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Björn Bigger gibt bei den Gitzifäägern Sennwald den Ton an

Frühling, Sommer, Herbst, Winter, Fasnacht – Björn Bigger aus Buchs kennt fünf Jahreszeiten. Wie könnte es anders sein bei einem gebürtigen Sarganserländer, ist man geneigt zu sagen.
Armando Bianco
Ein Gugger mit Leib und Seele: Björn Bigger aus Buchs. (Bild: Mareycke Frehner)

Ein Gugger mit Leib und Seele: Björn Bigger aus Buchs. (Bild: Mareycke Frehner)

Seine Leidenschaft für die närrische Zeit des Jahres hat Björn Bigger aus der Hochburg mitgenommen ins Werdenberg, wo er nun schon viele Jahre lebt. Nicht nur als Präsident der Guggenmusig Gitzifääger Sennwald ist er am Puls der Fasnacht, auch im Frühjahr ist er stets dort anzutreffen, wo es an der Fasnacht hoch zu und her geht. Gegründet hat Björn Bigger den Verein im Jahr 2002, gemeinsam mit einigen Kolleginnen und Kollegen, danach stiessen immer mehr Mitglieder hinzu.

Mittlerweile hat sich die Gugga in der Region etabliert und sorgt auch über das Werdenberg hinaus mit kakofonischen Klängen, kreativen Kostümen und einer gehörigen Portion Freude auf sich aufmerksam. Die «Konkurrenz» in der Region ist ganz schön gross, in Liechtenstein ist Fasnacht schon fast eine Religion, im Sarganserland kann man sich ein Leben ohne gar nicht vorstellen.

Björn Bigger, Präsident und Dirigent der Gitzifääger Sennwald. (Bilder: Mareycke Frehner)Björn Bigger, Präsident und Dirigent der Gitzifääger Sennwald. (Bilder: Mareycke Frehner)
Beim Schminken nimmt es man im Vereinslokal in Sennwald ganz genau.Beim Schminken nimmt es man im Vereinslokal in Sennwald ganz genau.
Die weisse "Grundierung" im Gesicht ist gemacht.Die weisse "Grundierung" im Gesicht ist gemacht.
Die Sujets entsprechen ganz dem Motto "Assassins".Die Sujets entsprechen ganz dem Motto "Assassins".
Die Gitzifääger sind eine verschworene Gemeinschaft, nicht nur der Kutten wegen.Die Gitzifääger sind eine verschworene Gemeinschaft, nicht nur der Kutten wegen.
Genau und liebevolle Arbeit beim Schminken ist gefragt.Genau und liebevolle Arbeit beim Schminken ist gefragt.
Unerlässlich für Gugger: Eine Farbpistole.Unerlässlich für Gugger: Eine Farbpistole.
Björn Bigger scheint zufrieden mit dem Resultat.Björn Bigger scheint zufrieden mit dem Resultat.
Im Vereinslokal in Sennwald trifft man sich zu den Vorbereitungen.Im Vereinslokal in Sennwald trifft man sich zu den Vorbereitungen.
Und im Vereinslokal wird auch die Geselligkeit regelmässig gepflegt.Und im Vereinslokal wird auch die Geselligkeit regelmässig gepflegt.
Abzeichen und Embleme trägt der Gugger stets mit Stolz.Abzeichen und Embleme trägt der Gugger stets mit Stolz.
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Björn Bigger gibt bei den Gitzifäägern Sennwald den Ton an

Entweder richtig oder gar nicht

Seine Gugger-Karriere hat Björn Bigger bei der Valeis Guggä Vilters gestartet, mittlerweile gehört er in der Welt der Fasnächtler «zum alten Eisen», sagt er von sich selbst. Dabei schwingt etwas Stolz mit im Tonfall, so darf es auch sein, denn Björn Bigger war immer an vorderster Front dabei. Und der 40-Jährige macht aber überhaupt nicht den Eindruck, deswegen abgenutzt zu sein. Fragt man ihn nach Hobbys, kommt zuerst die Fasnacht, wie aus der Pistole geschossen.

«Früher hatten die meisten Gugger grosse Köpfe auf, als ich die zum ersten Mal gesehen habe, bin ich heulend weggerannt.»

Es gibt aber eine zweite Leidenschaft, die einen wichtigen Teil in seinem Leben einnimmt – «mein lieber VW Golf 2». Er war auch Mitglied im VW Club Rheintal, bis es ihm zeitlich nicht mehr aufgegangen ist. Nicht nur wegen der Fasnacht, sein Job in der Medienbranche ist aufwendig, Prioritäten haben sich verlagert. Also liess er es lieber sein. «Entweder bin ich voll bei der Sache oder gar nicht.» Das nennt man Entschlossenheit, wohl auch darum ist er unter den Fasnächtlern respektiert und beliebt.

Als es plötzlich schnell ging

Björn Bigger ist familiär «vorbelastet», alle seine Onkel waren in der Guggenmusig. Seine aus Vilters und Mels stammenden Eltern nahmen ihn schon früh mit ins Geschehen. Wobei einer seiner frühesten Erinnerungen so gar nicht darauf hindeutete, dass er ein Gugger von Schweiss und Blut werden sollte. «Früher hatten die meisten Gugger grosse Köpfe auf, als ich die zum ersten Mal gesehen habe, bin ich heulend weggerannt.»

