Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Brauchtum ist die Leidenschaft des Buchser Ueli Dörig

Seit 40 Jahren beschäftigt sich Ueli Dörig in der Freizeit mit dem Kunsthandwerk der Sennensattlerei. Unter seinen geschickten Händen entstehen Hosenträger, Schuhschnallen oder Hundehalsbänder.
Ramona Riedener
Ein Meister der sennischen Verzierungen: Ueli Dörig aus Buchs. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ein Meister der sennischen Verzierungen: Ueli Dörig aus Buchs. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Wow», dürften die meisten Besucher ausrufen, wenn sie zum ersten Mal Gast in der Werkstatt von Ueli Dörig sind. In seinem Haus in einem Buchser Wohnquartier pflegt der 64-jährige Familienvater als Hobby das Kunsthandwerk der Sennensattlerei. In aufwendiger Handarbeit entstehen Artefakte des Appenzeller und Toggenburger Sennenbrauchtums.

"Viele sagten, ich solle das Hobby doch zum Beruf machen. Doch das wollte ich nie"

Es ist nicht die Grösse der Werkstatt, die für Begeisterung sorgt, sondern kunstvolle Gegenstände, die ausgestellt sind. An Wänden und Balken hängen massive Kuhglocken an reich verzierten Lederriemen und typische Hosenträger der Sennentracht. In Schaukästen und auf Ablagen zeigen Hundehalsbänder, beschlagene Gürtelschnallen, Broschen, ein Stierhalfter an einem ebenfalls selber gemachten hölzernen Stierkopf und zahlreiche Utensilien des Brauchtums das Geschick des Kunstschaffenden.

Wie viele Stunden Arbeit stecken wohl da dahinter? Doch Zeit spielt in dieser Werkstatt kaum eine Rolle. Der Raum ist nicht gross, denn für sein Kunsthandwerk braucht er nicht viel Platz. Ausser einer währschaften Adler-Nähmaschine, die er aber nur selten braucht, reichen dem Sennensattler zwei Werkbänke und Ablagen, wo er seine selbst gezeichneten Skizzen und sein zum grossen Teil selber gemachtes Werkzeug verstaut hat.

Für dieses Handwerk braucht es Feingefühl und das richtige Werkzeug. (Bild: Hanspeter Schiess)

Für dieses Handwerk braucht es Feingefühl und das richtige Werkzeug. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wenn der Tag mal länger dauert

Das aufwendige Hobby des Vaters von drei erwachsenen Töchter ist damals, vor bald 40 Jahren, aus einer Not heraus entstanden. Als Bauernsohn auf dem Gamserberg aufgewachsen, war er es seit klein auf gewohnt, neben Schule oder Arbeit auf dem elterlichen Hof mitzuhelfen. Sein Tag begann morgens um sechs und endete abends um sechs. Da lag nicht mehr viel drin als essen und früh schlafen gehen, um wieder fit zu sein für das Tagwerk am nächsten Morgen. Als der junge Mann dann wegzog, heiratete und als gelernter Schreiner regelmässige Arbeitszeiten hatte, war plötzlich ungewohnt viel Freizeit und Energie übrig. «Der Tag war einfach noch nicht fertig», erinnert sich der gebürtige Appenzeller. Da er schon immer ein Faible für das Senntum hatte und selber eine Appenzeller Tracht besitzt, wagte er sich an das Kunsthandwerk der Sennensattlerei heran.

Die professionellen Sennensattler waren damals nicht gerade begeistert über den Jungspund, der sich da an eine traditionsreiche Arbeit ranmachte. Sie hüteten ihre Berufsgeheimnisse mit Adleraugen und waren nicht bereit, einem jungen Hobbysattler mit Tipps und Tricks zu helfen. So musste Dörig das Handwerk von der Pike auf selber lernen und seine eigenen Erfahrungen sammeln. Eine aufwendige Sache, denn für die Sennensattlerei braucht es Geschicke aus Berufen wie Sattler, Goldschmied, Ziseleur und Graveur.

Aus Erfahrungen lernen

Während er am Anfang einzelne Arbeiten noch auswärts machen liess, eignete sich Dörig im Laufe der Zeit alle Fertigkeiten an, die es braucht, um ein Teil von A bis Z selber zu machen. Seine Materialien sind Messing, auch Bauerngold genannt, Sterlingsilber, Rinds- und Hirschleder, eingefärbte Geissenhaut und farbige Wollfransen. Das Werkzeug kann man nicht einfach kaufen. Oft wird es, zusammen mit dem Wissen über das Handwerk, an die nächste Generation vererbt. Da konnte der Quereinsteiger nicht mithalten und musste sein Rüstzeug deshalb selber herstellen.

Im Laufe der Zeit verfeinerte er nicht nur seine Techniken im Zeichnen, Ziselieren, Stanzen, Nähen oder Sticken, sondern entwickelte seinen eigenen Stil, der seinen Werken eine eigene Handschrift gibt. Wichtig ist ihm dabei auch, das kulturelle Brauchtum zu achten und nur Gegenstände zu machen, die auch traditionellen Ursprung haben. Auch haben nur klassische Motive der Alpfahrt und diese in der vorgeschriebenen Reihenfolge, auf den Hosenträgern oder Schellenriemen etwas zu suchen. Allein auch aus zeitlichen Gründen haben Souvenirartikel keinen Platz in Dörigs Werkstatt.

Auch das gehört zu seinem Repertoire: Ein kunstvoll gefertigtes Stierenhalfter. (Bild: Hanspeter Schiess)

Auch das gehört zu seinem Repertoire: Ein kunstvoll gefertigtes Stierenhalfter. (Bild: Hanspeter Schiess)

Seine Kunden kommen von überall

Doch im Konsumzeitalter hat nicht mehr jeder den Blick für aufwendige Handarbeit. «Ein Kunde wollte dieses Stück unbedingt haben. Er hat mir dafür 120 Franken geboten. Als ich nicht einwilligte, erhöhte er den Preis noch um 50 Franken», erzählt der begabte Künstler. Das Objekt der Begierde war ein aus Holz gefertigter Buchumschlag, gekonnt kunstvoll verziert mit Leder und verschiedenen Messingmotiven. Das Meisterwerk an Handarbeit dürfte locker 120 Arbeitsstunden verschlungen haben.

Spätestens seit der ersten Ausstellung 1992 im «Schäfli» Alt St. Johann hat sich Ueli Dörig nicht nur einen Namen in der Öffentlichkeit gemacht, sondern auch die Anerkennung in der Szene der Kunstschaffenden geholt. Seine Kunden kommen seither von überall. Allerdings braucht es Geduld, manchmal sogar Jahre, um ein begehrtes Stück aus Dörigs Werkstatt zu bekommen.

«Viele sagten, ich solle das Hobby doch zum Beruf machen. Doch das wollte ich nie», sagt der Buchser Ueli Dörig im Gespräch. So blieb es eine geliebte Freizeitbeschäftigung, für die seine Frau, selber kreativ tätig, stets Verständnis hatte. Ein Hobby soll es auch bleiben, wenn der Schreiner nun in den wohlverdienten Ruhestand geht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.