Buchs
Ein astronomisches Meisterwerk: Mario Scarpatetti erfindet Uhrwerk mit säkularem ewigem Kalender samt Mondphasenanzeige

«Calender Perpeten» so heisst eine ganz spezielle Uhr, welche der Buchser Uhrmacher Mario Scarpatetti von A-Z erschaffen hat. Mit diesem einmaligen Wunderwerk hat der talentierte Uhrenhandwerker nun den Young Talent Competition-Preis dieses Jahres gewonnen.

Hansruedi Rohrer
Merken
Drucken
Teilen
Mario Scarpatetti mit seiner «Calender Perpeten»-Uhr, welche auch die ungleich langen Säkularjahre korrigiert.

Mario Scarpatetti mit seiner «Calender Perpeten»-Uhr, welche auch die ungleich langen Säkularjahre korrigiert.

Bild: Hansruedi Rohrer

Der Young Talent Competition-Preis geht seit 2015 jeweils an die talentiertesten jungen Uhrmacherinnen und Uhrmacher der Welt, um sie zu unterstützen und ihre Kreationen zu würdigen. Die Uhren-Manufaktur F.P. Journe organisiert die Young Talent Competition zusammen mit The Hour Glass, dem Botschafter für Luxusuhren für die Region Asien und Pazifik. Die beiden Unternehmen verfolgen das Ziel, die hohe Kunst der Uhrmacherei und die Anerkennung des handwerklichen Schaffens zu vermitteln. Der Gewinner erhält ein Diplom und einen Check in der Höhe von 20'000 Franken.

Der 30-jährige, aus dem bündnerischen Parsonz kommende Mario Scarpatetti, ist natürlich – wie auch sein Buchser Arbeitgeber – hocherfreut über diese Anerkennung. Diese hat er sich aber auch reichlich verdient. Denn diese ganz besondere mechanische Uhr zu erfinden, zu kreieren und auch komplett herzustellen, war eine ganz knifflige Aufgabe.

Die Idee entstand im Jahr 2016

Mario Scarpatetti sagt zu seinem Werk: «Die Idee entstand Anfang 2016. Das Uhrwerk sollte einen säkularen ewigen Kalender nach meiner Erfindung von 2013 erhalten, eine Mondkugel für die Mondphasenanzeige sowie eine Zeitgleichungsanzeige. Weiter war der Wunsch, das Werk so zu konstruieren, dass die Uhr eine lange Gangreserve erhält. Nach der Konstruktion und der Planung begann ich im Frühling 2018 mit dem Fräsen der ersten Zahnräder. Der Bau des grossen Uhrwerks dauerte bis zum Sommer 2018.»

Die Mechanik des «Calender Perpeten» besitzt unter anderem eine Besonderheit: Sie erkennt nicht nur die Schaltjahre, sondern sie «weiss» zusätzlich, ob ein Jahrhundert oder Jahrtausend ein Schaltjahr ist oder nicht. Der Uhrmacher sagt: «Der Gedanke, wie eine Mechanik erkennen könnte, ob ein Jahrhundert oder Jahrtausend einen 29. Februar hat oder nicht, liess mich im Laufe der Modell- und Konstruktionsarbeiten nicht mehr los.» Während einer Zugfahrt sei ihm die Lösung «wie der Blitz» gekommen, erinnert er sich:

«Meine Idee war es, die Mechanik eines bekannten ewigen Kalenders durch ein zusätzliches Rad, welches sich in 400 Jahren einmal dreht, zu ergänzen.»

Das war die Lösung. Dieses 400-Jahresrad und dessen Weiterschaltung liess Mario Scarpatetti patentieren. «Der Zufall wollte es, dass mein 400-Jahresrad die Patentnummer 400 im Jahr 2018 bekam.»

Blick in den Mechanismus der ganz besonderen Uhr.

Blick in den Mechanismus der ganz besonderen Uhr.

Bild: PD

Gemäss ewigem gregorianischem Kalender

Die Nase der Schaltwippe des ewigen Kalenders tastet jeweils im Februar das 400-Jahresrad ab. Fällt die Nase in eine Lücke, schaltet die Uhr vom 28. Februar auf den 1. März. Liegt die Nase auf einer der 97 Erhöhungen auf, schaltet die Mechanik vom 28. Februar zuerst auf den 29. Februar und erst in der darauffolgenden Nacht auf den 1. März.

Interessant werde es dann bei einem Jahrhundert oder Jahrtausend, erklärt Mario Scarpatetti. Und gibt gleich zwei Beispiele: «Im Februar 2100 fällt die Nase der Schaltwippe in die Mitte einer breiten Lücke. Die Uhr schaltet vom 28. Februar auf den 1. März. Im Februar 2400 steht die Nase auf einer Stufe. Dann schaltet die Uhr vom 28. Februar auf den 29. Februar 2400.» Der Mechanismus funktioniert bis zum Jahr 9999 vollständig automatisch ohne Korrektur.

Mit 21-Kilo-Gewicht angetrieben

Auf dem grossen Zifferblatt besitzt die Uhr neun verschiedene Anzeigen: Sekunde, Minute, Stunde, Wochentag, Monat, Datum, aktuelles Jahr, Mondphase, Zeitgleichung mit Sonnenzeiger. Die Uhr wird mit einem 21-Kilo-Gewicht angetrieben und besitzt eine Gangreserve von 25 Tagen. Mario Scarpatetti arbeitet bereits an seinem nächsten Projekt. Dazu sagt er schmunzelnd:

«Die Uhr ist schon am Ticken.»