eine Ansprache

Im Mittelpunkt stand die vaterländische Ansprache von Willi Rohner aus Altstätten, damaliger Redaktor des «Werdenberger & Obertoggenburger». Er zeichnete das Bild vom Werden und Wachsen des Schweizerlandes. «Unserem Vaterlande wurde nichts geschenkt», sprach er zur Festgemeinde.

«Was heute da steht, ist mühsam erkämpft und errungen worden und mit Gottes Segen gross geworden.»

Der Redner sagte dazu auch: «Wenn wir an diesem Feiertag voll Stolz und Freude auf den weiten Weg der Eidgenossenschaft durch die Jahrhunderte blicken, so erkennen wir, dass das, was wir sind und haben, nicht aus uns kommt, sondern es ist das Verdienst aller Generationen vor und bis zurück zu jenen drei Männern, die den ersten Schweizerbund auf dem Rütli schlossen.» Willi Rohner betonte aber auch, dass ein neues Europa im Werden sei:

«Ganz bestimmt werden wir auch unseren Platz und unsere Arbeit in dem kommenden Europa finden.»
Zeitungsinserat zur abendlichen Jubiläums-Bundesfeier 1941.

Zeitungsinserat zur abendlichen Jubiläums-Bundesfeier 1941.

Bild: Archiv Hansruedi Rohrer

Bundesschwur und Turnerpyramiden

Eindrucksvoll gestaltete sich der von Josef Frei vertonte und von den vereinigten Männerchören, einem Schülerchor und der Musikgesellschaft Harmonie vorgetragene Bundesschwur nach der Fassung von Friedrich Schiller. «Es war ein schweres Stück Arbeit für Leiter und Mitwirkende, bis dieses Tongemälde mit den verschiedenen Einsätzen einstudiert war», berichtete die Zeitung danach. Und die vorgeführten Pyramiden der Turner wiesen eine vaterländische Note auf und zeigten die Bilder der Heldenzeit, Rütlischwur und Stauffachers Opferung. Das Singen der Vaterlandshymne beendete die Jubiläums-Bundesfeier 1941.

Quellen: «Werdenberger & Obertoggenburger» und «Werdenberger Nachrichten» 1941

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