Als Jugendlicher jedoch wuchs sein Interesse immer mehr, ein Cousin spielte Susafon in der Valais Guggä und ermunterte ihn, ebenfalls einzutreten. Als Mitglied der Tambouren beherrschte er ja ein Instrument. Nach dem Vorspielen ging es ziemlich schnell, die Woche darauf spielte er bereits an einem Auftritt mit, ohne einmal geprobt zu haben. Da er auch in der Jugendmusik spielte und musikalisch sattelfest war, hatte er deswegen keine Bedenken. «Es spielte nicht so sehr eine Rolle, wie es tönt – schliesslich hatte es genug andere, die mich übertönten», so der humorvolle Buchser.

Ohne Guggenmusig kann er nicht mehr leben

Umstände brachten es mit sich, dass er irgendwann die Gugga wechselte und Mitglied der Schlosstätscher Sargans wurde. «Von da an konnte ich nicht mehr ohne Guggenmusig leben», es tönt schon fast dramatisch. Das ist Björn Bigger, nicht mehr, nicht weniger. «Für mich war es damals ein idealer Ausgleich zur Jugendmusik, in der ich als Schlagzeuger immer nach Noten spielen musste.» In ihm steckt eben auch der Typ, der es gerne mal «wüten» lässt.

«Für mich war es damals ein idealer Ausgleich zur Jugendmusik, in der ich als Schlagzeuger immer nach Noten spielen musste.»

1996 wurde die Guggenmusig Buchs gegründet, die zuerst unter diesem gewöhnlichen Namen aufgetreten ist, danach benannte man sich auf Anraten von Björn Bigger in Näblschränzer um. «Wobei das mit dem Nebel heute hier nicht mehr so arg ist wie damals», meint er grinsend. Als 16-Jähriger wurde er plötzlich Dirigent, weil die Person, welches dieses Amt eigentliche bekleidete, wegen einem Fauxpass ausgetauscht werden sollte. «Ich sei in der Jugendmusik und somit fachlich qualifiziert», meinten die anderen. Dabei habe er von einigen Dingen eigentlich keinen blassen Schimmer gehabt. «Aber ja, dann mache ich das halt, habe ich mir gedacht.»

Die Wanderjahre gingen weiter

Nach vier Jahren wechselte er für ein Jahr aushilfsmässig zu den Spältaschränzer Feldkirch. Inzwischen spielte er auch Sousafon, ein gefragtes Instrument. «Allerdings war die österreichische Fasnacht nicht so mein Ding, darum habe ich es auf ein Jahr beschränkt.»

Die Wanderjahre gingen weiter, Björn Bigger dirigierte nun bei den Buschschränzern Gamprin, bis er plötzlich Lust bekam, eine eigene Guggenmusig zu gründen. «Die Idee war, dass wir uns Schlossberghüüler Werdenberg nennen, doch leider kam es anders, man siedelte 2002 auf der anderen Seite des Rheins an und wurde zur Guggenmusig Gitzifääger Nendeln.» Einige Jahre später bewirkten die Schweizer Mitglieder, dass der Verein als Gitzifääger Sennwald in die Schweiz zügelte; die Proben fanden sowieso schon meistens dort statt.

Stücke schreibt der selbst um

Seit 17 Jahren ist Björn Bigger nun bei den Gitzifäägern als Dirigent und viele Jahre auch als Präsident am Ruder. Im Unternehmertum würde man ihn einen Macher nennen. Das Talent, Musikstücke für die Auftritte mit eigener Handschrift und mit Feedback von anderen Guggern umzuschreiben, hat ihn weit gebracht.

«Es ist mir wichtig, nicht ab vorgegebenen Notenblättern zu spielen. Man soll es mal so richtig ‹chesseln› lassen können.»

«Es ist mir wichtig, nicht einfach ab vorgegebenen Notenblättern zu spielen, dann könnte ich ja wieder in die ‹normale› Musik gehen.» Er liebt die musikalische Freiheit, deshalb spielen die Gitzifääger auch Songs von Linkin Park, Müslum oder Pink. «Man soll es doch mal so richtig ‹chesseln› lassen können.» Auch dabei legt der 40-Jährige Wert darauf, dass der Rhythmus, der Groove und die Töne stimmen. Seine Selbsteinschätzung ist durchaus auch akribisch.

Gipsfuss und gebrochene Nase

Björn Bigger bedauert etwas die Entwicklung der Fasnacht allgemein in den letzten Jahren. «An einem Ball sind die Leute früher reihenweise angestanden. Wenn ich heute an einen Ball gehe, frage ich mich ernsthaft, was aus unserer Fasnacht im Werdenberg geworden ist?» Und ja, einige Guggen in der Region, die zu ihren besten Zeiten bis zu 60 Leute zählten, sind verschwunden, andere nur geschrumpft. Nicht trotzig, sondern voller Überzeugung fügt er an: «Für mich gibt es aber keinen Grund aufzuhören.» Denn die Gitzifääger sind nach wie vor infiziert vom Fasnachtsvirus. Deshalb trifft sich der Verein fast das ganze Jahr hindurch zu Proben, Anlässen, Kostümherstellung oder Geselligkeit.

Björn Bigger hat schon mit gebrochener Nase Trompete gespielt, hat Umzüge mit einem Gipsfuss absolviert. Aber mit 40 Jahren braucht auch er das nicht mehr. Was er braucht, steckt in einem einzigen Wort: Fasnacht.

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