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Bienenforscher sagt: «Bienen sind unglaublich belastbar»

Eigentlich dürfte es Bienen gar nicht mehr geben», sagt Biologe Jürgen Tautz vor rund 100 Imkern in Salez. Denn sie leben ungeheuer dicht zusammen und müssen einer hohen Zahl an Krankheitserregern standhalten.
Katharina Rutz
Der Bienenforscher Jürgen Tautz wusste Erstaunliches über die Honigbiene zu erzählen. (Bild: Katharina Rutz)

Der Bienenforscher Jürgen Tautz wusste Erstaunliches über die Honigbiene zu erzählen. (Bild: Katharina Rutz)

Normalerweise breiten sich bei Tieren, die so eng wie die Bienen zusammenleben, Krankheiten sehr schnell aus. «Hinzu kommt, dass es aussergewöhnlich viele bienenspezifische Krankheiten gibt», sagt der Bienenforscher Jürgen Tautz anlässlich der Kadertagung des Imkerverbandes St. Gallen-Appenzell am Landwirtschaftlichen Zentrum.

Weshalb gibt es sie also noch? «Bienen haben sechs Verteidigungslinien», so Tautz. Eine wichtige ist zum Beispiel die Klimatisierung des Nests. Kranke Bienen werden zudem aus dem Stock entfernt, oder sie ändern ihre Verhalten und finden nicht mehr nach Hause zurück. Und natürlich verfügen Bienen auch über ein ausgeklügeltes Immunsystem.

«Süsse Küsse für heisse Bienen»

Das Bienenvolk agiert als Superorganismus, um zu überleben. So stirbt eine einzelne Biene bei plus vier Grad Celsius. «Das ist viel weniger, als andere Insekten aushalten», sagt Jürgen Tautz. Bienen in der Wintertraube, deren Mägen mit Honig gefüllt sind, halten aber Temperaturen bis zu minus 40 Grad aus.

Auch die Brut wird gemeinsam auf einer konstanten Temperatur von 35 bis 36 Grad gehalten. Im Sommer müssen die Bienen dafür kühlen und vibrieren dazu mit ihren Flügeln. Im Winter heizen sie mit ihrer Flugmuskulatur. «Indem die Bienen sie Vollgas laufen lassen», sagt Jürgen Tautz. Sie können dabei Temperaturen bis 44 Grad erzeugen. Nach einer halben Stunde sind sie allerdings erschöpft und brauchen Honig. Sie werden dann von sogenannten «Tankstellenbienen» gefüttert. Dies belegt die Arbeit einer Mitarbeiterin von Jürgen Tautz. Sie nannte das entsprechende Kapitel «Süsse Küsse für heisse Bienen».

Bienen stehen Modell

(Bild: Elisabeth Nembrini)

Wie das Kunstwerk Pendant entstand

Sind es Fische oder sind es Treicheln? Mannigfaltig sind die Vorschläge zum Kunstwerk von Elisabeth Nembrini an der Decke des Neubaus der Landwirtschaftlichen Schule Salez (LZSG). Am Kadertag des Imkerverbandes St. Gallen-Appenzell erklärte die Künstlerin selber, wie es zu dem Kunstwerk kam. Den Imkerinnen und Imkern war sofort klar, dass es sich dabei um den Naturwabenbau eines Bienenschwarmes handelte. Für das Kunstobjekt baute ein Kunstbienenschwarm aus dem Lehrbienenstand in Frümsen das Modell. Während fünf Tagen gab man den Bienen Zeit ohne Begrenzung ihren Wabenbau zu beginnen. Das Resultat wurde dann stark vergrössert und abstrahiert. Die bis zu drei Meter hohen Waben hängen nun von der Decke. Die Konstruktion wurde mit Schindeln überzogen. «Bei diesem Prozess sollen menschliches Handwerk und Technik sichtbar werden», sagt die Künstlerin. (kru)

Eine erstaunliche Behauptung war auch, dass Bienen gar nicht immer so fleissig sind, wie ihr Ruf. «Die meisten Bienen tun meistens nix», sagt Tautz und erntet dafür einige Lacher der Imkerinnen und Imker. Freilich vollbringen Bienen unglaubliche Leistungen. Beispielsweise sammeln sie pro Jahr über 100 Kilogramm Honig für den Eigenverbrauch und 10 bis 30 Kilogramm, die der Imker erntet.

Unterschiedlich sensible Individuen

Aber auch bei den Bienen, wie bei den Menschen, gibt es Individuen, die unterschiedlich sensibel auf den Anreiz etwas zu tun reagieren. «Zum Beispiel reagieren nicht alle gleich sensibel auf Wärme. Wird es einem Teil der Bienen zu warm, fangen diese an, mit ihren Flügeln Luft zu ventilieren. Steigt die Temperatur trotzdem noch weiter an, beginnt eine weitere Gruppe, denen es erst jetzt zu warm wird, mit dieser Aufgabe», erklärt Jürgen Tautz.

Bienen bekämpfen Schädlinge

Schliesslich kam Tautz auch, auf das Thema Agro-Chemie zu sprechen. Diese einfach zu verteufeln, helfe beim Problem Bienensterben nicht weiter, ist der Professor überzeugt. Agro-Chemie solle künftig intelligent kombiniert und gezielt eingesetzt werden. Auch Bienen können nämlich als Schädlingsbekämpfer wirken. In einem Versuch in zwei Gewächshäusern wurden Raupen eingesetzt, die sich an den Pflanzen darin gütlich tun sollten.

«Wespen fressen Raupen. Deshalb stehen Raupen vollkommen still, wenn eine Wespe vorbeikommt, damit der Feind sie nicht sieht. Raupen können aber Wespen und Bienen nicht auseinanderhalten», erläutert Tautz. In einem der beiden Gewächshäuser wurden also Bienen eingesetzt und danach wurde der Frassverlust verglichen. «Es zeigte sich, dass der Verlust im Gewächshaus geringer war, da die Raupen von den Bienen so gestresst wurden.»

«Bienen sind unglaublich belastbar», sagt Tautz zum Schluss seines Referats. «Die beste Hilfe für sie ist aber ein ganzjähriges und vielfältiges Blühangebot, damit sie genügend Nahrung finden.»

Bienenstiche können Folgen haben

Weiter beschäftigten sich die Kaderleute der Imkervereine mit der Folge von Bienenstichen, der Bienengesundheit und der Völkerbeurteilung.
Felix Neyer erinnerte einmal mehr daran, dass bei einer allergischen Reaktion auf einen Bienenstich nicht zugewartet, sondern der Notarzt alarmiert werden soll. Zudem seien Stiche im Mund und Rachenbereich wegen der Erstickungsgefahr nicht zu unterschätzen.

Bei den Brutkrankheiten Faul- und Sauerbrut konnte gegenüber dem Vorjahr eine Verbesserung festgestellt werden. Es gab im Kanton St. Gallen weniger Krankheitsfälle als im Jahr 2017. Im Werdenberg mussten dieses Jahr noch 38 Völker mit Sauerbrutbefall abgetötet werden, im gesamten Kanton waren dies 87. Im 2017 waren es im ganzen Kanton noch 185 Völker.

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